Stadt Münster: Villa ten Hompel - Stadtverwaltung im NS

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Projektvorstellung

Die Rolle der Stadtverwaltung Münster im Nationalsozialismus, 1920-1960

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Die Verantwortlichen für das Projekt

Das Datum der Projektvorstellung, der 30. Januar, war nicht zufällig gewählt: Genau 85 Jahre früher hatten die Nationalsozialisten ihre Machtübernahme in Berlin wirkungsvoll inszeniert. Wenige Monate später setzten sie mit Albert Hillebrand in Münster einen überzeugten Nationalsozialisten als Oberbürgermeister ein, der zwar Verwaltungserfahrung besaß, aber kaum geeignet für das Amt des Behördenleiters war. In ihrem Vortrag betonte Annika Hartmann die Bedeutung solcher Schlüsselpositionen, die die Nationalsozialisten systematisch neubesetzten. Auf der unteren und mittleren Ebene hingegen blieb der überwiegende Teil der Beamten im Amt – sie arbeiteten vielfach freiwillig oder mit subtilem Druck selbstständig der nationalsozialistischen Ideologie entgegen. Annika Hartmanns Dissertationsprojekt hat vor allem diese Phase der Herrschaftsübernahme seit 1933 in den Blick genommen.

In der zweiten Dissertation, die innerhalb der Forschungsgruppe am Lehrstuhl für Neuere und Neueste Geschichte/Zeitgeschichte unter Leitung von Professor Großbölting entstanden war, analysierte Philipp Erdmann die enorme Bedeutung der Stadtverwaltung für das nationalsozialistische Kriegssystem und schließlich auch den Wiederaufbau in der Nachkriegszeit bis in die 1960er Jahre. Dass es dabei zwischen „Nazifizierung“ und Demokratisierung auch überraschende personelle Kontinuitäten über den Systemwechsel 1945/1949 hinaus gab, zeichnete er in seinem Kurzvortrag anhand von zwei Einzelfällen nach: Der Münsteraner Rechtsrat Sasse machte trotz seiner Beteiligung an den Deportationen 1941 nach dem Krieg Karriere und stieg bis zum Posten des Oberstadtdirektors in Paderborn auf. Als Stadtbaudezernent wurde Peter Poelzig zwar 1945 entlassen, blieb aber angesehener Architekt und wurde schließlich zum Professor an einer Berliner Hochschule ernannt. Beide kamen als junge Berufseinsteiger während der NS-Zeit in die Verwaltung, beide wurden nach Kriegsende teils als karriereristische Opportunisten, teils als überzeugte Nationalsozialisten dargestellt.

In dem dritten Vortrag erstellte Markus Goldbeck dann ausgehend von solchen Einzelbeispielen gruppenbiographische Profile für die Beschäftigten der Münsteraner Stadtverwaltung in der NS-Zeit. Besonders deutlich wurde dabei, dass die Zahl der unangepassten Beamten, die sich „im Kleinen“ gegen die Nationalsozialisten stellten, auf Einzelfälle reduziert ist. Die überwiegende Mehrheit brachte sich aus unterschiedlichen Gründen aktiv in das System ein: Da waren die „Politischen“, die sich als überzeugte Nazis und Profiteure der veränderten Machtverhältnisse engagiert beteiligten. Daneben standen viele opportunistische Karrieristen oder Fachleute, die sich selbst als „unpolitisch“ verstanden. Schließlich gab es einige Skeptiker, die allerdings schwiegen und sich kaum hervortaten, wie Markus Goldbeck abschließend an einem Beispiel verdeutlichte: Stadtarzt Dr. Kropff forderte, alle Kranken unterschiedslos gleich zu behandeln, auch Kriegsgefangene. Damit machte er sich bei der nationalsozialistischen Behördenleitung unbeliebt und wurde in weniger bedeutende Positionen versetzt.

Bevor die Fragerunde für das Publikum geöffnet wurde, diskutierten Annika Hartmann und Philipp Erdmann noch mit Stadträtin Cornelia Wilkens und der Vorsitzenden des wissenschaftlichen Beirats im Forschungsprojekt, Prof. Dr. Sabine Mecking, über Perspektiven der Vermittlung: Für die Kultureinrichtungen der Stadt bot Cornelia Wilkens an, die Veröffentlichung der Dissertationen zu unterstützen. Die im Anschluss an die Forschungen entwickelten didaktischen Materialien wurden nicht nur mit Auszubildenden der Stadtverwaltung Münster bereits erprobt, sondern sollen auch in die Fachhochschulen für öffentliche Verwaltung einfließen.

Organisiert wurde der Vortrags- und Gesprächsabend im Rathausfestsaal vom Geschichtsort Villa ten Hompel. Dessen Leiter Christoph Spieker war für die Wissenschaftler Projektkoordinator von städtischer Seite.


 

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