Stadt Münster: Vermessungs- und Katasteramt - Straßenname: Bockhorststraße

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Straßennamen in Münster

Bedeutungen und Hintergründe


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Bockhorststraße

Stadtbezirk   Münster-Hiltrup
Statistischer Bezirk   Hiltrup-Ost
Lage  im Stadtplan

Entstehung   1983   08.02.1983
Amtsblatt   12/1983   10.06.1983

Johann Bockhorst, *um 1604 Münster, †21.04.1668 Antwerpen, genannt der Lange Jan. Bedeutendster deutscher Barockmaler, Schüler bei Rubens und van Dyck; gebürtig aus Münster, Sohn und Enkel münsterscher Bürgermeister.

Johann Bockhorst, Maler, geboren im Jahre 1604 (genaues Datum unbekannt) in Münster, wegen seiner Körpergröße der lange Jan genannt, gestorben am 21.04.1668 in Antwerpen. Sein Grab befindet sich in St. Jakob in Antwerpen neben dem von Rubens. Das entspricht der Wertschätzung der Zeitgenossen. Bockhorst als Sohn und Enkel münsterscher Bürgermeister lernte und malte ab 1626 in Antwerpen bei Rubens und van Dyck. Nachweislich über 100 Bilder zeugen von der Schaffensfreude Bockhorsts. Seine Bilder sind, da er selten signierte, oft anderen Malern zugeschrieben worden. Obwohl er praktisch unbekannt ist, gilt er doch als einer der bedeutensten Maler des Barock.
Das Landesmuseum in Münster und das Stadtmuseum besitzen je ein Bild von ihm. In der Kirche St. Martini hängt die Messe des hl. Martin. Ein Altarbild in St. Mauritz stammt von ihm.
Quelle: Beschlussvorlage Nr. 2/1983


Johann Bockhorst: Lebensabriss
Johann Bockhorst aus Münster wurde von seinen Zeitgenossen in Antwerpen wegen seiner Größe 'Langer Jan' genannt und unter diesem Namen als Mitarbeiter des großen Barockmalers Peter Paul Rubens bekannt.
Seine Familie schrieb sich Boichorst oder Bockhorst und gehörte zur wohlhabenden Honoratiorenschicht in Münster. Der Großvater Albert stammte aus Rees am Niederrhein, war Jurist und Advokat und amtierte 1568-1572 als Bürgermeister der Stadt Münster, wo er Haus- und Grundbesitz erworben hatte. Sein ältester Sohn Heinrich, der Vater unseres Malers, errang an der Universität Köln den juristischen Doktorgrad, wurde mehrfach in den Rat gewählt und bekleidete von 1619 bis zu seinem Tode 1627 ebenfalls das Bürgermeisteramt. Mit seiner Frau Catharina Helskamp der Tochter eines Richters aus Rees, hatte er zwölf Kinder; der spätere Maler war das zweite Kind und wurde um 1604 geboren. Er erhielt seine Ausbildung bis Ende 1620 auf dem münsterischen Jesuitengymnasium, dem 'Paulinum', und wurde am 3. Juni 1621 Kanoniker (Kleriker) an der niederrheinischen Stiftskirche St. Clemens in Wissel. Eine Priesterweihe hat er nicht empfangen, möglicherweise aber eine Universität besucht, da er in den Stammtafeln seiner Familie als 'artium liberalium doctor' bezeichnet wird, mit dem Zusatz 'vitam traduxit Antwerpiae pictor celebris'. Nach dem Zeugnis des Malers Jan Erasmus Quellinus begann er erst mit 22 Jahren zu malen. Über die näheren Umstände seines Fortgangs aus Münster (um 1626) wissen wir nichts.

