Stadt Münster: Vermessungs- und Katasteramt - Straßenname: Stehrweg

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Straßennamen in Münster

Bedeutungen und Hintergründe


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Stehrweg

Stadtbezirk   Münster-Ost
Statistischer Bezirk   Mauritz-Ost
Lage  im Stadtplan

Entstehung   1954   12.04.1954
Amtsblatt   —   —

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Hermann Stehr, *1864, †1940, Lehrer und schlesischer Dichter und Literat, der in einigen Novellen Münster als Schauplatz seiner Beschreibung gewählt hat.

Der schlesische Schriftsteller Hermann Stehr wurde 1864 in Habelschwerdt in Schlesien geboren. Er war Lehrer in Oberschreiberhau und starb auch dort.
Schon mit seinen ersten der 9 Romane Der Schindelmacher (1899), Leonore Giebel (1900) und Der begrabene Gott (1905) kam er beim deutschen Publikum gut an. Auf Jacob Böhmes Spuren sich ins Mystische vortastend, suchte er den Weg zu einer dogmenlosen Gottheit. In seinem Hauptwerk Der Heiligenhof (1913) zeichnet er naturalistisch hemmungslose Triebwelt und erkranktes Seelenleben und verknüpft sie mit einer mystischen Innenschau. Hermann Stehrs Drama von 1904, Meta Koneken, und seine Gedichte, die er 1927 in seinen 12 Bänden Gesammelte Werke herausgab, sind kaum bekannt. Dagegen erreichte seine Trilogie Das Geschlecht der Maechler 1942 die zweite Auflage. Auch mehrere seiner 13 Erzählungen wie Das entlaufene Herz (1923) und Das Märchen vom deutschen Herzen (1926) oder die späteren Das Stundenglas (1936) und Die Himmelsschlüssel (1939) wurden in Deutschland viel gelesen.
Hermann Stehr war auch Politiker. Er begeisterte sich für den Demokratiegedanken der Weimarer Republik und wurde 1928 in den Volksrat in Warmbrunn gewählt. Die Erfahrungen dort desillusionierten ihn allerdings bald, da er gegen jeden Klassenegoismus und gegen jede Art von Hörigkeit war. Der demokratischen Konfliktaustragung unterschiedlicher Interessengruppen stand er schließlich sehr skeptisch gegenüber.
Seine politischen Ansichten sind in den Briefwechseln mit Richard Dehmel, Walter Rathenau und Gerhart Hauptmann nachzulesen, wie auch in den vielen erhaltenen Notizbüchern. Darin sind schon 1921 bedenkliche Äußerungen über den Juden zu lesen; 1925 schloss Stehr sich der Auffassung von der angeblichen Verschwörung des Weltjudentums an, und 1930 schwenkte er eindeutig zum völkisch-konservativen Lager um. Wie zahllose Deutsche begrüßte er die Politik des Volkskanzlers Adolf Hitler, wie in den Notizen von 1930/33 zu lesen ist.
Da Stehrs Werke zum Teil auch im S. Fischer-Verlag erschienen, wurden vereinzelte antisemitische Bemerkungen wie in Die Nachkommen zunächst herausgenommen, aber nach 1935 wieder eingesetzt, nachdem Samuel Fischer den Verlag hatte abgeben müssen.
1926 war Hermann Stehr zum Gründungsmitglied der Sektion für Dichtung der Preußischen Akademie der Künste berufen worden, anstelle von Stefan George, der abgelehnt hatte. Als jüdische Mitglieder aus der Akademie ausgeschlossen wurde, versuchte Stehr in einzelnen Fällen zu helfen, hatte aber keinen Erfolg.
Autorin: Ursula Kilian
Quelle: Liselotte Funcke (Hrsg), Hagener Straßen erzählen Geschichte(n), Hagen 2001


Ehre, wem Ehre gebührt?!
Als in den Jahren 2011 und 2012 über NS-belastete Straßennamen in Münster diskutiert wurde, hat die Kommission Straßennamen die Umbenennung des Stehrwegs empfohlen. Ausschlaggebend für die Empfehlung war, dass Stehr sehr früh bereits die NS-Politik voll unterstützt hat, die Morde anlässlich der Röhm-Affäre gerechtfertigt hat und aktiv in Bücherverbrennungen verstrickt war.
Die zuständige Bezirksvertretung Münster-Ost hat in ihrer Sitzung am 23.08.2012 die Umbenennung des Stehrwegs abgelehnt.

In Mauritz-Ost gibt es ein Gebiet mit 17 Straßennamen aus dem Themenbereich Dichter. Es sind die Straßennamen
Adalbert-Stifter-Straße, Agnes-Miegel-Straße, Brentanoweg, Castelleweg, Clara-Ratzka-Weg, Franz-Grillparzer-Weg, Gerhart-Hauptmann-Straße, Heinrich-Lersch-Weg, Hermann-Sudermann-Straße, Hilleweg, Ludwig-Anzengruber-Weg, Natz-Thier-Weg, Paul-Keller-Straße, Peter-Rosegger-Weg, Stehrweg, Temmeweg, Theodor-Fontane-Straße.


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