Stadt Münster: Vermessungs- und Katasteramt - Straßenname: Straßenumbenennungen 1974

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Straßennamen in Münster

Bedeutungen und Hintergründe

Straßenumbenennungen 1974

Bei der kommunalen Neugliederung am 1. Januar 1975 wurden die Stadt Münster und neun kleine Gemeinden des Landkreises Münster zur kreisfreien Stadt Münster zusammengelegt. In den einzelnen Gemeinden gab es vielfach dieselben oder ähnliche Straßennamen. Deshalb mussten vor dem 1. Januar 1975 im neuen Stadtgebiet 220 Straßen umbenannt werden.

Bei vielen Umbenennungen wurden neue Straßennamen in dem selben Themenbereich gefunden, in dem schon der vorherige Straßenname lag. Zum Beispiel wurde die Mozartstraße im Mai 1974 durch Beschluss des Rates der Stadt Münster nach dem Komponisten und Musikwissenschaftler Gustav Nottebohm (1817-1882) umbenannt.

Aus der Tageszeitung:

Acht Bahnhofstraßen zuviel...

Schulstraße auf Platz 2 / Dr. Lauhoff: Eine Arbeitsgruppe bilden

Münster. Der Computer schluckte. Genau 1557 Mal. Dann hatte er sämtliche Straßennamen aus der Stadt Münster und den neun Umlandgemeinden drin. Als er sie wenig später auf 44 grün-weiß gestreiften und eng bedruckten Bögen alphabetisch sortiert wieder ausspuckte, war Gewißheit, was Münsters neuster Dezernent, Dr. Erich Lauhoff, schon vorher geahnt hatte: Soll es in der Stadt Münster nach der kommunalen Neuordnung nicht Birken- und Buchenwege, Wibbelt- und Wilhelmstraßen engros geben, müssen 220 Gassen, Wege und Straßen umbenannt werden.

Zu den Spitzenreitern dieser Straßennamen-Hitliste zählen erwartungsgemäß die sechs Münsterstraßen und die sieben Schulstraßen. Den Vogel unter den Doubletten aber schießt die Bahnhofstraße ab, die in Münster und seinen neun Eingemeindungs-Gemeinden nicht weniger als neunmal zu finden ist - nur Sankt Mauritz steht ohne Bahnhofstraße da... Den Anstoß zu der Straßennamen-Inventur gab die Post, die der künftigen Großstadt Münster nur eine einheitliche Postleitzahl zubilligt und Zusatzbezeichnungen - wie Münster-Handorf oder Münster-Hiltrup - nur für eine Übergangszeit gelten lassen will. Mehrere gleichlautende Straßennamen müßten die Postzustellung notwendigerweise in ein Chaos stürzen, andere Behörden und Verwaltungen würden fast automatisch in Mitleidenschaft gezogen. Und künftige Besucher der Stadt Münster müßten damit rechnen, von einer Bahnhofstraße zur anderen geschickt zu werden.

Klar, sagt Dr. Lauhoff, von den WN auf das Straßenamen-Problem angesprochen, dass zu diesem Zeitpunkt über mögliche Änderungen noch nicht gesprochen werden kann. Immerhin sammelte er die Straßennamen-Listen aller Gemeinden und fütterte damit die Elektronische Datenverarbeitungs-Anlage im Stadthaus, um sich zumindest ein Bild aus der Verwirrung machen zu können.

Und der Computer ratterte unbarmherzig herunter, was doppelt war: neunmal Bahnhofstraße, siebenmal Schulstraße, sechsmal Münsterstraße, fünfmal Birkenweg, Gerhart-Hauptmann-Straße, Kirchstraße, Nachtigallenweg und Wagenfeldstraße. Je viermal tauchten auf: Agnes-Miegel-Straße, Buchenweg, Drosselweg, Eichendorffstraße, Eichenweg, Friedensstraße, Prozessionsweg, Wibbeltstraße und Wilhelmstraße. Von den Drillingen, den Doppelten und den ähnlich lautenden (Kirchfeld, Kirchplatz, Kirchweg, Kirchstraße) Straßennamen ganz zu schweigen ...

Die Häufung von Buchen-, Eichen-, Birken- und Drosselwegen ist indes kein typisch münstersches Problem. Die Stadt Aachen, die die Prozedur der kommunalen Neuordnung schon hinter sich hat, müßte nicht weniger als 200 doppelte Namenschilder kappen. Da in Aachen Eile not tat, besorgte der neue Rat die Umtaufe. Allerdings wurden die Bezirksausschüsse maßgeblich beteiligt, die nach Vorschlägen der Verwaltung ihre Wünsche konkretisieren konnten. Heute, so versichert der zuständige Beigeordnete der Stadt Aachen, gibt es dort keine Doppel-Bezeichnungen mehr. Die alten Straßenschilder sind rot durchgestrichen, die neuen hingen bereits darunter.

In Münster, wo die kommunale Neuordnung noch nicht beschlossen ist, könnten noch die alten Räte die neuen Namen aus der Taufe heben. So sollte - nach den Vorstellungen von Dr. Lauhoff - eine Arbeitsgruppe mit den verschiedenen Ämtern gebildet werden: Denn wir müssen uns ja einig werden zwischen Stadt und Land, wer auf seine Bahnhofstraße verzichtet... Sollte diese Prozedur zügig über die Bühne gehen, wäre nicht nur die Mitwirkung der alten Räte gesichert, sondern die neue Stadt Münster könnte sich auch gleich nach der kommunalen Neuordnung mit einen eindeutigen Straßenverzeichnis präsentieren.

Daß der Abschied vom alten Straßenschild nicht immer ohne Schmerzen vonstatten gehen wird, ist auch Dr. Erich Lauhoff klar: Die Namensänderung ist für jeden eine Belastung. Aber auf die Dauer stellen sich auch die Vorteile heraus: Verwechslungen werden ausgeschlossen, die Briefe nicht mehr erst sechs Tage an falscher Stelle unterwegs sein.

Besonders die Straßennamen mit historischen oder persönlichen Bezügen, so vermutet Dr. Lauhoff, werden den einzelnen Gemeinden schwer abgehen: Schlaunstraße, Wagenfeldstraße oder Annette-von-Droste-Hülshoff-Allee. Da wo Fauna und Flora oder örtliche Gegebenheiten Taufpate gespielt haben (etwa bei den Buchen- und Birkenwegen, den Kirch- oder Bahnhofstraßen) sieht Dr. Lauhoff weniger Komplikationen: Wenn der Nachtigallenweg demnächst Zeisigweg heißt, weil da ohnehin keine Nachtigall mehr schlägt, dann dürfte das doch keine großen Schwierigkeiten geben.

Autor: Wolfgang Schemann
Quelle: Ausschnitt aus den Westfälische Nachrichten, ohne Datum, Jahrgang vermutlich 1973.


 

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