Stadt Münster: Vermessungs- und Katasteramt - Straßenname: Gumprichstraße

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Straßennamen in Münster

Bedeutungen und Hintergründe


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Gumprichstraße

Stadtbezirk   Münster-West
Statistischer Bezirk   Gievenbeck
Lage  im Stadtplan

Entstehung   2020   07.05.2020
Amtsblatt   23/2020   21.08.2020
Übersichtsplan

Foto vergrößernSechs Stolpersteine zur Erinnerung an Familie Gumprich vor dem Haus Südstraße 44

Benannt nach der Familie Gumprich. Das jüdische Ehepaar Irma und Albert Gumprich wurde mit seinen vier Kindern 1943-45 in den KZ Auschwitz und Buchenwald ermordet.


 


Albert Gumprich *19.4.1892 in Borghorst, kam um 1920 nach Münster und übernahm die Pferde- und Viehhandlung seines späteren Schwiegervaters Levy Nathan, Wolbecker Straße A 3 (heute Schaumburgstraße 3).


1921: Das Ehepaar Irma und Albert Gumprich vergrößern1921: Das Ehepaar Irma und Albert Gumprich (Slg. Möllenhoff / Schlautmann-Overmeyer)

Mit seiner Ehefrau, die er 1922 geheiratet hatte, wohnte er bis nach dem Novemberpogrom 1938 Kanalstraße 20.
Diskriminierungen seit Beginn der Naziherrschaft führten zu einem starken Umsatzrückgang. Die Einziehung des Wandergewerbescheins zum 30.9.1938 bedeutete den Verlust der Existenz. Ein Antrag auf Verlängerung des Gewerbes und die Sondierung von Auswanderungsmöglichkeiten zogen die Sperrung des Vermögens nach sich. Wahrscheinlich erfolgte nach der Pogromnacht eine Inhaftierung im Polizeigefängnis, wie sie von ca. 60 männlichen Juden Münsters bezeugt ist.
Auf Drängen gab Albert Gumprich am 24.11.1938 Brasilien als Auswanderungsziel an. Am 2.1.1939 erfolgte der Umzug zur Südstraße 44. Nach der Auswanderung des jüdischen Hausbesitzers fand die Familie Unterkunft im Judenhaus Hermannstraße 44.
An Reinvermögen waren nach dem Verkauf von vier mit Hypotheken belasteten Grundstücken und Abzug der Judenvermögensabgabe am 3.11.1939 noch rund 5.000 Reichsmark zum Lebensunterhalt übrig, bei monatlichen Ausgaben von mindestens 395 Reichsmark für einen fünfköpfigen Haushalt (Miete und Lebensunterhalt). Albert Gumprich war als Tiefbauarbeiter beschäftigt und wegen seines jüngsten Kindes, eines Säuglings, vom ersten Transport nach Riga am 13.12.1941 zurückgestellt.

Irma Gumprich geb. Nathan *1.5.1898 in Münster, erklärte am 24.9.1938 auf behördliche Befragung bzgl. ihrer Auswanderungsabsicht, dass sie mit ihrer Familie auswandern wolle, wenn es eine Möglichkeit gebe. Daraufhin wurde eine Sicherungsanordnung erlassen und der Verkauf ihres Erbteils, Ackerland in Gievenbeck, von der Erlaubnis der Devisenstelle abhängig gemacht. Dieses musste auf Anordnung der Oberfinanzdirektion nach dem Novemberpogrom am 24.11.1938 zum Siedlungswert verkauft werden.


Foto vergrößern1937: Rudi Gumprich (Slg. Möllenhoff / Schlautmann-Overmeyer)

Rudolf (Rudi) Gumprich *26.12.1923 in Münster, war bis 1938 Schüler der jüdischen Volksschule und 1934 Mitglied im Bund Deutsch-Jüdischer Jugend. 1939 erzielte er mit seiner Arbeit einen höheren Verdienst als sein Vater. Sein zu versteuerndes Jahreseinkommen lag bei 900 Reichsmark. Er verzog 1940 nach Köln, um in einem Handwerk ausgebildet zu werden und erlernte das Schweißen. Am 25.2.1941 erlitt er beim Sturz von einer Brücke schwere Verletzungen und kam in ein Krankenhaus in Köln. Mitte 1941 hielt er sich einen Monat lang in Münster bei den Eltern, Hermannstraße 44, auf, ging aber zurück nach Köln, bevor er am 5.10.1941 endgültig nach Münster zurückkehrte. Er war ursprünglich für die erste Deportation am 13.12.1941 vorgesehen, wurde dann jedoch zurückgestellt.


Foto vergrößern1939: Ruth-Marianne Gumprich (Slg. Möllenhoff / Schlautmann-Overmeyer)

Ruth-Marianne Gumprich *12.8.1925 in Münster, war Schülerin der jüdischen Schule in Münster und wie ihr Bruder Mitglied im Bund Deutsch-Jüdischer Jugend. Sie schrieb einer emigrierenden Freundin am 29.3.1939 ins Poesiealbum: "Der Mensch ist frei, und würde er in Ketten geboren" (Schiller).


Foto vergrößern1940: Sonja-Emma Gumprich (Slg. Möllenhoff / Schlautmann-Overmeyer)

Sonja-Emma Gumprich *9.11.1928 in Münster war ebenfalls Schülerin der jüdischen Schule in Münster.

 

Die Zwillinge Uri und Dan Gumprich wurden am 4.3.1940 im münsterischen Franziskus-Hospital geboren. Dan Gumprich starb dort mit rund sieben Wochen.

 

Am 27. Januar 1942 wurden Albert und Irma Gumprich mit ihren vier Kindern Rudi, Ruth-Marianne, Sonja-Emma und Uri ins Ghetto Riga deportiert. Albert Gumprich kam am 10. Juni 1942 dort um.

Irma Gumprich gelang es trotz Schreibverbots diese Nachricht an ihre Schwester zu übermitteln. Bei Auflösung des Ghettos Riga am 2.11.1943 wurde Irma Gumprich mit ihren Kindern Ruth-Marianne (18), Sonja-Emma (15) und Uri (3 1/2 Jahre alt) ins Vernichtungslager Auschwitz deportiert und dort ermordet.

Rudi Gumprich wurde bei Heranrücken der russischen Front am 10.8.1944 von Riga per Frachtschiff in das KZ Stutthof bei Danzig verlegt. Sechs Tage später wurde er zusammen mit anderen Münsteranern in das KZ Buchenwald überstellt und von dort in ein Außenlager nach Bochum geschickt, wo er in der Rüstungsindustrie (Eisen- u. Hüttenwerke oder Verein Gußstahl) arbeiten musste. Am 3.3.1945 gelangte er zurück ins KZ Buchenwald in den Krankenbau-Todesblock. Er starb dort am 8.3.1945, vier Wochen vor der Befreiung am 11.4.1945.

das Buch von Gisela Möllenhoff und Rita Schlautmann-Overmeyer: Jüdische Familien in Münster - 1918 - 1945 - Biographisches Lexikon

vergrößerndas Lexikon

Quelle: Gisela Möllenhoff und Rita Schlautmann-Overmeyer, Jüdische Familien in Münster 1918 bis 1945, Teil 1: Biographisches Lexikon, Münster 2001




 

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Fax 02 51/4 92-77 55
 
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