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Ausstellungen
Reihe "Potenziale"
Schichtwechsel
Franka Boltz und Dr. Kathrin Menke
In der Ausstellungsreihe – Potenziale stellt das Kap.8 Franka Boltz und Dr. Kathrin Menke vor. Ihre Werke könnten auf den ersten Blick kaum gegensätzlicher sein. Und doch fügen sich ihre Bilder – irgendwo zwischen Fülle und Leere, klar gesetzter Abstraktion und naiver Formensprache – im spielerischen Wechsel zu einer gelungenen Präsentation. Der Ausstellungstitel ist treffend gewählt: Schichtwechsel.
Fülle – Dr. Kathrin Menke schüttet ein Füllhorn von Beobachtungen spielerisch aufs Papier. Hier formen sie sich zu Wimmelbildern, die die Betrachtenden zum neugierigen Entdecken einladen und dabei sicher bei dem ein oder anderen Erinnerungen aus der Kindheit wecken. Menkes Werke fallen ins Auge und haben einen ganz eigenen Stil. Ihre Motive kreisen um Momente und Geschichten, die sie selbst berührt, beschäftigt oder erheitert haben. Ihre Heimatstadt Münster und ihre Bewohnerinnen und Bewohner sind in den zahlreichen sorgfältig ausgearbeiteten Details unverkennbar wiederzuerkennen. So eröffnet sich etwa ein Blick aus der Vogelperspektive auf die Promenade. Historische Gebäude, ein Riesenrad und Flohmarktstände erzählen von vertrauten Orten, Festen und Freizeitvergnügungen; zugleich verweisen Szenen eines studentischen Klimaprotests auf aktuelle gesellschaftliche Themen und das besondere Lebensgefühl der Stadt.
Menkes scheinbar naive Figuren sind mit leichter Hand gezeichnet. Sie bevölkern das gesamte Bildgeschehen: Sie joggen, demonstrieren, spielen, angeln und gehen den unterschiedlichsten Tätigkeiten nach. Die dargestellten Szenen sind liebevoll und farbenreich gestaltet. Der malerische Farbauftrag verweist auf weitere Werkgruppen der Künstlerin, darunter kleinformatige Aquarelle und Linolschnittserien, von denen ebenfalls Arbeiten in der Ausstellung zu sehen sein werden.
Leere – Franka Boltz greift in ihrer aktuellen künstlerischen Arbeit auf Szenerien, Fundstücke und Objekte in ihrer Lebenswirklichkeit zurück. Wäscheständer, Möbel, Stoffe oder die Überreste einer Mahlzeit können zum Bildanlass werden. Sie untersucht die vorgefundenen Situationen, so ist ihr der Raum oder auch die Perspektive der Wahrnehmung wichtig. Eine bloße Wiedergabe der Erfahrung entspricht jedoch nicht ihrem malerischen Ansatz. Zwar arbeitet sie gegenständlich, ihr eigentliches Interesse gilt jedoch dem Verbergen des Offensichtlichen, den Leerstellen sowie den Überlagerungen des Ursprünglichen. Bereits in ihren spontanen, kleinformatigen Arbeiten, die direkt vor Ort entstehen, wählt sie ungewöhnliche Blickwinkel. Selten lässt sich ein Gegenstand vollständig erfassen: Was zunächst wie eine Folge diagonaler Streifen ohne erkennbares Motiv erscheint, entpuppt sich bei näherem Hinsehen als angeschnitten dargestellte Snackschale, die sich beinahe unmerklich in die Struktur eines Holztisches einfügt.
Wenige präzise gesetzte Linien und eine sensible, zurückhaltende Farbigkeit kennzeichnen ihr künstlerisches Vorgehen. In ihren großformatigen Serien auf Leinwand führt sie die beobachteten Szenen in abstrakt anmutende Bildräume. Sie untersucht durch Schichten, Verbergen mit Hilfe von Übermalungen oder Auslassungen von Farbaufträgen neu entstehende Ansichten. Zudem lotet sie die Möglichkeiten und Materialien von Bildträger wie Transparentpapier, Glas oder Folien aus. Durch deren Einsatz erreicht sie neue Dimensionen der Darstellung.
Was aber vereint diese unterschiedlichen Werkreihen der Autodidaktin Menke und der an der Kunstakademie ausgebildeten Franka Boltz? Beide schöpfen ihre Bildideen aus ihrem unmittelbaren Lebensumfeld. Beide reizt das alltägliche Geschehen. Das Alltägliche dient ihnen als Ausgangspunkt, mit dem sie durch genaues Beobachten und sensibles Hinsehen Besonderes entdecken. Zum anderen haben sie ein Gespür für die Komposition: Sowohl Boltz als auch Menke entwickeln Bilder, die ohne die gezielte Setzung von Formen, Farben nicht wirken könnten. Nicht zuletzt teilen beide Künstlerinnen die Freude am Experimentieren mit Materialien sowie am differenzierten Einsatz von Farbe. Diese Gemeinsamkeiten lassen ihre Arbeiten in der aktuellen Präsentation überraschend harmonisch erscheinen. Menke erzählt Geschichten, Boltz verbirgt sorgfältig die ursprünglichen Erzählungen.
Die Besuchenden können sich auf einen Ausstellungsbesuch mit sehr anregenden und wechselnden Eindrücken freuen.


