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Grafik im Dialog. Ursprung und Positionen aus Münster
© Stadtmuseum Münster
© Stadtmuseum Münster
20. März bis 13. September 2026
Die Ausstellung im Stadtmuseum
Künstlerische Grafik bietet in dieser Ausstellung einen Raum für Experimente und neue Fragestellungen, in dem Prozesse sichtbar werden und sich Bildtraditionen überprüfen und weiterdenken lassen.
Die hier vertretenen elf Künstlerinnen und Künstler sind durch zwei Aspekte in ihrer Kunst miteinander verbunden: Sie stehen der Aldegrever-Gesellschaft e. V. nahe und haben ihren künstlerischen Ausgangspunkt an der Fachhochschule Münster. Prägend waren die grafischen Lehrkonzepte von Rolf Escher und Wolfgang Troschke, die seit 1976 über mehrere Jahrzehnte an der Fachhochschule Münster lehrten. Sie verstanden Grafik nicht als abgeschlossenes Ergebnis, sondern als Denk- und Arbeitsprozess. Damit prägten sie eine Generation von Künstlerinnen und Künstlern. Viele von ihnen wurden später durch die Aldegrever-Gesellschaft e. V. gefördert und sind heute national wie international tätig, zahlreiche auch selbst in der Lehre.
Die Ausstellung bringt Druckgrafiken, Zeichnungen und konzeptuelle Serien zusammen. Was zuvor für sich stand, tritt hier in Beziehung: Formen wiederholen sich, verändern sich und greifen ineinander. Inhalte antworten aufeinander, Gedanken werden weitergeführt.
Linien, Flächen, Schrift und Farben stehen im Austausch – über die von Rolf Escher und Wolfgang Troschke geprägten Generationen hinweg. Seit Beginn ihrer Lehrtätigkeit 1976 setzt sich dieser Dialog bis in die Gegenwart fort. Gemeinsamkeiten werden ebenso sichtbar wie individuelle Handschriften. Ideen werden aufgegriffen, weiterentwickelt und in neue Zusammenhänge überführt.
Im Zentrum aller Arbeiten steht eine gemeinsame Haltung zur Grafik: Präzision im Detail, Offenheit für neue Perspektiven und die Bereitschaft zum Dialog. Die Ausstellung würdigt eine lebendige Tradition, die in Münster ihren Ausgang nahm und bis heute fortwirkt.
An der Ausstellung beteiligt sind Udo Achterholt, Elke Ehninger, Rolf Escher, Richard Helbin, Markus Lörwald, Hans Jörg Rothenpieler, Daniela Schlüter, Mathes Schweinberger, Gintarė Skroblytė, Jochen Stücke und Wolfgang Troschke.
Die Aldegrever-Gesellschaft e.V.
Die Aldegrever-Gesellschaft e.V. blickt auf eine 85-jährige Tradition in der Förderung der Druckgrafik zurück. Gegründet wurde sie auf Initiative des Künstlers Hermann Kätelhön, der sich mit großem Engagement für die gesellschaftliche wie künstlerische Bedeutung der Grafik einsetzte. Sein Anliegen war es, der Druckkunst eine eigenständige Plattform zu geben — als Medium zwischen künstlerischer Innovation, handwerklicher Präzision und kultureller Vermittlung.
Bis heute fühlt sich die Gesellschaft diesem Gründungsgedanken verpflichtet. Benannt nach dem bekanntesten Kupferstecher Westfalens aus dem 16. Jahrhundert, Heinrich Aldegrever, verbindet sie historisches Bewusstsein mit einem klaren Fokus auf die Gegenwart. Druckgrafik versteht die Aldegrever-Gesellschaft e.V. nicht als reproduzierendes Beiwerk, sondern als eigenständiges künstlerisches Ausdrucksfeld mit experimentellem Potential.
Die Aldegrever-Gesellschaft e.V. initiiert Ausstellungen, Editionen und Publikationen, vergibt Förderungen und begleitet künstlerische Produktionsprozesse. Dabei stehen etablierte Künstlerinnen und Künstler ebenso im Dialog mit jüngeren künstlerischen Stimmen. Klassische Techniken wie Radierung, Lithografie oder Holzschnitt treten in Austausch mit fotografischen, digitalen und hybriden Verfahren unserer Zeit.
Das zentrale Anliegen der Gesellschaft ist es, Netzwerke zu schaffen: zwischen Künstlerinnen und Künstlern, Werkstätten, Museen, Sammlungen und einer interessierten Öffentlichkeit. Jahresgaben, Sondereditionen und Veranstaltungsformate ermöglichen unmittelbare Begegnungen mit dem Medium Druckgrafik.
So versteht sich die Aldegrever-Gesellschaft e.V. heute als aktives Forum für grafische Kunst — getragen von ihrer Geschichte, offen für neue Entwicklungen und dem Anspruch verpflichtet, die Vielfalt und Relevanz der Druckgrafik in Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft sichtbar zu machen.


