Stadt Münster: Vermessungs- und Katasteramt - Straßenname: Elvenstück

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Straßennamen in Münster

Bedeutungen und Hintergründe


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Elvenstück

Stadtbezirk   Münster-Ost
Statistischer Bezirk   Mauritz-Ost
Lage  im Stadtplan

Entstehung   2014   13.03.2014
Amtsblatt   07/2014   Seite 79

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Der Name Elvenstück ist als Flurname zwischen der Wolbecker Straße und dem Lohausbach nachgewiesen.
Quelle: Wilhelm Müller-Wille und Elisabeth Bertelsmeier (Hrsg.), Der Stadtkreis Münster 1820-1955 Karte im Maßstab 1 . 10.000 aus der Reihe Siedlung und Landschaft in Westfalen, Landeskundliche Karten und Hefte der Geographischen Kommission für Westfalen, 1955

Diese Straße liegt im Bereich des damaligen Ackers, der den Namen Elvenstück hatte. Die Bedeutung des Namens ist nicht geklärt.
Nach Auskunft bei Dr. Gunter Müller von der Kommission für Mundart- und Namenforschung Westfalens beim LWL könnte das Wort Elvenstück den Namen eines früheren Eigentümers enthalten. Es gab im Niederdeutschen den Vornamen Alwick bzw. Elvo; dann war es das Grundstück des Elvo.
Wahrscheinlicher ist aber die Herkunft von Elven = mundartlich für Erlen; dann war es das Grundstück bei den Erlen. Diese Erklärung wäre nachvollziehbar, denn das Elvenstück grenzt an den Lohausbach. Erlen bevorzugen Standorte am Wasser.


Ackern am Stück
Das Wörtchen Stück bezeichnete in früheren Jahrhunderten in Westfalen eine Acker- oder Gartenfläche und auch ein Flächenmaß.

Nicht einmal der Duden definiert das Wörtchen Stück. Es ist einfach so geläufig und so banal, dass es jeder kennt - bzw. zu kennen glaubt: Das Stück als Teil eines Ganzen taucht überall dort auf, wo etwas geteilt, zertrennt, zerbrochen oder zerstört wird.
So weit, so banal. Weniger bekannt ist, dass das Stück in der Landwirtschaft und ihrer Geschichte eine eigene, besondere Bedeutung aufweist. Denn wo dieses Wort als Flurname auftaucht, da meint es eine Parzelle, einen Acker oder ein Grund-stück. In diesem uns heute geläufigen Wort klingt die alte Bedeutung noch an.
Das westfälische Wörterbuch aller niederdeutschen Begriffe definiert das Wörtchen "stükke" folgendermaßen: Feldstreifen, Ackerparzelle, Teil einer Ackerfläche, die für sic allein gepflügt wird" sowie abgegrenztes Gartenland".
Diese besondere Bedeutung ist uralt und reicht in die Zeit Karls des Großen zurück. Für das 9. Jahrhundert ist sie in einer schriftlichen Quelle des Klosters Werden bei Essen dokumentiert. Dort ist von einer Feldflur die Rede, "que vocatur stuc lant" - die ein Stück Land genannt wird.
Dieser Erwähnung folgen viele weitere - so etwa in Osnabrücker Stadtrechnungen von 1471: Dort ist von einem Warendorfer Bürger Hollemann die Rede, der der Osnabrücker Stadtkasse Geld schulde - es liege als Gegenwert "ein Stück Wein zum Pfande vor". Hier war tatsächlich eine Fläche gemeint, auf der Weinreben gediehen.
In dieser Form findet sich das Stück in zahllosen Akten, Dokumenten und Karten Westfalens. Gunter Müller, der diesem sonderbaren Wortgebrauch in seinem "Westfälischen Flurnamenatlas" nachgegangen ist, hat Stück-Flurnamen vor allem im Münsterland, im Märkischen Sauerland sowie in Teilen Ostwestfalens, etwa in der Gegend um Brakel im Kreis Höxter, vorgefunden.
Im Siegerland bzw. in Teilen des Sauerlandes bezeichnet das Stück auffallend große Flurstücke, die sich von den kleineren umliegenen Parzellen abheben. Doch diese Bedeutung ist ein Sonderfall. Denn in Westfalen wurde unter Stück in der Regel ein Ackerbeet verstanden - oder der "Teil einer größeren Ackerfläche, der für sich allein gepflügt wird." Häufig tauchen Stück-Flurnamen bei Ackerflächen auf, die gemeinschaftlich beackert worden sind.
Die streifenartigen Ackerbeete wiesen je nach Landstrich eine mehr oder weniger feste Größe auf. So wurde das Wörtchen Stück mancherorts zum Flächenmaß, neben dem Morgen, der Rute oder der Scheffelsaat. Der Sprachwissenschaftler Gunter Müller hat dazu in seinem Westfälischen Flurnamenatlas einige Belege veröffentlicht. Demnach maß im Münsterland ein Stück zwischen 10,5 und 14 m Breite. In der Dortmunder Gegend gab es das feste Maß des Gartenstücks. Es umfasste umgerechnet rund 180 qm Land.
Quelle: Gisbert Strotdrees in Landwirtschaftliches Wochenblatt Westfalen-Lippe, Münster, Ausgabe 46/2013


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