Seiteninhalt
Das Stammbuch der Marianne von Gallitzin
Einblick ins Stammbuch. © Stadtmuseum Münster
© Stadtmuseum Münster
16. Januar bis 15. Februar
Das Stammbuch der adligen Marianne von Gallitzin (1769–1823) ist erstmals bis zum 15. Februar im Stadtmuseum Münster zu sehen. Dank der Unterstützung des Fördervereins Stadtmuseum Münster e. V., der Kunststiftung NRW und der Kulturstiftung der Länder konnte das außergewöhnliche Objekt im vergangenen Jahr erworben werden.
Museumsdirektorin Dr. Barbara Rommé zeigt sich erfreut: „Das Stammbuch der Marianne von Gallitzin zeugt von einer einzigartigen Zeit in Münster und ergänzt die Sammlung des Stadtmuseums auf hervorragende Weise.“
Das Stammbuch enthält Einträge bedeutender Intellektueller und Geistlicher aus dem Umfeld von Mariannes Mutter, Amalie von Gallitzin (1748–1806). Darunter befand sich auch der international bekannte Dichter Johann Wolfgang von Goethe – wie das Stammbuch zeigt. Insgesamt umfasst das Buch 41 handschriftliche Einträge aus den Jahren 1787 bis 1794.
Besondere Bedeutung erhält das Stammbuch durch seine vermutete Provenienz: Es wird angenommen, dass es einst Teil der Autographensammlung der Münsteranerin und Schriftstellerin Annette von Droste-Hülshoff (1797–1848) war. Zwischen den Familien Gallitzin und Droste-Hülshoff bestanden verwandtschaftliche Beziehungen, was diese Annahme zusätzlich stützt und dem Objekt eine herausragende regionale Dimension verleiht.
Darüber hinaus ragt das Stammbuch des Stadtmuseums in besonderer Weise hervor, da es von einer Frau geführt wurde. Stammbücher aus der Zeit der Aufklärung sind zwar zahlreich überliefert, doch weibliche Besitzerinnen wie Marianne von Gallitzin sind äußerst selten. Gerade deshalb stellt dieses Stammbuch eine außergewöhnliche kulturhistorische Quelle dar, die neue Perspektiven auf weibliche Bildungs-, Netzwerk- und Erinnerungskulturen um 1800 eröffnet.
Über eine digitale Präsentation können Besucherinnen und Besucher das Stammbuch durchblättern und die Einträge im Detail erleben. Neben Goethe haben sich unter anderem der Dichter Matthias Claudius, die Schriftstellerin Sophie von La Roche sowie westfälische Adelige und geistliche Würdenträger aus Mainz und Köln darin verewigt.


