A bis Z

Ausschnitt eines alten Stadtplans von Münster aus dem Jahre 1862
 
Straßenschild Ringoldgasse
 
 
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Bergstraße

Stadtbezirk:Münster-Mitte
Statistischer Bezirk: Dom
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Benannt nach einer früheren kleinen Anhöhe (Motte), die in der damals sumpfigen Niederung des Breuels lag. An der Bergstraße steht die kleine Johannes-Kapelle.

Was bedeutet hier Berg?
Die Bezeichnung uppen berghe ... will nicht recht zu der heutigen Situation passen, denn in dem völlig ebenen Gelände ist von einem Berg weit und breit nichts zu sehen. Aber zahlreiche urkundliche Zeugnisse lassen sich zu dem Beleg von 1282 hinzufügen! Es muß also einmal eine Bodenerhebung innerhalb dieser Niederung des Breul gegeben haben, die so markant war, dass sie sich wie ein Berg aus der Umgebung abhob. Eine natürliche Erhebung kann es nach dem Höhenschichtenplan von Münster nicht gewesen sein, also bleibt nur eine künstliche Aufhöhung denkbar.

Die Tatsache, dass die mansio uppenberghe im Besitz der Edelherren von Steinfurt war, führt, wie ich glaube, auf die richtige Spur. Die Edelherren waren bekanntlich Vögte des Stiftes Überwasser und müssen als solche auch eine Wohnung in Münster, d. h. in unmittelbarer Nähe der Immunität von Überwasser, gehabt haben, ähnlich wie die Stiftsvögte ihre Dienstwohnung in der Domburg hatten. Diese Wohnung ist gewiß befestigt gewesen, und die Bezeichnung der Mansio als uppen berghe gelegen, läßt vermuten, dass diese Befestigung eine sogenannte Motte gewesen ist, wie sie sich die großen Herren im 11. und 12. Jahrhundert in ganz Nordwesteuropa zu errichten pflegten.

Eine solche Motte bestand aus einem künstlichen mit Palisaden befestigten Hügel mit einem oder mehreren Gräben rund herum und mit einer Vorburg für die Wirtschaftsgebäude, die wiederum von breiten Wassergräben umgeben war. Von diesem Berg (mons), der dem Bischof sicherlich niemals ein angenehmer Nachbar gewesen sein wird, hat man spätestens bei der Anlage der Stadtbefestigung nichts übrig gelassen als nur die Erinnerung, die im Namen der Kommende in monte (up den berge) und in dem der hier bei dieser Gelegenheit neu angelegten Bergstraße fortlebt. Von den Mauern und Gräben hat man offenbar noch zu Beginn des 19. Jahrhunderts bei Ausschachtungen Reste gefunden.
Quelle: Joseph Prinz, Mimigernaford - Münster , Münster 1981, Seite 196

Die Bergstraße, die quer über die alte Aa-Insel läuft und bis vor kurzem eine Zweibrückenstraße war, hat sich in unseren Tagen grundlegend gewandelt und viel von ihrem ehemaligen Reiz verloren. Einmal ist die westliche Aabrücke durch Stillegung des westlichen Aa-Armes und Zuschüttung des Flußbettes weggefallen, dann geriet der nördliche Straßenzug in die Achse der neuen Durchbruchstraße und musste sich eine nicht unerhebliche Verbreiterung gefallen lassen. Schließlich hat man drei neue Straßen in die Bergstraße einmünden lassen. An keiner Stelle der Altstadt hat sich das Gesicht so geändert.
Als nach Aufhebung des Magdalenenhospitals, das vom Spiekerhof bis zur Bergstraße reichte, die Pfründner 1827 in das Kloster Ringe, Ludgeristraße 26/27, übergesiedelt waren, wurde über das alte Hospitalgelände die schnurgerade Magdalenenstraße gelegt, die die einzige gerade Straße in der Altstadt geblieben ist. Im Jahre 1906 führte man die südliche Straße der Bergstraße in nördlicher Richtung über unbebautes Gelände zum Breul (Tibusstraße).
Quelle: Ludwig Humborg, Historischer Bummel durch Münsters Altstadt-Straßen, Münster 1973

Die Johanniskirche oder St. Johannes-Kapelle, Bergstraße 38.
Die heute evangelische Kirche wurde im Mittelalter als Kapelle der Stadtresidenz der Burgsteinfurter Johanniter gebaut. Das Bauwerk ist die einzig verbliebene der einst zahlreichen Kapellen der Altstadt. War der ursprüngliche Kirchenbau aus dem Jahre 1311 noch der frühen Gotik verpflichtet, gehörten die Chorerweiterungen von 1450 bereits der Spätgotik an. Portal, Westfenster und Chorabschlüsse stammen aus dem 17. Jahrhundert, einer Zeit, in der die Johanniterkapelle zur Verfügung der Franziskaner-Observanten stand. Das Portal wurde von Gerhard Gröninger ausgeschmückt. Die Johanniskirche wird heute von verschiedenen nicht-katholischen Glaubensgemeinschaften zu Gottesdiensten genutzt. Hier feiern die Studentengemeinde, die Alt-katholische Gemeinde, die koreanische, lettische und ungarische Gemeinde ebenso wie die griechisch-orthodoxen Christen und der Johanniter-Orden ihre jeweiligen Gottesdienste.
Quelle: Detlef Fischer, Münster von A bis Z, Münster 2000

 

Berliner Hufeisen-Nummerierung

In dieser Straße sind Hausnummern umlaufend vergeben worden, wie das in Preußen bis im 19. Jahrhundert üblich war. Damals wurden die Hausnummern auf einer Straßenseite stadtauswärts bis zum Ende der Straße fortlaufend vergeben. Dort wechselte die Nummerierung zur gegenüberliegenden Straßenseite und verlief stadteinwärts zum Anfang der Straße zurück. Diese Nummerierung wird "Berliner Hufeisen-Nummerierung" genannt. Es gibt sie in vielen historischen Altstädten. Die Nummerierung ist nicht "unlogisch", sondern verständlich für die Städte, die sich damals nicht weiter ausdehnen konnten als bis zur Stadtmauer. Mit der Ausdehnung der Bebauung über die Stadtmauern hinweg entwickelten die Städte die wechselseitige Nummerierung mit den ungeraden Nummern auf der linken Straßenseite und den geraden Nummern auf der rechten Straßenseite. In vielen Städten existieren beide Systeme nebeneinander für die Altstadt einerseits und die neuen Stadtbereiche andererseits.

In Münster gibt es die umlaufende Nummerierung in sämtlichen Altstadtstraßen und auch in der Johanniterstraße, der Friedrichstraße, der Badestraße und in den nur einseitig angebauten Straßen Am Kanonengraben, Kleimannstraße, Am Kreuztor und der Hüfferstraße bis Hausnummer 26. Warum außerhalb der Altstadt die genannten Straßen diese Nummerierung aufweisen, ist nicht überliefert. In Wolbeck und anderen Ortsteilen gibt es diese umlaufende Nummerierung nicht.



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