Er begab sich zur Ausbildung nach Antwerpen, wo unter der geistigen Leistung von Peter Paul Rubens eine Erneuerung der Malkunst im Sinne der nachtridentinischen katholischen Reform stattgefunden hatte. Es scheint, daß er zuerst im Atelier von Jakob Jordaens und im freundschaftlichen Umgang mit Anton van Dyck sich zum 'Historienmaler' ausbilden ließ. Er wurde 1633/34 in die örtliche Lukasgilde aufgenommen und unternahm im Jahre 1637 eine erste Italienreise, doch verhinderte vermutlich sein Geldmangel einen beabsichtigten Rombesuch, den er im Herbst 1639 nachholte. In Rom verkehrte er im Kreis der dort weilenden flämischen und holländischen Künstler, der 'Bentvueghels', die ihm nach einer erst kürzlich aufgetauchten zeitgenössischen Notiz den Spitznamen 'Dr. Faustus' gaben. Solche Namen verlieh die römische 'Schildersbent', wie sie sich nannte, im Rahmen einer bacchantischen Festlichkeit beim Initiationsritus der 'Bent-Taufe', von der sich Bockhorst offenbar keineswegs ausgeschlossen hat. Der ihm zugeteilte Name verlockt zu Spekulationen. Offenbar verfügte der 'Lange Jan', der nach einer Überlieferung meist geistliche Kleidung trug, über einen ungewöhnlichen Wissensdurst.

Erst 1649 erfahren wir wieder Gesichertes. Der Kunsthändler Michael Le Blon, der früher Bilderverkäufe von Rubens an den Herzog von Buckingham vermittelt hatte, informierte die Königin Christine von Schweden über in ihrem Auftrag getätigt Erwerbungen in Brüssel und Antwerpen und empfahl die Maler Erasmus Quellinus und Johann Bockhorst für eine Anstellung am schwedischen Hof. Er teilte der Monarchin mit, Bockhorst sei der gesuchteste Maler in Antwerpen, sowohl für Porträts wie Historienbilder, habe ganz Italien bereist, sei ledig und von vorzüglichem Lebenswandel und Ruf. Zwar sind die beiden Maler nicht nach Stockholm berufen worden, doch fällt das Urteil dieses namhaften Kunstkenners, den van Dyck porträtiert hat, ins Gewicht. Philipp Rubens, der Neffe des Malers, der um 1676 eine Lebensbeschreibung seines Onkels verfaßte, führte ihn unter dessen hervorragenden Schülern auf. Im Jahrzehnt 1650-1660 war Bockhorst ein vielbeschäftigter Maler, den vor allem die Geistlichkeit in den spanischen Niederlanden mit Aufträgen für religiöse Bilder in Kloster- und Pfarrkirchen versah. Einige hängen noch heute am alten Platz in Brügge und Gent sowie in der ehemaligen Klosterkirche der Augustinerchorherren in Lo südwestlich von Dixmuiden, andere, besonders solche aus den Jesuitenkirchen Flanderns, befinden sich in ausländischen Museen.

Uns interessieren seine Beziehungen zu Münster, wo er sicher zeitweise eine Malerstube unterhielt. Wie das Taufregister der St. Lambertikirche bezeugt, stand der Maler am 16. Januar 1654 Pate bei der Taufe des Söhnchens Johann seines Bruders Dr. jur. Heinrich Boichorst aus dessen zweiter Ehe mit Elisabeth Heerde. Dieser bewohnte als Assessor am weltlichen Hofgericht das elterliche Haus am Alten Steinweg. Die bei ihm lebende Mutter war 1652 gestorben. Es wäre seltsam, wenn der Maler in seiner Heimatstadt keine Werke hinterlassen hätte. Schon immer für Bockhorst gesichert war das große Altarbild der 'Messe des Hl. Martinus' in der Martinikirche, auf dem er sich vermutlich selbst dargestellt hat. Möglicherweise war das Bild eine Familienstiftung. Zustimmung hat auch die Zuschreibung des Hochaltargemäldes 'Christus am Kreuz' in der Stiftskirche St. Mauritz vor den Toren Münsters gefunden, das auf die Initiative des Propstes Arnold von Vittinghoff genannt Schell zurückgeht; Im 19. Jahrhundert hielt man es für ein Werk van Dycks.

Johanns älterer Bruder Albert Boichorst war als langjähriger Syndikus des Domkapitels und des Stiftes St. Mauritz in Münster sehr einflußreich und stand beim Fürstbischof Christoph Bernhard von Galen in hoher Gunst. Er wohnte auf der Neubrückenstraße in der unmittelbaren Nähe der münsterschen Minoriten, die um 1654 ein neues Gemälde mit der Enthauptung ihrer Patronin Katharina von Alexandrien auf ihrem Hochaltar installierten, das leider nicht erhalten ist. Was lag aber näher, als daß sie den einzigen aus Münster stammenden Maler von Rang mit einem derartigen Auftrag betrauten? Vier jüngere Brüder Johanns waren Kleriker an Kollegiatkirchen: Wilhelm starb 1662 als Scholaster von St. Martini, Rotger war Kanoniker am 'Alten Dom' und Hermann am Ludgeristift, Jakob Bockhorst lebte als Kanoniker in Xanten. Nur eine der vier Schwestern hatte geheiratet, drei traten in weibliche Ordensgenossenschaften ein.

