Seiteninhalt
Ans Licht geholt. Arbeiten auf Papier von Leo Burgholz
Leo Burgholz in einem Atelier. Foto aus Privatbesitz © Stadtmuseum Münster
29. Mai bis 6. September 2026
Das Stadtmuseum Münster präsentiert ab dem 29. Mai erstmals Werke des Künstlers Leo Burgholz, der seit 1939 über viele Jahre hinweg Kanzler der Künstlervereinigung Schanze gewesen war. Die bislang unbekannten Werke sind eine Schenkung aus Familienbesitz. Durch die Übernahme zahlreicher Arbeiten aus seinem Nachlass kann das Museum einen bislang unbekannten Werkkomplex des Malers und Grafikers erschließen. Dies ist ein bedeutender Zugewinn nicht nur für die eigene Sammlung, sondern auch für die Erforschung der münsterischen Kunst- und Stadtgeschichte.
Die neu gesicherten Arbeiten eröffnen einen differenzierten Blick auf das Schaffen Leo Burgholz’, der seit 1924 regelmäßig in den Westfälischen Kunstausstellungen vertreten war. Das Stadtmuseum Münster würdigt ihn nun als eine zentrale Figur der regionalen Kunstentwicklung, deren Bedeutung bislang nicht ausreichend berücksichtigt wurde.
Leo Burgholz wurde 1892 in Warendorf geboren und studierte von 1913 bis 1919 an der Kunstgewerbeschule Düsseldorf bei Lothar von Kunowski. Ab 1920 wirkte er als Zeichenlehrer am Johann-Conrad-Schlaun-Gymnasium in Münster und prägte dort Generationen von Schülerinnen und Schülern. Sein bekanntester Schüler war der Künstler Wilhelm Imkamp, der sich in der abstrakten Kunst etablierte: Zwei seiner Werke sind in Kabinett 33 des Stadtmuseums ausgestellt. Im Schulunterricht ging Leo Burgholz weit über die reine Technikvermittlung hinaus, denn er brachte seinen Klassen die Strömungen der Gegenwartskunst nahe.
Dazu gehörte die innovative Kunstströmung der Neue Sachlichkeit, die die Zeit der Weimarer Republik prägte und sich durch eine nüchterne, präzise und oft schonungslos realistische Darstellung der Wirklichkeit auszeichnet. Künstlerinnen und Künstler dieser Richtung richteten ihren Blick auf den Alltag, auf soziale Realitäten und unspektakuläre Motive – jedoch mit neuer Klarheit und kritischer Distanz. Auch Leo Burgholz griff diese Perspektive auf und übertrug sie in eine eigenständige Bildsprache. In großformatigen Arbeiten zeigte er beispielsweise seine Ehefrau am Spülbecken oder einen Mann beim Schneiden einer Wurst.
Die Ausstellung präsentiert zudem Szenen von Menschen bei der Arbeit in der Industrie sowie Landschaftsdarstellungen in der Technik des Silberstifts, einer historischen Zeichentradition. Mit der Präsentation dieses Nachlasses leistet das Stadtmuseum Münster einen wichtigen Beitrag zur Aufarbeitung der lokalen Kunstgeschichte in den 1920er- und 1930er-Jahren und stellt einen langen übersehenen Künstler vor.


