Stadt Münster: Vermessungs- und Katasteramt - Straßenname: Niels-Stensen-Straße

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Straßennamen in Münster

Bedeutungen und Hintergründe


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Niels-Stensen-Straße

Stadtbezirk   Münster-West
Statistischer Bezirk   Sentrup
Lage  im Stadtplan

Entstehung   1956   30.04.1956
Amtsblatt   —   —

Benannt nach Niels Stensen, (1638-1686), von 1680 bis 1683 Weihbischof in Münster; war auch als Anatom, Physiologe und Geologe tätig.

 

Niels Stensen - Arzt, Forscher und Priester
Niels Stensen stammte aus einer Familie, die aus Südschweden nach Dänemark eingewandert war. Sein Vater war Goldschmied. Die Familie war evangelisch/lutherisch. Als Stensen sechs Jahre alt war, verstarb der Vater. Seine Mutter wollte unter allen Umständen die Goldschmiede der Familie erhalten und heiratete darum bald wieder; die Ehemänner verstarben jedoch bald, so dass sie insgesamt dreimal wiederheiratete. Diese Erlebnisse werden nicht ohne Einfluss auf das Leben des Heranwachsenden geblieben sein, der 1655 sein Abitur macht und sich alsbald an der Universität Kopenhagen als Medizinstudent einschreiben ließ.

Stensen ist zeit seines Lebens den Grundsätzen treu geblieben, die er als Student von 21 Jahren im sogenannten Chaos-Manuskript niederlegte: Nur das als wahr anzuerkennen, was er mit eigenen Augen gesehen hatte, systematisch bei seinen Studien vorzugehen, das heißt aufbauend auf dem bereits Gesehenen und als richtig Erkannten den nächsten Schritt zum Beispiel zur Beurteilung von Zusammenhängen zu machen. Hierdurch setzte sich Stensen in einen krassen Gegensatz zu vielen seiner Zeitgenossen, für welche das spekulative Denken unbedingten Vorrang besaß.

Im Leben des erwachsenen Stensen können wir die Zeitabschnitte unterscheiden: Das Medizinstudium und die anschließenden Jahre als Arzt und Anatom von 1656 bis 1666, seine paläontologisch-biologischen und kristallographischen Studien von 1666 bis 1667 sowie die Zeit als Theologe von 1667 bis zu seinem Tod 1686.

In seine Zeit als Arzt und Anatom fallen bedeutende Entdeckungen: Die Erstbeschreibung einer Fehlbildung des Herzens, der Blausucht, die Feststellung, wonach "das Herz ein Muskel" ist und die Entdeckung des Ausführungsganges der Speicheldrüse, den die Zeitgenossen mit seinem Namen versehen. Sein "Diskurs über das Gehirn" bringt ihn in eine Auseinandersetzung mit den Lehren von Descartes, er widersteht jedoch allen Angriffen - und behält recht. Eine Berufung als Anatom an die Universität Kopenhagen hatte er erhofft. Er erhielt sie jedoch nicht. Einiges spricht dafür, dass das protestantische Kopenhagen keine Katholiken - Stensen war 1667 konvertiert - an der Universität haben wollte; zum anderen wurden damals die Professuren weitestgehend an die Familienangehörigen der bereits etablierten Professoren vergeben.

In seiner paläontologisch-geologischen und Kristallographie-Zeit erkennt Stensen das Gesetz der Winkelkonstanz bei Kristallen und wird zum Begründer der Kristallographie. Er kommt zu durchaus modern anmutenden Aussagen über die Entstehung der Berge. Stensens Entdeckungen sind auch heute noch fester Bestandteil der Wissenschaft. Seine Genialität, gepaart mit einem außerordentlich kritischen - auch Selbstkritik übenden - Geist waren Voraussetzung für seine bedeutenden Entdeckungen. Andere Forscher hatten ebenfalls - zur gleichen Zeit wie Stensen lebend oder vorher - die Möglichkeit, die vor ihrem Augen liegenden, bisher nicht erkannten Dinge aufzuklären. Stensen brauchte dagegen seinen Blick nur in die eine oder andere Richtung zu werfen, um die Problematik der besonderen Situation zu erkennen.

Zum katholischen Glauben findet der aus einer evangelisch-lutherischen Familie stammende Stensen in Florenz am Hofe der Medici. Seiner Konversion am 2. November 1667 gingen viele religiöse Gespräche voraus. Der Aufforderung von Lavinia Cenami Arnolfini folgt er mit einer ernsten Prüfung der Religion in gleicher Weise, die wir bisher bei ihm kennengelernt haben. Monatelange Diskussionen, stundenlange eigene Arbeiten an einzelnen Tagen liefern die Grundlage dafür, dass er am Ende in seiner Konversionsschrift bekennt: "Man muss zu jener Kirche zurückkehren, der unsere Vorfahren ihre Bekehrung verdanken, von der alle anderen Kirchen ausgegangen sind und an der andere Merkmale aufleuchten, wenn sie Gottes übernatürliche Gegenwart beweisen."

Im Jahre 1675 empfängt er die Priesterweihe. 1677 geht er als Weihbischof und Apostolischer Vikar der Nordischen Missionen nach Hannover, wo Herzog Johann Friedrich zur katholischen Kirche übergetreten war; er hatte sich Stensen als Bischof für seine Residenz erbeten. Nach dem Tod des Herzogs tritt dessen evangelischer Bruder Ernst August die Herrschaft an, so dass Stensen im Sommer 1680 Hannover verlassen muss. Der damalige Fürstbischof von Paderborn und Münster, Ferdinand von Fürstenberg, holt den Weihbischof mit Zustimmung des Papstes nach Münster. Gleichzeitig überträgt er ihm die Dechantenstelle an St. Ludgeri, womit er zugleich Gemeindepfarrer wird. Als der engagierte Seelsorger einsehen muss, dass er seine vielen Verpflichtungen als Kapitelsdechant, Gemeindepfarrer und Weihbischof für die weiträumige Diözese unmöglich mit der erforderlichen Sorgfalt wahrnehmen kann, verzichtete er auf das gut dotierte Amt des Dechanten und ist ab Oktober 1681 nur noch als Weihbischof tätig.

Bis zu seinem Fortgang von Münster im Herbst 1683 besucht er auf zahlreichen Visitationsreisen fast 200 Pfarreien des Bistums. Anschließend geht Stensen wieder in die Nordischen Missionen. In seinen letzten Lebensjahren ist er in Hamburg und Schwerin tätig, wo er am 5. Dezember 1686 stirbt. Er wurde zunächst im Schweriner Dom beigesetzt und 1687 in die Familiengruft der Medicis, an deren Hof er ab 1666 tätig war, überführt. In der St.-Laurentius-Kirche zu Florenz wurden die Gebeine am 25. Oktober 1953 feierlich erhoben und in die Kapelle der Basilika gebracht.
Autor: Prof. Dr. med. Carl Schirren (1922 - 2017) ausgezeichnet mit der Paracelsus-Medaille 2006

Quelle: Wochenzeitung 'Die christliche Familie' vom 19.10.1986



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