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Münsters Malerinnen zwischen Biedermeier und Expressionismus
8. Mai bis 20. September 2026
Die Sonderausstellung rückt erstmals Künstlerinnen in den Mittelpunkt, die im 19. Jahrhundert in Münster geboren wurden oder dort aufgewachsen sind. Die Schau ist der zweite Teil der auf große Resonanz gestoßenen Ausstellungsreihe zu Münsters Malerinnen vom 18. bis zum frühen 20. Jahrhundert und ist bis zum 20. September im Ausstellungsraum im Erdgeschoss des Stadtmuseums zu sehen.
Zwischen Biedermeier und Expressionismus
Im Fokus stehen 17 Künstlerinnen, die zwischen etwa 1830 und 1940 in Münster als Malerinnen, Zeichnerinnen und Grafikerinnen tätig waren. Die Ausstellung unternimmt erstmals den Versuch, ihr Leben und ihr künstlerisches Schaffen nachzuzeichnen. Dies stellt eine besondere Herausforderung dar, da weder schriftliche Quellen noch Werke zu allen Künstlerinnen überliefert sind. Trotz jahrelanger Recherchen konnten nur zu zwölf Künstlerinnen Arbeiten ermittelt werden.
Fünf Künstlerinnen bleiben weiterhin weitgehend im Dunkeln: Elisabeth Breimann (1836–1887), Elisabeth Müser (1857–1921), „Fräulein“ (Anna, Marie oder Else) Steinbeck, Julie Schörnich (1866–1929) sowie Elisabeth Starke (1896–1985). Museumsdirektorin Dr. Barbara Rommé sieht darin jedoch auch eine Chance: „Die fehlenden Werke und biografischen Lücken machen auf bislang unbeachtete Leerstellen in der münsterischen Stadtgeschichte aufmerksam. Es wäre ein großer Gewinn, wenn Besucherinnen und Besucher dem Stadtmuseum weitere Hinweise und Informationen zur Verfügung stellen könnten.“
Trotz offener Fragen lassen sich drei zentrale Gemeinsamkeiten feststellen: Die Künstlerinnen waren zu Lebzeiten bekannt, nahmen häufig erhebliche persönliche und finanzielle Einschränkungen für ihre Kunst in Kauf und gerieten nach ihrem Tod rasch in Vergessenheit. Die Ausstellung lädt dazu ein, ihre Werke und Biografien neu zu entdecken und im gemeinsamen Kontext zu erleben.
Zu den Künstlerinnen
Viele Werke stammen aus Privatbesitz und konnten erst durch die langjährigen Recherchen des Ausstellungsmachers Dr. Bernd Thier ausfindig und nun für die Öffentlichkeit sichtbar gemacht werden. Ergänzt wird die Ausstellung durch Leihgaben, unter anderem aus dem Bischöflichen Palais Münster und dem städtischen Rathaus. Von beiden Institutionen erhielten einige Malerinnen wichtige Aufträge.
Die präsentierten Arbeiten stammen aus verschiedenen Stilepochen – vom Biedermeier bis zum Expressionismus – und verdeutlichen eine über 110 Jahre andauernde künstlerische Tätigkeit in Münster. Auffällig ist die hohe Anzahl der Porträt- und Landschaftsdarstellungen, was sowohl auf deren anhaltende Beliebtheit als auch auf die Auftragslage in Münster hinweist. Zugleich zeigt sich, wie sicher die Künstlerinnen die jeweils zeitgenössischen Stilrichtungen beherrschten.
Die Künstlerinnen werden in der Ausstellung unter ihren Geburtsnamen vorgestellt. Einerseits blieben einige unverheiratet, andererseits mussten viele verheiratete Malerinnen ihre künstlerische Tätigkeit nach der Eheschließung aufgeben. Zu sehen sind unter anderem Biedermeier-Familienporträts von Sophie Wenning (1803–1864), Porträts bekannter Persönlichkeiten von Marianne Wagener (1839–1928) und Agnes Sprickmann-Kerkering (1840–1919) sowie ein Stillleben von Elise Michelis (1805–1861). Ergänzt wird die Ausstellung durch Gemälde von Laura Schaberg (1860–1935) und Johanna Helfferich (1881–1954), Landschaftsdarstellungen von Luise von der Forst (1874–1946), Alma Gürtler (1886–1967) und Sophia Hundt (1838–1915) – Tochter des ersten Fotografen Westfalens, Friedrich Hundt – sowie expressionistische Zeichnungen von Christel Runne (1894–1981). Grafische Arbeiten im Jugendstil, darunter Exlibris von Annie Coppenrath (1881–1971) und Martha von Viebahn (1865–1955), runden die Präsentation ab.
Die aufwendige Recherche und die Zusammentragung der zahlreichen Werke wäre ohne die Unterstützung des Fördervereins Stadtmuseum Münster e.V. nicht möglich gewesen.
Begleitprogramm zur Ausstellung
Ein vielseitiges Begleitprogramm ermöglicht vertiefende Einblicke in die Biografien der Künstlerinnen. Die erste öffentliche Führung findet am 16. Mai um 16 Uhr statt. Ausstellungsmacher Dr. Bernd Thier gibt dabei einen Überblick über die Ausstellung und berichtet von den Herausforderungen der Recherche.
Am 23. Juni um 18 Uhr folgt ein Vortrag mit Dr. Bernd Thier über die einst bewunderten und heute vergessenen Malerinnen aus Münster. Die Veranstaltung findet in Kooperation mit dem Verein für Geschichte und Altertumskunde Westfalens im Stadtmuseum statt und ist kostenfrei.
Katalog zur Ausstellung
Seit 2018 erforscht das Stadtmuseum Münster die Rolle von Malerinnen im lokalen Kunstbetrieb zwischen dem 18. und frühen 20. Jahrhundert. Die Ergebnisse fließen in die bis 2028 angelegte Ausstellungsreihe sowie in den neu erschienenen Begleitband „Münsters Malerinnen – einst bekannt und heute vergessen“ ein.
Die Rekonstruktion der Lebenswege gleicht häufig einer aufwendigen Spurensuche. Viele Künstlerinnen waren zu Lebzeiten anerkannt, gerieten jedoch später in Vergessenheit. Dank moderner Recherchemöglichkeiten konnten inzwischen zahlreiche Werke und Biografien wiederentdeckt werden. Der reich bebilderte Band präsentiert über 70 Gemälde, Aquarelle, Zeichnungen und Grafiken. Zudem beleuchtet er die Rolle des Westfälischen Kunstvereins als Förderer sowie das Phänomen kunstsammelnder Künstlerinnen.
Das Buch ist im Aschendorff Verlag erschienen und im Museumsshop des Stadtmuseums Münster sowie im Buchhandel für 24 Euro erhältlich.


