Stadt Münster: Stadtplanung - Oxford-Kaserne

Seiteninhalt

Konversion der Oxford-Kaserne

Weiterentwicklung des städtebaulichen Entwurfs

Visualisierung Hof. Quelle: Arbeitsgemeinschaft OXF

Bildergalerie mit Visualisierungen der Arge OXF

Im Planungsprozess zur Entwicklung der Oxford-Kaserne wurde der Dialog mit der Bürgerschaft fortgeführt: Am 7. April 2016 konnten sich alle Interessierten über die Weiterentwicklung des städtebaulichen Entwurfs für das ehemalige Kasernenareal in Gievenbeck informieren.

Auf dem Programm stand unter anderem ein Vortrag von Professor Joachim Schultz-Granberg, der als Vertreter des Planerteams einen Einblick in die laufende Arbeit am städtebaulichen Entwurf gab. Die Veranstaltung diente zugleich als frühzeitige Beteiligung der Öffentlichkeit an der Planung im Sinne des Baugesetzbuchs, nachdem der Rat der Stadt die Aufstellung des erforderlichen Bebauungsplans und die Änderung des Flächennutzungsplans beschlossen hatte.



Interview mit Prof. Dipl.-Ing. Joachim Schultz-Granberg: "Ort voller Nachbarschaften und Lieblingsplätze"

Skizze der Arbeitsgemeinschaft OXF

Skizze der Arbeitsgemeinschaft OXF

Im Juni 2015 hat der Rat der Stadt Münster die weitere Qualifizierung des aus dem Gutachterverfahren hervorgegangenen städtebaulichen Entwurfs beschlossen. Der Architekt Joachim Schultz-Granbeg gibt im Interview einen Einblick in seine Vorstellungen und Ansätze für die Neuplanung.

1. Ihr Planungsteam hat viel Erfahrung in der Neuplanung ehemaliger Kasernen: Was ist die besondere Herausforderung, die das Projekt Oxford ausmacht?
Was die Oxford-Kaserne von allen anderen mir bekannten Kasernen abhebt ist der absolut hochwertige Bestand. Oft geht es bei Konversionsprojekten um Neuplanungen für Kasernen, die nach dem Krieg gebaut wurden. Das Potenzial der Substanz ist hier oft gering. Das gilt für Oxford in keiner Weise. Der markante Eingangsbereich, die Terrassensituationen, der Rustika-Sockel, das alte Pflaster... Schon der allererste Eindruck gab uns den starken Impuls, hier mit dem Bestand zu arbeiten. Und das ist gleichzeitig auch unsere größte Herausforderung: Neues, zeitgemäßes Leben und Wohnen ermöglichen – mit einem Konzept, das alles Wertvolle und Erhaltenswerte wiedererkennbar bleiben lässt und nicht komplett überlagert.

2. Welche prägenden Akzente setzt Ihr Entwurf? Welche Elemente werden auch in der anstehenden Konkretisierung immer erkennbar bleiben?
Wir haben drei Säulen, die sicher erkennbar bleiben werden. Erstens der Leitgedanke, mit dem Bestand zu arbeiten und möglichst wenig neue Flächen zu versiegeln. Das bedeutet zum Beispiel, neue Gebäude auf alte Fundamente zu setzen. Zweites Grundprinzip sind die hofartigen Situationen, die wir auf dem gesamten Gelände – mal kleiner, mal größer – immer wieder schaffen wollen. Wir setzten auf die Chance, dass sich Gemeinschaften und Nachbarschaften bilden können. Und das gilt für alle Baufelder, ganz gleich, ob sie später von einer Baugruppe oder über einen Projektentwickler realisiert werden. Drittes prägendes Element ist der zentrale grüne Boulevard – ein parkartiger Bewegungsraum, der an den grünen Finger anschließt.

3. Angenommen, wir könnten in die Zukunft schauen: Auf welches "Stück" umgenutzte Kaserne sind Sie am meisten gespannt? Oder anders gefragt: Haben Sie in Ihrem Entwurf schon einen Lieblingsplatz?
Wenn ich einen Blick ins Jahr 2025 wagen könnte, würde ich die Fläche des ehemaligen Exerzierplatzes auswählen. Was die Architekten hier konkret bauen werden, hängt noch von vielen Faktoren ab. Aber der Platz, der jetzt noch so groß ist wie der Münsteraner Domplatz, wird sich in Atmosphäre und Gestalt dem Maßstab Gievenbecks annähern und sicher spannend verändern. Einen Lieblingsplatz im Entwurf zu benennen, fällt mir schwer. Das kommt immer auf den Blickwinkel an. Wenn ich mir vorstelle, ein neues Zuhause zu suchen, ist mein Profil entscheidend. Gefällt mir die Urbanität, ist das Wohnen am zentralen Boulevard für mich interessant. Suche ich dagegen Ruhe, ist die Partie im Westen mein Favorit. Kurzum: Ich bin sehr zuversichtlich, dass hier nicht einer, sondern ganz viele verschiedene Lieblingsplätze entstehen werden.

Als „Arbeitsgemeinschaft OXF“ arbeiten die Berliner Büros Kéré Architecture, Schultz-Granberg Städtebau+Architektur und bbz landschaftsarchitekten sowie Wasserbauingenieur Prof. Mathias Uhl aus Münster an der Weiterentwicklung des Entwurfs. Architekt Joachim Schultz-Granberg ist Professor an der msa | münster school architecture (Fachgebiet Städtebau).