Wenngleich religiöse Darstellungen im Lebenswerk Bockhorsts überwiegen, so malte er doch auch für den freien Kunstmarkt, den Antwerpens in ganz Europa berühmte Kunstgalerien mit profanen Bildern versorgten. Nach Mitteilung des Schriftstellers Cornelis de Bie, der 1661 das Buch 'Het Gulden Cabinet vande edel vry Schilder-Const' in Antwerpen veröffentlichte, prunkte manches fürstliche Kabinett mit Tafelbildern des 'Langen Jan' dessen Historienbilder mit mythologischen und allegorischen Inhalten sehr gefragt waren. Er verkehrte in einem Kreis renommierter Maler und erscheint z. B. 1655 als Zeuge im Testament des Tiermalers Frans Snyders, desgleichen 1661 im Testament des Hendrick van Balen d. J. der selbst hat insgesamt drei Testamente notariell beglaubigen lassen und kurz vor seinem Tode noch einen Zusatz diktiert. Bockhorst bewohnte ein geräumiges Haus im 'Hopland' in der Nähe des Rubenshauses, unmittelbar neben dem Kloster der englischen Karmeliterinnen. Er blieb unverheiratet, sein Haushalt wurde lange Jahre von drei Schwestern mit dem spanischen Namen Montoya geführt, von denen ihn nur Petronella überlebt hat, die er im Testament entsprechend bedachte.

Der gebürtige Westfale hatte sich in Flandern eine geachtete Stellung errungen und erzielte für seine Gemälde gute Preise, die er der Sitte der Zeit entsprechend in Rentverschreibungen anlegte. Für sein 'Martyrium des Hl. Laurentius' zahlte ihm etwa der Prämostratenserkonvent Tongerlo 1649 174 rheinische Gulden; sein mit Monogramm versehenes Altarbild 'Martyrium des Hl. Jakobus' wurde ihm von der Pfarrei St. Jakob in Gent mit 800 Gulden vergütet. Auch hat er Porträts gemalt und Entwürfe für einen achtteiligen Zyklus von Wandteppichen vorgelegt. Er war bis in seine letzten Lebensjahre tätig, so weist sein Bild 'Die Bekehrung des Hl. Hubertus' in der Kirche St. Michael zu Gent die Datierung 1666 auf. Gegen den mit ihm früher befreundeten Bildschnitzer Matthias van Beveren führte er 1667 einen Prozeß, der erst durch seine Testamentexekutoren beigelegt wurde. Über die Art seiner tödlichen Erkrankung im Jahre 1668 wissen wir nichts, wohl aber über die Begräbniskosten und die Ausgaben für das Totenmahl. Johann Bochhorst wurde in der Kirche St. Jakob am 24. April 1668 begraben; die Grabplatte mit Inschrift und Wappen, die der Bildhauer Norbert van den Eynden geschaffen hat, existiert nicht mehr. Seine eigene Kunstsammlung und seine nachgelassenen Bilder wurden - wie in Antwerpen üblich - meistbietend versteigert. Wenn wir seine Barschaft, seine Rentverschreibungen und die Versteigerungserlöse zusammenrechnen, kommen wir auf die stattliche Summe von mehr als 15.000 Gulden, damals eine gewaltige Kaufkraft.

Wenn trotzdem in der Biographie große Lücken klaffen, so liegt das am Fehlen eigenhändiger Briefe und Aufzeichnungen. Der hochgebildete Münsteraner war in der Lage, die Tradition seiner Lehrmeister Rubens und van Dyck fortzusetzen, weshalb man ihm in einigen Fällen die Komplettierung unvollendet gebliebener Werke beider anvertraute. Gerade weil er ihnen in Kompositionsweise und Pinselführung so nahe kam, hat es dazu geführt, daß manche seiner Arbeiten Rubens und van Dyck zugeschreiben wurden.

Quelle: Helmut Lahrkamp in: Stadtmuseum Münster (Hrsg.): 'Johann Bockhorst - Der Maler aus Münster zur Zeit des Westfälischen Friedens', Ausstellungskatalog, Emsdetten 1998.



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