Newsdetail

Eröffnung der 15. Jüdischen Kulturtage Münster 2026

Europäischen Kulturen sind seit Jahrhunderten untrennbar mit den Einflüssen jüdischer Kultur verwoben. Die jüdischen Kulturtage in Münster, die in diesem Jahr zum 15. Mal stattfinden, legen den Fokus auf jüdisches Leben in Italien.  

Dunkelhaarige Frau, Donatella Giancone-Schneider
Bildrechte: Ludger_F.J. Schneider

Kunsthistorikerin Dr. Donatella Giancone-Schneider

Kleiner Junge mit Vater in KZ-Lagerkleidung
Bildrechte: D.R.

Vater spricht mit Sohn im Konzentrationslager

Kurzhaariger Mann mit Brille und weißem Hemd mit dunkler Weste
Bildrechte: Ellen Bornkessel

Stephan Schäfer studierte an der Hochschule für Musik und Theater in Hannover sowie an der Bremer Hochschule für Künste.

Zwei blonde Frauen betrachten selbstgebackenes weißes Brot
Bildrechte: privat

Interkulturelle Rezepte backt und kocht Elke Schmitz (re.).

Zwischen venezianischen Gassen, literarischen Reiseerzählungen, politischem Engagement und kulinarischen Traditionen öffnet sich eine reiche und vielschichtige Geschichte. Die Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit Münster und die vhs laden dazu ein, diese Welt zu entdecken und italienisch-jüdische Kultur aus neuen Perspektiven kennenzulernen.  Die Eröffnung ist am Dienstag, 14. April, um 19 Uhr im vhs-Forum. Der Eintritt ist frei. Kunsthistorikerin Dr. Donatella Chiancone-Schneider illustriert die spezielle Situation der Juden in Venedig vom Mittelalter bis zur Moderne.

Die Veranstaltungen der diesjährigen jüdischen Kulturtage eröffnen lebendige Zugänge zu Geschichte und Gegenwart jüdischen Lebens in Italien. Sie führen in das jüdische Venedig, erzählen von mutigen Frauen der italienischen Frauenbewegung, lassen Heinrich Heines Italienreise erklingen und machen die Aromen der jüdisch-italienischen Küche erfahrbar. Der mehrfach Oscar-prämierte Filmklassiker „Das Leben ist schön“, erinnert daran, wie eng Kultur, (Un-)Menschlichkeit und Geschichte miteinander verbunden sind. 

Eröffnung der 15. Jüdischen Kulturtage

Aspekte des jüdischen Lebens in Venedig zwischen Geschichte und Fiktion

In der Lagunenstadt änderten sich die Lebens- und Arbeitsbedingungen der jüdischen Gemeinde von Epoche zur Epoche stark. Die Rolle des jüdischen Ghettos (16. bis 19. Jahrhundert) wird anhand von historischen Fakten erläutert; Auch “Der Kaufmann von Venedig” von William Shakespeare hat die jüdische Geschichte zur Vorlage genommen. Der Vortrag von Dr. Donatella Giancone-Schneider ist medial aufwändig gestaltet und zeigt unter anderem Kunst und Kunsthandwerk aus dem venezianischen Judenviertel, von den kleinsten kostbaren Manufakten bis zu den spektakulären Synagogen, sowie vielfältige Darstellungen der kontroversen Shylock-Figur aus dem Shakespeare-Drama in der Malerei, Bildhauerei und Grafik, welche dessen wandelnde Wahrnehmung im Laufe der Zeit eindrucksvoll veranschaulichen.

Eintritt frei. Um Anmeldung wird gebeten.

Weiteres Programm im April und Mai 2026

Film: Das Leben ist schön

Buch und Regie: Roberto Benigni

Italien 1939: Guido Orefice, Clown und Lebenskünstler, unterhält einen Buchladen, dem jedoch aufgrund der inzwischen in Kraft getretenen Rassengesetze die Kundschaft fehlt, denn Guido ist Jude. Als Guido, sein Onkel und der kleine Giosuè von Deutschen verschleppt werden, lässt sich seine Frau freiwillig ebenfalls ins Konzentrationslager deportieren. Dort angekommen, „erklärt“ Guido seinem Sohn das Lagerleben als ein großes Spiel, indem es für den Kleinen vor allem darum gehe, durch die Lageraufseher nicht entdeckt zu werden. Mit zahlreichen Geistesblitzen und grotesken Manövern gelingt es Guido, Giosuè zu verstecken und die Illusion des Spiels aufrecht zu erhalten.

Tickets nur über das Schloßtheater Münster erhältlich

Jüdinnen in der italienischen Frauenbewegung

Jüdische Frauen beteiligten sich zahlreich in der italienischen Frauenbewegung des 19. und 20. Jahrhunderts. Mit ihrem Engagement für die Rechte von Frauen setzten sie den Kampf ihrer Väter für die italienische Einheit und die damit verbundene Judenemanzipation fort. Der Faschismus jedoch erstickte den Aufbruch italienischer Jüdinnen im Keim. Der Vortrag schildert die Spannungen des Emanzipationsprozesses zwischen Partizipation und antijüdischer Anfeindung sowie die Entrechtung und Verfolgung während der faschistischen Diktatur aus der Sicht jüdischer Feministinnen. Trotz ihres bedeutenden Einflusses auf die transnationale Orientierung der italienischen Frauenbewegung blieb ihre Emanzipation als Frauen und Jüdinnen unvollkommen.
Privatdozentin Dr. Ruth Nattermann ist Leiterin des DFG-Projekts „Transnationaler Humanitarismus und Flüchtlingspolitik im Zeitalter der Weltkriege“ am Research Centre Global Dynamics der Uni Leipzig und Privatdozentin für Neuere und Neueste Geschichte an der LMU München. Ihre Forschung und Publikationen konzentrieren sich auf die europäische und europäisch-jüdische Geschichte des 19. bis 21. Jahrhunderts in transnationalen und globalen Zusammenhängen.

Eintritt frei. Um Anmeldung wird gebeten.

Heinrich Heine: Reise von München nach Genua

LiteraturKonzert mit Stephan Schäfer (Rezitation) und Roman Sayutov (Klavier)

„Hier in Italien ist es ja so schön, das Leiden selbst ist hier so schön, in diesen gebrochenen Marmorpalazzos klingen die Seufzer viel romantischer als in unseren netten Ziegelhäuschen.“ Heinrich Heine
Heinrich Heine unternahm wie viele andere Schriftsteller vor ihm eine Reise nach Italien. Die Reiseberichte hatten im frühen 19. Jh. schon eine lange Tradition, aber mit Heines „Reisebildern“ erreichte die Reiseliteratur einen Höhepunkt. Begleiten Sie Stephan Schäfer und Roman Sayutov auf der Reise Heines von München nach Genua (1830). 

Karten erhalten Sie kostenlos. Bitte melden Sie sich an.

 

Spurensuche: Die Jüdische Küche Italiens

Elke Schmitz vermittelt nicht nur Rezepte und Zubereitungstechniken, sondern verbindet diese mit historischen Hintergründen und persönlichen Einblicken in ihre Erfahrungen mit der jüdischen Küche Italiens. Die Profiköchin bereitet mit Ihnen Gerichte des jüdischen Erbes in der italienischen Küche zu: Von Arance al Miele e Mandorle mit Labnehcreme, Carpaccio di Fichi“ bis hin zu Crespelle gefüllt mit Fisch oder frischen Gemüsen.

Bitte melden Sie sich an und kommen Sie in die Küche im Gesundheitshaus, Gasselstiege/Ecke Steinfurter Straße.