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Ausschnitt eines alten Stadtplans von Münster aus dem Jahre 1862
 
Straßenschild Ringoldgasse
 
 
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Gartenstraße

Stadtbezirk:Münster-Mitte
Statistischer Bezirk: Schlachthof
Entstehung: 1875
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Foto

Blick in die Gartenstraße

Benannt nach den Gärten, die sich bis ins 19. Jahrhundert wie ein Ring um die Altstadt zogen.

Gärten an der Stadtmauer
Fabio Chigi, der detailfreudige Beobachter des münsterischen Alltags, schwärmte über die Gärten. Wenn er über die Stadtmauer blickte, sah er auf riesige Obstwiesen, die sich mit ihren herrlich duftenden Kräutern jetzt rings um die Stadtmauer erstrecken. Gemüse und Früchte reiften in diesen Gärten in großer Vielfalt. Chigi zählte auf: Sich hochrankende Erbsen, saftige Bohnen, Rüben, Rettich, Salat, Mohren, Malven und sogar die dicken Bohnen, die in Westfalen sowohl von den Bürgern als auch von den ungehobelten Bauern weitaus am meisten angebaut werden.
Derartige Nutzgärten in unmittelbarer Nähe der Stadtmauer wurden bereits in Urkunden aus dem 13. Jahrhundert erwähnt: 1266 etwa vor dem Jüdefeldertor, 1278 vor dem Mauritztor, 1282 vor dem Liebfrauentor. Die Gärten wurden anfangs in Nähe der Stadttore angelegt. Von dort pflanzten sie sich - im wahrsten Sinne des Wortes - in beide Richtungen entlang der Stadtmauer fort. Die Nutzgärten bereicherten die Speisetafel der Geistlichkeit und der Bürgerschaft. Sie dienten bald auch einem neuzeitlichen Zweck nämlich dem Rückzug aus der Enge der Stadt und der Erholung im Grünen. Münsterische Bürger gaben dies bereits um 1450 als Kaufgrund an. Während sich städtische Adels- und Erbmännerfamilien auf Landsitze im näheren Umland zurückzogen, errichteten die Bürger auf ihren Parzellen vor den Stadtmauern einfache Hütten, aber auch aufwendigere Gartenhäuser. Wie dicht die Landschaft mit Lauben verstellt war, zeigen Anweisungen aus den Kriegsjahren 1598 und 1636: Um das Schussfeld vor den Mauern freizuhalten, wurde der Abriss aller Sommerhäuser angeordnet.
Kriegszeiten und Mangeljahre unterstrichen aber auch, wie lebenswichtig die Gärten vor den Toren der Stadt waren. Im April 1763, also kurz nach Ende des Siebenjährigen Krieges, waren die Eingesessenen unserer Haupt- und Residenzstadt Münster fleissigst beschäftigt, ihre rings um die Stadt belegenen, während letzteren Krieg von lebendigen und toten Früchten, und Gartenhäusern mehrenteils entblößte, fast gänzlich ruinierte und in Unstand geratenen Gärten wieder herzustellen, rühmte Fürstbischof Maximilian Friedrich im Frühling 1763. Gleichzeitig sah er einiges liederliches und diebisches Gesindel am Werk, das den Wiederaufbau behinderte. Gartentüren würden gestohlen, Vieh werde zwischen die Nebenwege und Stege der Gärten getrieben, Bäume und Pflanzen würden beschädigt oder gar entwendet. Schon 1768 rief die fürstbischöfliche Landesregierung nicht mehr Diebe und liederliches Gesindel, sondern die Gärtner selbst zur Vernunft. Das Gartenland vor der Stadt hatte solchen Wildwuchs angenommen, dass ein Wegenetz geplant, die Flächen erschlossen und die Pfade zwischen den Gärten in Stand gehalten werden mussten.
Eine fürstbischöfliche Verordnung forderte die Gartennutzer auf, alle Mist- und Erdhaufen zu entfernen und die Entwässerung der Gräben sicherzustellen. Die Wassergräben dürften nicht mehr durch "Hinwerfung allerhand Unkrauts, Bohnenstrohes und sonstiger Sachen" verstopft werden. Bei all den Missständen, die buchstäblich ins Kraut schossen: Der Gartenring rund um Münster war erstaunlich vielfältig. Lauben aus Flechtwerk, gestutzte Hecken oder Bäume reichten einigen Gartenbesitzern völlig aus. Andere zimmerten Sommerhäuser aus Holz. Besonders gut betuchte Bürger und Adlige ließen aufwendige Steingebäude errichten.
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Quelle: Stadtarchiv Münster, Im Wandel der Zeit - 1200 Jahre Münster, Zwolle 2000, Seite 328-329