Stadt Münster: Villa ten Hompel - Villa-Mitarbeiter auf Tagung in Oranienburg

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Veranstaltungen

Workshop zur historisch-politischen Bildungsarbeit in Oranienburg vom 16.-17. März 2017

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Gruppenbild mit den Workshop-Teilnehmenden zur Bildungsarbeit mit der Polizei

Am 16. und 17. März 2017 fand der Workshop „Historisch-politischen Bildungsarbeit an NS-Gedenkstätten und NS-Dokumentationszentren mit Studierenden, Auszubildenden und Mitarbeiter/innen der Polizei“ in Oranienburg statt. Zu diesem Workshop hatten die Fachhochschule der Polizei (FHPol) des Landes Brandenburg und die Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten/Gedenkstätte und Museum Sachsenhausen eingeladen. In Oranienburg trafen sich Vertreter aus Gedenkstätten und Fachhochschulen aus Bayern, Brandenburg, Hamburg, Nordrhein-Westfalen und Österreich, um sich über die Bildungsarbeit und den entsprechenden Kooperationen zwischen Hochschulen und NS-Gedenkstätten auszutauschen. Ziel war es, so die Veranstalter, über Erfahrungen, Lernziele, -inhalte und -methoden zu diskutieren.

Die FHPol Brandenburg befindet sich seit rund zehn Jahren auf dem Gelände des früheren SS-Truppenlagers des KZ Sachsenhausen. In der NS-Zeit wurden dort SS-Totenkopfverbände aufgestellt und ausgebildet und die sogenannten Gaswagen gefertigt, die zum Massenmord vor allem an Juden eingesetzt wurden. Aufgrund der besonderen Geschichte des Ortes nimmt Polizeigeschichte des 20. Jahrhunderts einen wichtigen Platz in der Polizeiausbildung des Landes Brandenburg ein. Hierfür sind allein im Grundstudium obligatorisch 40 Lehrveranstaltungsstunden (LVS) veranschlagt. In den anderen Bundesländern ist das Thema im (Pflicht-)Studium mit geringeren Stundenkontingenten verankert, etwa in Nordrhein-Westfalen mit 14 LVS (bald nur noch 12 LVS).

Zunächst begrüßten Ministerialdirigent Dr. Herbert Trimbach (MIK Brandenburg), der Präsident der FHPol Brandenburg, Rainer Grieger, und der Stiftungsdirektor Brandenburgische Gedenkstätten und Museum Sachsenhausen, Prof. Dr. Günter Morsch, die Tagungsteilnehmerinnen und Teilnehmer. Anschließend gab Dr. Wolfgang Schulte (Deutsche Hochschule der Polizei) einen Überblick über die Bedeutung der Polizeigeschichte und der Bildungsziele in der historisch-politischen Bildungsarbeit an der Deutschen Hochschule der Polizei, Münster. Er wies darauf hin, dass Polizeigeschichte in der Polizeiausbildung kein Selbstzweck sei, sondern helfe, Antworten auf Fragen nach dem Selbstverständnis einer Polizei im demokratischen Rechtsstaat zu entwickeln. Er unterstrich dabei den Bedeutungszuwachs der Polizeigeschichte seit den 1990er Jahren. Die Deutsche Hochschule der Polizei trägt dieser Relevanz dadurch Rechnung, dass sie jüngst die Forschungsstelle Polizeigeschichte einrichtete.

Der Blick in die verschiedenen Bundesländer offenbarte dann, dass die konkrete Kooperation zwischen Hochschulen und Gedenkstätten in der Praxis nicht selten problematisch ist. So findet trotz der unmittelbaren räumlichen Nähe eine Zusammenarbeit der FHPol mit der Gedenkstätte Sachsenhausen nicht statt, wie Dr. Wieland Niekisch (FHPol Brandenburg) und Stephanie Bora (Gedenkstätte und Museum Sachsenhausen) erläuterten. Dieser Befund gilt auch für Bayern und neuerdings auch für Hamburg, so Marcus Schreiner-Bozic (Polizeipräsidium München) und Dr. Oliver von Wrochem (KZ-Gedenkstätte Neuengamme).

Für Nordrhein-Westfalen berichteten Thomas Köhler vom Geschichtsort Villa ten Hompel und Prof. Dr. Sabine Mecking von der Fachhochschule für öffentliche Verwaltung NRW (FHöV) über die historisch-politische Bildungsarbeit an der FHöV NRW und dem Geschichtsort Villa ten Hompel. Es wurden zahlreiche Beispiele aus den letzten Jahren für eine gelungene Zusammenarbeit genannt, etwa gemeinsame Seminare, Ausstellungsführungen, Exkursionen oder Yad Vashem Lectures. Daneben wurde auch die vor zwei Jahren im Rahmen einer „Gemeinsamen Absichtserklärung“ vom Innenministerium NRW abgeschlossene polizeigeschichtliche und berufsethische Bildungskooperation mit der International School for Holocaust Studies in Yad Vashem positiv hervorgehoben. Eine vergleichbare Rahmenvereinbarung z.B. mit dem Arbeitskreis NS-Gedenkstätten NRW gibt es jedoch nicht, so dass vor Ort die Kooperation zwischen FHöV und Erinnerungs- und Bildungsstätten sehr stark vom persönlichen Engagement der einzelnen Dozenten und Gedenkstätten-Mitarbeiter abhängt. In Österreich wiederum ist die Zusammenarbeit der KZ-Gedenkstätte Mauthausen und der Sicherheitsakademie des Bundesministeriums für Inneres auf ministerieller Ebene verankert, um Bildungsprogramme gemeinsam auszuarbeiten, wie Gudrun Blohberger (KZ-Gedenkstätte Mauthausen) und Josef Zeitlhofer (Sicherheitsakademie des Bundesministeriums für Inneres, Bildungszentrum Niederösterreich) darstellten.

Zum Schluss wurden die Diskussionen und Ergebnisse des Workshops von Dr. Akim Jah (Research and Education Branch ITS Arolsen) in einem Impulsreferat zusammengefasst. Als Herausforderungen für eine polizeigeschichtliche und (berufs-)ethische Bildungskooperation wurden auf Seiten der Hochschulen Aspekte genannt, wie die enge Taktung des Lehrplans (6 bis 8 LVS pro Tag), die Dominanz der „Klausurfächer“ bzw. der juristischen und polizeipraktischeren Lehrinhalte. Für die Arbeit der Gedenkstätten wäre es wiederum ein Gewinn, früher und mehr Information über die Module und Lehrinhalte an den Hochschulen zu erhalten, um polizei- und verwaltungsorientierte Seminarkonzepte anbieten zu können. Die Entwicklung von neuen, adressatenbezogenen Bildungsprogrammen bindet erhebliche Ressourcen.

Einig waren sich alle Beteiligten, dass die Zusammenarbeit zwischen Hochschulen und Gedenkstätten sehr fruchtbar sein kann, wenn frühzeitig Lehrinhalte und -ziele abgesprochen werden, damit die Gedenkstätten ihr Programm stärker auf den spezifischen Adressatenkreis abstimmen können und an den Hochschulen der Besuch dieser besonderen Lernorte organisatorisch und inhaltlich langfristig eingeplant werden kann. Dafür bedarf es einer institutionellen Verankerung und Verstetigung der Kooperation, um für beide Partner eine höhere Planungssicherheit zu erreichen.


 

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