Sudetenweg
Benannt nach der Landschaft in Tschechien mit früher deutscher Bevölkerung und deutscher Geschichte.
Am 8. Dezember 2020 beantragte die Bezirksvertretung Münster-Mitte (BV Mitte) einen umfassenden Bericht über die Überprüfung von Straßennamen, die in den Jahren von 1933 bis 1945 entstanden sind, und zu der Frage, ob die NS-Ideologie in diesen Straßenbenennungen sichtbar würde. Der Bericht wurde am 18. Januar 2022 der Bezirksvertretung Mitte vorgelegt.
Dort heißt es:
„Der Sudetenweg wurde am 17. September 1936 benannt; es handelt sich um eine Erstbenennung. Die
Sudeten sind ein Gebirgszug zwischen Schlesien und Böhmen und verbinden das Erzgebirge mit den
Karpaten. Sie verlaufen zum größeren Teil im heutigen tschechisch- polnischen Grenzgebiet.
Dieser in Nordböhmen und Nordmähren gelegene Gebirgszug gehörte bis zum Ende des Ersten
Weltkriegs zu Österreich-Ungarn und fiel nach Friedensschluss an die Tschechoslowakei. Der
Gebirgszug stand Pate bei der Benennung des Siedlungsgebiets der deutschsprachigen Minderheit
in der Tschechoslowakei, jedoch war das deutschsprachige Siedlungsgebiet umfassender als der
Gebirgszug. Erst nach 1918 etablierte sich auch die Rede von den „Sudetendeutschen“ als
Sammelbezeichnung aller ehemals zur Habsburger Krone gehörenden Deutschen in der
Tschechoslowakei. Seit 1935 finanzierte die NSDAP die Sudetendeutsche Partei (SdP), der es
nicht nur gelang, 68 Prozent der Stimmen der Sudetendeutschen auf sich zu vereinigen, sondern
stärkste politische Partei innerhalb der Tschechoslowakei zu werden. Zunächst auf
„Minderheitenschutz“ und „völkische Selbstverwaltung“ bedacht, verlangte die SdP ab 1937 einen
Anschluss des Sudetenlandes an das Deutsche Reich. Dazu war sie aktiv an der Inszenierung der
sogenannten Sudetenkrise 1938 beteiligt, die zur Abtrennung des Sudetenlandes von der
Tschechoslowakei und dessen Annektion durch das Deutsche Reich infolge des Münchener Abkommens
1938 und dann zur Zerschlagung der Tschechoslowakei durch das Deutsche Reich 1939 führte.
Neben Münster vergaben acht weitere westfälische Städte den Namen Sudeten oder Sudetenland an Straßen. Bis auf Münster benannten alle Städte diese Straßen wieder um, zumeist 1945 oder 1946.“
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