der Zensus 2022 wird von Mitte Mai bis Ende Juli 2022 bundesweit stattfinden. Warum es sich lohnt, 11 Jahre nach der letzten registergestützten Volkszählung die Daten wieder auf den aktuellen Stand zu bringen, zeigt die Statistikdienststelle am Beispiel der Bevölkerungsentwicklung in Münster. Wie viele Menschen haben in Münster ihren Hauptwohnsitz? Auf die einfache Frage gibt es zwei richtige Antworten. Nach Angaben des statistischen Landesamtes Information und Technik Nordrhein-Westfalen (IT.NRW) sind es am 30. November 2021 in Münster 317.576. Das städtische Melderegister weist zum selben Stichtag 310.100 Personen aus. Ein Unterschied von 7.476 Personen!!! Wie kommt das? Unterschiedliche Methoden Die aktuelle Bevölkerungszahl ergibt sich bei IT.NRW durch Fortschreibung der Ergebnisse des letzten Zensus 2011. Monatlich wird eine Bilanzierung der von den Standesämtern gemeldeten Geburten (+) und Sterbefälle (-) sowie der von den Meldebehörden gemeldeten Zuzüge (+) und Fortzüge (-) durchgeführt, um damit die neue Bevölkerungszahl zu ermitteln. Ferner werden Staatsangehörigkeitswechsel, Informationen zum Nachweis des Familienstandes, Gebietsänderungen sowie sonstige Bestandskorrekturen berücksichtigt. Das ist eine komplexe Verrechnung, die IT.NRW für rund 18 Millionen Einwohner Nordrhein-Westfalens und deren Bewegungsdaten durchführt. Je länger der letzte Zensus zurückliegt, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit einer Ungenauigkeit. Die Statistiker der Stadt Münster werten, wie IT.NRW auch, das Melderegister aus. Anders als das statistische Landesamt nutzen sie jedoch nur die Bestandsdatei, um den Bevölkerungsstand zu ermitteln. Eine Verrechnung mit den Bewegungsdaten findet nicht statt. So ergeben sich aus den unterschiedlichen Methoden, unterschiedliche Zahlen. Bevölkerungsentwicklung im Vergleich Nach beiden Methoden ist der Bevölkerungsstand in Münster seit dem letzten Zensusjahr 2011 gestiegen. Vergleicht man die Novemberdaten weist IT.NRW für Münster einen Bevölkerungszuwachs von 8,3 Prozent aus, die Statistikdienststelle kommt auf 7,3 Prozent. Während sich die Bevölkerungsstände bis 2014 sehr ähnlich entwickeln, kommt es 2015, als viele Schutzsuchende nach Münster kamen, zu größeren Unterschieden. Ab 2016 verläuft die Bevölkerungsentwicklung wieder sehr ähnlich. Text mit Grafik Warum arbeiten zwei Stellen an einer Bevölkerungszahl? Aus Sicht des statistischen Landesamtes IT.NRW ist Münster als kreisfreie Stadt eine Einheit. IT.NRW bietet Zahlen, Daten, Fakten auf der Ebene der Gesamtstadt. Daten unterhalb der Stadtgrenze stehen nicht zur Verfügung. Wenn es um die Planung für Schulen, Kindergärten, Wahllokalen, Kapazitäten für Kläranlagen und vieles mehr geht, reicht es nicht, eine einzige gesamtstädtische Zahl für Münster zu kennen. Die Bevölkerung ist im Stadtgebiet unterschiedlich verteilt – sowohl von der Anzahl der Personen als auch von der Altersstruktur. Wer kleinräumige Daten benötigt, wie z.B. für die sechs Stadtbezirke oder die 45 Stadtteile, braucht eine Statistikdienststelle. Sie liefert den Infrastrukturämtern wertvolle kleinräumige Daten für die Planung, um Ressourcen verantwortungsvoll zu nutzen. Zensus 2022 Die Erhebungsstelle Zensus der Stadt Münster arbeitet bereits seit Mitte 2021 an den Vorbereitungen des Zensus 2022. Eigentlich hätte die europaweite registergestützte Volkszählung turnusmäßig bereits im Jahr 2021 stattfinden sollen, wurde aufgrund der Corona Pandemie aber in das Jahr 2022 verschoben. Die Registerabfragen werden durch persönliche Stichprobenbefragungen von bis zu 10 % der Bevölkerung ergänzt. In Münster werden mehr als 30.000 Personen für den Zensus 2022 befragt, davon ca. 17.000 bei der Befragung der Haushalte und ca. 14.000 bei der Befragung von Sonderbereichen (z.B. Studierendenwohnheime und Pflegeheime). Zusätzlich wird es eine Erhebung von Gebäuden und Wohnungen geben, die direkt durch IT.NRW durchgeführt wird. Der Stichtag für die Befragungen ist der 15. Mai 2022. Die Ergebnisse des Zensus 2022 werden voraussichtlich Ende 2023 zur Verfügung stehen. |