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Lia Darjes - Plates I-XXXI
Blick auf Plates XXI von Lia Darjes im Ausstellungsraum. © Stadtmuseum Münster
21. Februar bis 26. April 2026
Für ihre Serie Plates I-XXXI arrangiert Lia Darjes eine Versuchsanordnung, ein Experiment um das Thema Stillleben.
In einem Garten oder auf einer Terrasse installiert sie eine hochwertige Kamera, die einen Tisch in den Fokus nimmt. Dieser Tisch wird mit verschiedenen Gegenständen versehen. Es sind Hinterlassenschaften geselliger Runden mit Freunden: Gestapeltes Geschirr, halbgefüllte Gläser oder auch benutzte Transportgefäße sind auf dem Tischtuch von der Künstlerin arrangiert. Krümmel der Mahlzeit oder auch kleine Mengen Obst liegen auf der Tischoberfläche. Diese Überreste menschlicher Mahlzeiten ziehen Tiere aller Arten an: Insekten, Schnecken, Käfer, aber auch Vögel und Waschbären oder Eichhörnchen. Dieses Arrangement wird über Nacht, meist auch über Tage im Garten den tierischen Mitbewohnern überlassen. Die wetterfest eingepackte Kamera hat Lia Darjes mit einem Bewegungsmelder versehen, sodass die Besucher am Tag oder in der Nacht ein Foto mit Blitzlicht auslösen. Durch das sogenannte Day-for-Night-Verfahren (auch als amerikanische Nacht bezeichnet) wird den Betrachtenden der Eindruck vermittelt, dass die Fotos immer in der Nacht entstanden sind. Der Garten mit seinen Gewächsen ist im abgedunkelten Hintergrund noch zu erahnen. Die intensive Farbigkeit und Schärfe der abgebildeten Gegenstände und Tiere kommt durch das Blitzlicht zustande, mit dem die Aufnahmen gemacht werden. Dadurch entsteht eine verdichtete Atmosphäre.
Innerhalb von vier Jahren zwischen 2020 und 2024 sind tausende von Bildern entstanden, von denen nur sehr wenige in die Serie Plates aufgenommen wurden. In Assoziation mit alten Abbildungswerken ist der Titel der Serie entstanden, der darüber hinaus auch auf das Tafeln, die Essensaufnahme, verweist.
Während Darjes die „Bühne“ für diese Bilder herrichtet, ist der Hauptaspekt der Zufall: „Die Gedecke auf dem Gartentisch werden durch mein Eingreifen zur Grundlage eines Stilllebens. Nachdem ich gegangen bin, bleibt eine Kamera als passiver Beobachter für einige Stunden oder ganze Tage zurück. Sie wird durch Bewegung ausgelöst, wenn Vögel oder wilde Tiere den Tisch besuchen. Auf diese Weise entstehen Bilder, bei denen nicht klar ist, ob es sich um eine dokumentierte Szene oder ein arrangiertes Stillleben handelt. Ich finde es faszinierend, das Inszenierte und das Zufällige in einem Bild zu verbinden.“
Plates ist eine halbdokumentarische Stilllebenstudie, die sich der Grauzone zwischen den Lebensräumen von Menschen und Wildtieren widmet, erklärt die Künstlerin. „Meine fotografische Arbeit hat immer einen dokumentarischen Charakter. Ich finde es reizvoll, die Grenzen der Dokumentarfotografie auszuloten und die Erfahrung des Betrachters beim Fotografieren vorwegzunehmen“, erklärt Lia Darjes ihre Arbeitsweise.
Zur der Serie Plates I–XXXI ist 2024 eine Monografie erschienen, die im Museumsshop des Stadtmuseums erhältlich ist.
Biographie
Geboren 1984 in Berlin, lebt Lia Darjes in Hamburg. Sie studierte Fotografie an der HAW Hamburg bei Prof. Ute Mahler. Von 2012 bis 2017 war sie Mitglied der Pariser Fotoagentur Picturetank. In dieser Zeit arbeitete sie vor allem als Fotojournalistin im Auftrag sowie an freien dokumentarischen Projekten. Dabei setzte sie sich häufig mit Fragen medialer Repräsentation auseinander und verfolgte den Anspruch, etablierte visuelle Stereotype zu hinterfragen und aufzubrechen.
Parallel dazu assistierte Lia Darjes im Archiv des Fotografen Ludwig Schirmer, der in der DDR als Werbefotograf bekannt geworden war. Von 2016 bis 2018 nahm sie als Tutorin an der Ostkreuzschule für Fotografie in Berlin in der Meisterklasse von Prof. Ute Mahler und Ingo Taubhorn teil. Bekannt wurde die daraus entstandene Arbeit Tempora Morte, die sie 2018 in Buchform veröffentlichte.
Sie wird von der Galerie Robert Morat in Berlin vertreten. Seit 2018 ist sie als Dozentin tätig, und seit 2023 leitet sie gemeinsam mit Jörg Brüggemann die Ostkreuzschule.
2024 erschien ihre Monografie zur Serie Plates I-XXXI.


