Stadt Münster: Vermessungs- und Katasteramt - Straßenname: Franz-Beiske-Weg

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Straßennamen in Münster

Bedeutungen und Hintergründe


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Franz-Beiske-Weg

Stadtbezirk   Münster-Südost
Statistischer Bezirk   Gremmendorf-Ost
Lage  im Stadtplan

Entstehung   2007   13.03.2007
Amtsblatt   5/2007   Seite 43

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Benannt nach Franz Beiske (1906-1960), Bühnenmaler, Heimatdichter, Begründer der Niederdeutschen Heimat-Bühne Gremmendorf in der Karnevals-Gesellschaft Pängelanton.

 

Franz Beiske wurde am 27. Mai 1906 in Walstedde geboren. In seiner frühesten Kindheit zog seine Familie nach Gremmendorf und gründete dort einen kleineren landwirtschaftlichen Betrieb mit Milchhandel. Er besuchte wie andere Gremmendorfer Kinder zu dieser Zeit die Volksschule in Angelmodde. Für den elterlichen Betrieb zeigte er wenig Interesse. Seine Lieblingsbeschäftigung war in alten Büchern zu schmökern und zu malen.

Nach der Schulentlassung machte er eine Lehre bei dem Kirchen- und Bühnenmaler Drees in Münster. In seiner Freizeit dichtete er zunächst kleinere niederdeutsche Verse, wobei er seine Dicht- und Fabulierkunst immer mehr perfektionierte. Selbstverständlich nahm er auch rege am gesellschaftlichen Leben Gremmendorfs teil und war Mitglied in dem 1923 gegründeten Orts- und Schützenverein Gremmendorf. Als dieser 1932 die Planungen für sein 10-jähriges Jubiläum aufnahm und zur Finanzierung einer neuen Vereinsfahne einen 'Fahnenfonds' gründete, leistete Franz Beiske dazu einen Beitrag in Form seines ersten, von ihm geschriebenen plattdeutschen Theaterstücks, das er im Herbst 1932 mit einem Laienspielensemble aus Gremmendorfer Bürgern in der Gaststätte Heuckmann inszenierte und die Eintrittsgelder dem Fahnenfonds zukommen ließ.

Das unter dem Titel 'De Pengelanton' aufgeführte Stück schildert die Vorgeschichte zum Bau der Bahnstrecke Münster-Lippstadt der Westfälischen Landes-Eisenbahn (WLE). Die dabei auftretenden Querelen der Bahngesellschaft mit den Landwirten, die für den Streckenbau kleinere Teile ihrer Ländereien zur Verfügung stellen sollten, werden deftig 'up Platt' auf die Schüppe genommen. Speziell ein Bauer aus Gremmendorf macht die meisten Schwierigkeiten, was darin gipfelt, dass er sogar seinen Bullen auf die 'Geometers' (Landvermesser) hetzt. Diese Story hat Beiske dann nochmals in seinem wohl bekanntesten plattdeutschen Gedicht 'De Pängelanton' verarbeitet. 'Pängelanton' ist die volkstümliche Bezeichnung für die Dampfzüge der WLE, die sich an den damals meist unbeschrankten Bahnübergängen durch ein weithin vernehmbares "pängeln" (plattdeutsch für bimmeln/läuten) ankündigten. Das Theaterstück erlebte seinerzeit 12 erfolgreiche Aufführungen und ein Gastspiel in Sendenhorst.

Der große Erfolg seines Erstlingswerkes war dann der Auftakt für Beiskes weiteres Schaffen als Autor plattdeutscher Stücke. Die Laienspielschar von ca. 15 Personen "firmierte" alsbald als Niederdeutsche Heimat-Bühne Gremmendorf und führte in den Jahren bis 1937 weitere Stücke von Franz Beiske auf. In den Stücken verarbeite Beiske zumeist lokale Geschichten und Legenden und setzt diese in deftigem bodenständigem Humor in Szene. So greift er in 'Jans am loaten Aobend' (1934) die Legende von dem Krämer 'Schmallaken' auf, der bis heute in Thürs - Busch spuken soll. Dort muss er zur Geisterstunde mit einer glühenden Elle in der Hand dafür büßen, dass er mit falschen Maßen sein Leinentuch verkauft hat. In zwei Stücken mit historischem Hintergrund geht es weniger lustig zu. In 'Schmed Mollenhecke' (1936) und 'De Prüssenbuer' (1937) erinnert Beiske an die Wiedertäuferzeit und an die Besetzung Münsters durch französische Soldaten 1806/07.

