Stadt Münster: Vermessungs- und Katasteramt - Straßenname: Edith-Stein-Straße

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Straßennamen in Münster

Bedeutungen und Hintergründe


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Edith-Stein-Straße

Stadtbezirk   Münster-Mitte
Statistischer Bezirk   Neutor
Lage  im Stadtplan

Entstehung   1954   12.04.1954
Amtsblatt   —   —

Edith Stein, (1891-1942), aus Breslau, Karmeliterin, Philosophin und Dozentin des Pädagogischen Instituts in Münster, getötet in Auschwitz.

Dr. phil. Edith Stein, Philosophin, Dozentin, Ordensfrau. Edith war das elfte Kind einer jüdischen Kaufmannsfamilie in Breslau, wo ihr Vater im Holzhandel tätig war. Nach dem Abitur 1911 studierte sie Germanistik, Geschichte und Philosophie in Breslau, dann in Göttingen, wo sie 1915 das Staatsexamen mit Auszeichnung bestand. Sie wurde 1916 Referendarin in Breslau und promovierte im gleichen Jahr mit "summa cum laude" bei dem Philosophen Edmund Husserl in Freiburg zu dem Thema "Zum Problem der Einfühlung". Anschließend wurde sie bis 1918 Husserls Assistentin und hoffte auf eine Habilitation und eine Universitätslaufbahn. Diese wurde ihr jedoch als Frau verwehrt. Es folgten private wissenschaftliche Arbeiten und weitere vergebliche Bemühungen um eine Habilitation.

Foto

vergrößernEdith Stein um 1920

Die 1920 ausgesprochene Zulassung von Frauen zur Habilitation wurde durch ihre Eingabe an die preußische Regierung bewirkt. Nach religiöser Krise im Jahre 1921 konvertierte sie am 1.1.1922 zum Katholizismus unter anderem aufgrund der Lektüre der "Vita" der spanischen Mystikerin Theresia von Avila (1515-1582).
Von 1923 bis 1931 war sie Lehrerin am Mädchenlyzeum in Speyer. Während sie ihre privaten wissenschaftlichen Arbeiten fortsetzte, führte eine ausgedehnte Vortragstätigkeit sie nach Zürich, Wien und zu den Salzburger Hochschulwochen. Im Frühjahr 1931 gab sie den Lehrberuf auf und bemühte sich in Breslau und Freiburg erneut um eine Habilitation, die diesmal aufgrund ihrer jüdischen Herkunft scheiterte.
Seit Februar 1932 lebte sie in Münster. Sie war als Dozentin an das "Deutsche Institut für wissenschaftliche Pädagogik", Engelstraße 25, berufen worden. Sie wohnte kurzfristig bei Dr. Gottfried Hasenkamp, dann im Collegium Marianum; Frauenstraße 4-6. Während ihres 16-monatigen Aufenthaltes in Münster hielt sie Vorlesungen über "Probleme der neueren Mädchenbildung" (Sommersemester 1932) und "Der Aufbau der menschlichen Person" (Wintersemester 1932/33).
Aus politisch weitsichtiger Sorge um die Zukunft Deutschlands forderte sie im März 1933 von Papst Pius XI. eine "Juden-Enzyklika". Wegen gleichzeitiger Konkordatsverhandlungen mit dem Deutschen Reich wurde ihr Schreiben vom Vatikan nur als persönliche Protestnote gegen die Judenpolitik der Nationalsozialisten angesehen.
Aufgrund des "Gesetzes zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums" vom 7.4.1933, das Juden aus Beamtenstellungen verdrängte und in Münster den Großteil der jüdischen Professoren von weiterer Lehrtätigkeit ausschloss, wurde ihr bereits am 20.4.1933 nahegelegt, im Sommersemester keine Vorlesungen zu halten. Während dieser Zeit bekam sie Klarheit über ihren weiteren Lebensweg.
Sie verließ Münster am 15.7.1933 und trat am 14.10.1933 in das Karmeliterinnenkloster in Köln ein. Bei der Einkleidung wählte sie den Namen Teresia Benedicta a Cruce (die vom Kreuz Gesegnete). Nach dem Novemberpogrom schien es ihr ratsam, in ein anderes Kloster außerhalb Deutschlands überzusiedeln, um ihre Mitschwestern nicht zu gefährden und den NS-Machthabern keinen Anlass zur Schließung des Kölner Klosters zu geben. Sie fand am 31.12.1938 Aufnahme im Karmel in Echt/NL.
Als am 26.7.1942 die niederländischen Bischöfe in einem Hirtenwort öffentlich gegen die Judenverfolgung protestierten, erfolgte eine Woche später als Gegenschlag der Gestapo die Verhaftung von Katholiken jüdischer Herkunft unter anderem Edith Steins und ihrer Schwester Rosa.
Vom Sammellager Westerbork wurde sie am 7.8.1942 nach Auschwitz deportiert und unmittelbar nach der Ankunft am 9.8.1942 ermordet.
Am 1.5.1987 erfolgte während seines Deutschlandsaufenthaltes und Besuchs in Köln ihre Seligsprechung durch Papst Johannes Paul II.

das Buch von Gisela Möllenhoff und Rita Schlautmann-Overmeyer: Jüdische Familien in Münster - 1918 - 1945 - Biographisches Lexikon

vergrößerndas Lexikon

Quelle: Gisela Möllenhoff und Rita Schlautmann-Overmeyer, Jüdische Familien in Münster 1918 bis 1945, Teil 1: Biographisches Lexikon, Münster 2001


Am 11.10.1998 erfolgte die Heiligsprechung Edith Steins in Rom.

 

Im Stadtgebiet Münster gibt es 17 Straßen, die nach Menschen mit jüdischer Abstammung benannt sind:
Alfred-Flechtheim-Platz, Baumgartenweg, Edith-Stein-Straße, Eli-Marcus-Weg, Einsteinstraße, Goldenbergstraße, Hedwig-Feibes-Weg, Heilbronnweg, Helmut-Pins-Weg, Henny-Waldeck-Weg,
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Hoffmannweg, Jacob-von-Korbach-Weg, Julius-Voos-Gasse, Philippsweg, Reha-Mathel-Falk-Weg, Weinbergweg, Zwi-Schulmann-Weg
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Albersloher Weg 33
48155 Münster

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Fax 02 51/4 92-77 55
 
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