Stadt Münster: Vermessungs- und Katasteramt - Straßenname: Luise-Rappoport-Weg

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Straßennamen in Münster

Bedeutungen und Hintergründe


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Luise-Rappoport-Weg

Stadtbezirk   Münster-West
Statistischer Bezirk   Gievenbeck
Lage  im Stadtplan

Entstehung   2020   07.05.2020
Amtsblatt   —  
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vergrößernStolperstein zur Erinnerung an Luise Rappoport vor dem Haus Herwarthstraße 7

Benannt nach Luise Rappoport, geb. Schulmann (1876-1942) wurde wegen ihrer jüdischen Abstammung ins KZ Treblinka deportiert und dort ermordet.


 


Luise Rappoport, geb. Schulmann *12.09.1876 in Oldenburg, wohnte seit ihrer Heirat 1898 in Münster und war seitdem Mitglied im "Israelitischen Frauenverein". Ihr Ehemann, der Getreidekaufmann Hermann Rappoport (*1871 Gilgenburg/Ostpreußen), war 1919-1924 als Vertreter der Deutschen Demokratischen Partei (DDP) Stadtverordneter in Münster; er starb 1932. Die von ihm 1892 gegründete Getreideimportfirma übernahm der jüngste Sohn Werner. Luise Rappoport wurde Eigentümerin des Hauses Herwarthstraße 7, das sie seit ca. 1935 vermietet hatte. Sie selbst zog 1935 zur Windthorststraße 17 und 1938 zur Wermelingstraße 1.


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vergrößernUm 1939: Luise Rappoport (Slg. Möllenhoff / Schlautmann-Overmeyer)

Nach dem Novemberpogrom 1938 beendete der damalige Mieter des Hauses Herwarthstraße 7 auf Druck der NSDAP das Mietverhältnis. Gleichzeitig wurden durch die den Juden auferlegte Judenbuße erst 20 %, dann 25% des Vermögens eingefordert. So war Luise Rappoport, da ihr auch behördlicherseits eine weitere Vermietung des Hauses untersagt war, am 10.02.1939 zum Verkauf unter Verkehrswert gezwungen. Der Verkaufspreis musste auf ein Sperrkonto eingezahlt werden und wurde zum Teil für Judenvermögensabgabe und Reichsfluchtsteuer (7.900 Reichsmark) "sichergestellt". Sie bezahlte auch die fünften Raten der Vermögensabgabe für ihre Mutter in Oldenburg sowie für ihren Schwager in Berlin.

Ihre beabsichtigte Auswanderung, für die der Sohn Ernst in Palästina seine Ersparnisse eingezahlt hatte, scheiterte mit Kriegsbeginn. Seit dem 21.09.1939 wohnte sie im Judenhaus Hermannstraße 44, ab 3. Februar 1942 mit weiteren drei Frauen in einem Raum in der letzten münsterischen Sammelunterkunft Am Kanonengraben 4, der früheren Marks-Haindorf-Stiftung.


Foto vergrößern2010: Das Gebäude der Marks-Haindorf-Stiftung Am Kanonengraben Nr. 4

Im Rahmen der Sammelaktion für die Ostfront musste sie am 10. Januar 1942 alle in ihrem Besitz befindlichen Woll- und Pelzsachen ohne Entschädigung abliefern. Waren ihr Ende 1939 zum Lebensunterhalt noch monatlich 300 Reichsmark bewilligt worden, wurde der Betrag 1942 auf 150 Reichsmark reduziert. Eine Woche vor ihrer bevorstehenden Deportation musste sie - in der Illusion, sich in ein Altenheim einzukaufen - einen Heimeinkaufsvertrag über 5.400 Reichsmark abschließen. Am 31. Juli 1942 wurde sie ins Ghetto Theresienstadt deportiert, von dort am 23.09.1942 in das Vernichtungslager Treblinka, dort kam sie um. Der deutsche Staat zog den Rest ihres Vermögens ein.

Ihre drei zwischen 1899 und 1904 in Münster geborenen Kinder konnten emigrieren, Ernst Rappoport, Amtsgerichtsrat, 1935 nach Palästina. Er kehrte 1954 nach Münster zurück. Minni Rappoport, Konzertsängerin, 1939 nach England und nach dem 2. Weltkrieg nach Kanada sowie Werner Rappoport 1939 ebenfalls nach England. Nach dem Kriegseintritt Großbritanniens wurde er als "feindlicher Ausländer" nach Kanada transportiert.

das Buch von Gisela Möllenhoff und Rita Schlautmann-Overmeyer: Jüdische Familien in Münster - 1918 - 1945 - Biographisches Lexikon

vergrößerndas Lexikon

Quelle: Gisela Möllenhoff und Rita Schlautmann-Overmeyer, Jüdische Familien in Münster 1918 bis 1945, Teil 1: Biographisches Lexikon, Münster 2001






Herkunft und Bedeutung des Namens Rappoport in Wikipedia.


Zwölf Straßennamen in der ehemaligen Oxford-Kaserne
Als in den Jahren ab 2014 die Umwandlung der ehemaligen Kaserne an der Roxeler Straße in ein ziviles Wohnbaugebiet absehbar wurde, hat die Bezirksvertretung Münster-West am 4. Mai 2017 entschieden, dass die Straßen im Oxford-Quartier nach weiblichen Opfern von Krieg und Gewalt benannt werden sollten.
Die Vorschläge für die Straßennamen stammen von den Autorinnen des Buches Jüdische Familien in Münster 1918 - 1945 Gisela Möllenhoff und Rita Schlautmann-Overmeyer.

Es sind die zwölf Straßennamen:
Edith-Miltenberg-Weg, Elfriede-Meyer-Weg, Else-Scheuer-Weg, Gumprichstraße, Henny-Uhlmann-Weg, Luise-Rappoport-Weg, Meta-Seelig-Weg, Nanny-Katz-Weg, Simonsplatz, Sonja-Kutner-Weg, Sophie-Heimbach-Weg und der Henriette-Hertz-Weg.


Im Stadtgebiet Münster gibt es 17 weitere Straßennamen, die nach Menschen mit jüdischer Abstammung benannt sind:
Alfred-Flechtheim-Platz, Baumgartenweg, Edith-Stein-Straße, Einsteinstraße, Eli-Marcus-Weg, Goldenbergstraße, Hedwig-Feibes-Weg, Heilbronnweg, Helmut-Pins-Weg, Henny-Waldeck-Weg,
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Hoffmannweg, Jacob-von-Korbach-Weg, Julius-Voos-Gasse, Philippsweg, Reha-Mathel-Falk-Weg, Weinbergweg und Zwi-Schulmann-Weg.
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