Der Stamm jener ersten Laienspieler um Franz Beiske pflegte dann auch den karnevalistischen Volksbrauch. Schon in der Karnevalssession 1932/33 feierte man ein Fest unter dem Motto 'Alltiet unwies, un von dage er's recht'. Deshalb führt die von Beiske und anderen Mitgliedern der Niederdeutschen Heimat-Bühne 1949 mitbegründete Karnevalsgesellschaft Pängelanton ihre Entstehung und ihren Namen auf die Theateraufführung 'De Pängelanton' von 1932 zurück. War die Bühne in den Vorkriegsjahren mehr oder weniger ein Anhängsel des Orts- und Schützenvereins, so wurde sie 1949, angestoßen von Beiske, in der Gremmendorfer Karnevalsgesellschaft wieder belebt und ist bis heute in diese vollständig integriert.

Es ist vornehmlich Beiskes Initiativen in den 1950er Jahren zu verdanken, dass die Niederdeutsche Heimat-Bühne bald im ganzen Münsterland bekannt wurde und im Herbst jeden Jahres mit einem neuen plattdeutschen Theaterstück fester Bestandteil der vielfältigen münsterländischen und westfälischen Laientheaterszene wurde. Er selbst war weiterhin ein unermüdlicher Stückeschreiber und schuf mit 'De Wankelmödigen' (1951), 'Schaneerlichkeiten' (1952) und 'Stuohlene Steene' (1957) weitere Werke. Aber auch für andere bekannte niederdeutsche Autoren zeigte sich die von ihm geleitete Bühne in diesen Jahren offen und spielte zwischendurch Stücke von Natz Thier, Hermann Hohmann, Anton Aulke und Werner Brüggemann. Hatte Beiske in den Inszenierungen seiner ersten Stücke auch jeweils noch Regie geführt und eine der Hauptrollen selbst gespielt, so überließ er dieses jetzt Kurt Werner, Lehrer und später Leiter der Gremmendorfer Grundschule, der schon als Kind Statistenrollen in Beiskes Stücken übernommen hatte und die Bühne nach dessen frühem Tod 1960, über 30 Jahre als Spielleiter führte. Beiske selbst beschränkte sich inzwischen auf das Stückeschreiben und die Bühnengestaltung, wobei letzteres seinem eigentlichen Beruf als Bühnenmaler entsprach.

Sein bodenständig deftiger westfälischer Menschenschlag und sein goldiger Humor halfen ihm manches Schwere in seinem Leben, wie persönliche Rückschläge und gesundheitliche Probleme gegen Ende der 1950er Jahre, leichter zu überwinden. Hinzu kamen seine beiden großen "Lieben". Zunächst die zu seiner Heimatstadt Münster, für die er sich auch als Touristenführer betätigte und die er später einige Zeit in Münsters "höchstem Amt" des Türmers von St. Lamberti auslebte. Gleichzeitig seine Begeisterung für die plattdeutsche Sprache und die Freude am Schaffen als Heimatdichter und Bühnenbildner, sozusagen ein Maler in Schrift und Bild zu sein. Daneben war er für den Westdeutschen Rundfunk tätig und brachte sein reines und kerniges Platt in Hörspielen und im Schulfunk ein. Auch die münsterischen Originale Franz Essink, Kiepenkerl und Toller Bomberg wurden bei den verschiedensten Gelegenheiten von ihm in der traditionellen Gewandung und mit den bekannten humorvollen Sprüchen und "Döhnekes" von ihm dargestellt, bis er zuletzt selbst in seiner Heimatstadt, zumindest aber in Gremmendorf, als Original angesehen wurde.

Mit seinem Frohsinn und seinem unverwechselbaren deftigen Humor hat er vielen Menschen große Freude bereitet und mit seinen Stücken einen wertvollen Beitrag zur Pflege und Erhaltung der plattdeutschen Sprache geleistet. Dieser Einstellung entsprach er bis zu seinem frühen Tod im Jahre 1960, als er bei einem Besuch des Gremmendorfer Pastors am Tage vor seinem Hinscheiden im St. Franziskus-Hospital diesem erklärte: 'No goh ik nich aff und wenn, dann sinn hier in Huse viell Lü, de mi de Hufiesen affrieten könnt.'

Ihm zur Ehre und seinem Gedenken spielte die Niederdeutsche Heimat-Bühne im Jahre darauf sein letztes großes plattdeutsches Theaterstück 'Verscheidene Standpünkte'.

Autor: Paul-Jürgen Hertiger, Vizepräsident, Chronist und Archivar der K.-G. Pängelanton
 

  • Lexikon Westfälischer Autorinnen und Autoren   Franz Beiske

 

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