Stadt Münster: Vermessungs- und Katasteramt - Straßenname: Emmy-Herzog-Platz

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Straßennamen in Münster

Bedeutungen und Hintergründe


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Emmy-Herzog-Platz

Stadtbezirk   Münster-Mitte
Statistischer Bezirk   Rumphorst
Lage  im Stadtplan

Entstehung   2017   05.12.2017
Amtsblatt   8/2018   11.05.2018
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vergrößern1998: Emmy Herzog, verw. Steinweg

Emmy Herzog, geb. Bogatzki (1903-2009) ist in Kattowitz/Oberschlesien aufgewachsen und lebte später in Münster. 1933 heiratete sie den Mechaniker und Motorradrennfahrer Leo Steinweg. Ihr Mann emigrierte 1938 in die Niederlande. Emmy Steinweg engagierte sich mit sehr mutigem Auftreten, um ihren Ehemann vor den Nationalsozialisten zu schützen. Leo Steinweg wurde 1945 im KZ ermordet.
1999, im Alter von 96 Jahren, begann Emmy Herzog, verw. Steinweg, ihre Lebensgeschichte, insbesondere ihre Erinnerungen an Leo Steinweg niederzuschreiben. Das Buch erschien 2000 unter dem Titel Leben mit Leo. Emmy Herzog starb 2009 im Alter von 106 Jahren in Münster.

 

Emma (Emmy) Bogatzki *13.4.1903 in Ludwigsdorf/Oberschlesien geboren, kath., heiratete 1933 den drei Jahre jüngeren Mechaniker und Motorradrennfahrer Leo Steinweg, der im Jahr zuvor vom Judentum zum Katholizismus konvertiert war. Das Paar wohnte Rothenburg 51. Emmy Steinweg war in Verkauf und Buchführung des Fahrrad- und Motorradgeschäftes ihres Mannes in Münster tätig.

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vergrößern1931: Leo Steinweg

Als Ende August 1938 aus NS-Kreisen der Hinweis erfolgte, ihr Mann solle sich in Sicherheit bringen, flüchtete er über die Grenze nach Enschede. Er wurde illegal von einem Berufskollegen beschäftigt, während sie innerhalb kürzester Frist die Wohnungseinrichtung verkaufen und das Geschäft mit dem Warenlager zu ungünstigen Bedingungen abwickeln musste. Leo Steinweg, dessen Pass bei einer Kontrolle eingezogen worden war, fand Zuflucht in einem Kloster nahe der belgischen Grenze. Emmy Steinweg erwirkte durch mutiges Auftreten bei der Behörde die Herausgabe des Dokuments. Dadurch war sein Aufenthaltsrecht in den Niederlanden gesichert.
Eine Ausreise nach Brasilien scheiterte, weil deutsche Truppen am 10.5.1940 die Niederlande überfielen. Emmy Steinweg schützte ihren Mann und sorgte durch Heimarbeit für den Lebensunterhalt. Seit Frühjahr 1941 hielt sich Leo Steinweg nur noch innerhalb der Wohnung auf. Von holländischen Nachbarn vor Razzien gewarnt, flüchtete er jedes Mal auf das Hausdach, bis die Gefahr vorüber war. Nach einer Denunziation wurde ihr Mann ins Sammellager Westerbork verbracht. Durch beherztes Auftreten gelang es Emmy Steinweg, ihn einmal dort zu besuchen. Sie versuchte vergeblich, bei der Gestapo in Amsterdam seine Rückstellung von der Deportation zu erlangen. Jeden Monat musste sie sich bei der Gestapo in Amsterdam melden und wurde jedes Mal mit unflätigen Worten zur Scheidung gedrängt.
Am 2.11.1942 wurde Leo Steinweg ins KZ Auschwitz deportiert; er überlebte als 'kriegswichtiger Facharbeiter' der Motorenbranche die nächsten zwei Jahre. Emmy Steinweg erhielt mit Hilfe eines Soldaten Lebenszeichen in Form von heimlichen Briefen von ihm.
Kurz vor der Befreiung des Vernichtungslagers Auschwitz durch sowjetische Truppen wurde Leo Steinweg Anfang 1945 auf den 'Todesmarsch' Richtung KZ Flossenbürg/Oberpfalz geschickt und dort wenige Monate vor Kriegsende erschossen.

Emmy Steinweg selbst konnte erst 1950 nach Münster zurückkehren. Als Haftentschädigung erhielt sie pro Haftmonat 150 DM für 32 Monate KZ-Aufenthalt des Ehemannes. 1953 heiratete sie in zweiter Ehe Eugen Herzog. Emmy Herzog starb 2009 im Alter von 106 Jahren in Münster.

das Buch von Gisela Möllenhoff und Rita Schlautmann-Overmeyer: Jüdische Familien in Münster - 1918 - 1945 - Biographisches Lexikon

vergrößerndas Lexikon

Quelle: Gisela Möllenhoff und Rita Schlautmann-Overmeyer, Jüdische Familien in Münster 1918 bis 1945, Teil 1: Biographisches Lexikon, Münster 2001


 

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Fax 02 51/4 92-77 55
 
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