Rückblick: Städtebauliches Gutachterverfahren

Auf dem Gelände der ehemaligen Oxford-Kaserne in Gievenbeck entsteht in den nächsten Jahren ein neues Quartier zum Wohnen, Arbeiten und Leben. Der städtebauliche Entwurf des Architekturbüros Kéré aus Berlin wird den Planungen zugrunde liegen. Das Team um den international bekannten Architekten Diébédo Francis Kéré ging aus dem städtebaulichen Gutachterverfahren als Gewinner hervor.

Anfang Juni haben die sechs beauftragten Teams aus Stadtplanern, Architekten und Freiraumplanern ihre Entwürfe abgegeben. Ihre Aufgabe war es, Konzeptvorschläge zu entwickeln, wie die Kasernenfläche (u.a. unter Berücksichtigung der denkmalwerten Gesamtanlage, der Gebäude und der Freiräume) zu einem nutzungsgemischten, vielfältigen und lebendigen Quartier werden kann, das sinnvoll in die Struktur Gievenbecks eingebunden ist.

Die Planungsverwaltung legt großen Wert auf die Bürgerbeteiligung im Konversionsprozess der Oxford-Kaserne. Wichtige Grundlage der Aufgabenstellung waren daher die Ergebnisse aus dem Workshop zur Leitbild-Entwicklung, an dem im November 2013 etwa 90 Bürgerinnen und Bürger mitgearbeitet haben. In der Fortsetzung war die Meinung der Bürgerinnen und Bürger auch im Gutachterverfahren gefragt. Eine öffentliche Diskussion der Pläne leitete die Entscheidung am Vorabend der Jurysitzung ein. Rund 300 Bürgerinnen und Bürger nutzten die Gelegenheit, sich die unterschiedlichen Ideen aus erster Hand von den Entwurfsverfassern erklären zu lassen. Im Anschluss an die Präsentationen notierten sie Anmerkungen für die Fachjury. So konnte das Stimmungsbild der Bürgerinnen und Bürger in die Entscheidungsfindung einfließen.

Die Entscheidung über die Rangfolge der sechs eingereichten Arbeiten traf die Fachjury nach intensiven Beratungen. Den mit 15.000 Euro dotierten ersten Preis vergab sie an das Büro Kéré Architecture (Berlin), das seinen Entwurf zusammen mit den bbz Landschaftsarchitekten (Berlin) sowie dem Büro Schultz-Granberg Städtebau + Architektur (Berlin) erarbeitet hatte. Laut Jurymeinung soll dieser Entwurf Grundlage für die weiteren Planungsschritte werden. Einstimmig beschloss das Preisgericht, fünf dritte Preise zu vergeben.

Das Amt für Stadtentwicklung, Stadtplanung und Verkehrsplanung stellte alle sechs städtebaulichen Entwürfe, die die Architektur- und Stadtplanungsbüros im Gutachterverfahren eingereicht haben, im La Vie - Treffpunkt Gievenbeck aus. An vier Terminen wurden Fragen zum Planungsprozess und den Entwürfen von den Stadtplaner aus dem städtischen Planungsamt direkt in der Ausstellung beantwortet.



Hintergrundinformationen zur Oxford-Kaserne

Luftbild

Luftbilder

Im Rahmen eines umfangreichen militärischen Ausbauprogramms des Standortes Münster, das mehrere Kasernen und Flugplätze sowie Wohnunterkünfte und Versorgungseinrichtungen umfasste, wurde die Kaserne in den Jahren 1934 - 1936 gebaut und als Flakartillerie-Kaserne genutzt. Im westlichen Teil der Kaserne waren vier Kampfbatterien und im östlichen Teil eine Scheinwerferbatterie untergebracht.

Nach dem Krieg wurde die Kaserne durch die Briten übernommen. In den 50er, 60er und 70er Jahren des 20. Jahrhunderts sind untergeordnet Baukörper ergänzt worden. Der Gebäudebestand im inneren Bereich des Kasernengeländes wird als denkmalwürdig eingestuft. Im nördlichen Bereich befinden sich Sportstätten, im südöstlichen Bereich die große Freifläche des Exerziersplatzes. Ein Offiziersheim liegt räumlich getrennt vom Kasernengelände auf der gegenüberliegenden Seite, südlich der Roxeler Straße.

Das Gelände der Oxford-Kaserne mit dem Bereich des Offiziersheims ist zusammen ca. 27 ha groß und über die Roxeler Straße erschlossen. Die Kaserne liegt etwa drei Kilometer westlich der Altstadt von Münster. Die Entwicklung einer zivilen Nachfolgenutzung der Kasernenfläche bietet die große Chance, die im Stadtteil vorhandenen Wohnquartiere, z. B. in "Alt-Gievenbeck", im "Auenviertel" und das Wohngebiet östlich des Ramertsweges sowie die Geschäftszentren an der St. Michael-Kirche und an der Roxeler Straße mit einander sinnvoll zu verbinden.



 

Zusatzinfos

Sie haben Fragen zur Konversion?

York-Kaserne:

02 51/4 92-61 30
02 51/4 92-61 31
02 51/4 92-61 77
york(at)stadt-muenster.de

Oxford-Kaserne:

02 51/4 92-61 10
02 51/4 92-61 40
02 51/4 92-61 81
oxford(at)stadt-muenster.de

Wohnstandorte:

02 51/4 92-61 54
02 51/4 92-61 28
02 51/4 92-61 42
wohnstandorte(at)stadt-muenster.de