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Gekämpft und ausgegrenzt: Jüdinnen in der frühen italienischen Frauenbewegung

Ein Heim für Mädchen, die in die Prostitution abzurutschen drohten, das war ein Hauptprojekt der berühmtesten jüdischen Frauen-Aktivistin Nina Rignano Sullam aus Mailand (1971-1945). Sie porträtiert Privatdozentin Dr. Ruth Nattermann in ihrem Vortrag „Jüdinnen in der italienischen Frauenbewegung“ am Dienstag, 5. Mai, 19 Uhr, im vhs-Forum anlässlich der 15. Jüdischen Kulturtage mit dem Schwerpunkt Italien.

Frau mit langen dunklen Haaren
Bildrechte: privat

Dr. Ruth Nattermann, LMU München

Jüdische Frauen beteiligten sich zahlreich in der italienischen Frauenbewegung des 19. und 20. Jahrhunderts. Dass die faschistische Rassengesetzgebung des Jahres 1938 nicht das Ende einer idyllischen Integration, sondern den Höhepunkt einer langfristigen Entwicklung bildete, wird anhand der Untersuchung italienisch-jüdischer Akteurinnen in ihren Beziehungen zur nicht-jüdischen Mehrheitsgesellschaft eindrücklich demonstriert. 

Der Vortrag schildert die Spannungen des Emanzipationsprozesses zwischen Partizipation und antijüdischer Anfeindung sowie die Entrechtung und Verfolgung während der faschistischen Diktatur aus der Sicht jüdischer Feministinnen. Trotz ihres bedeutenden Einflusses auf die transnationale Orientierung der italienischen Frauenbewegung blieb ihre Emanzipation als Frauen und Jüdinnen unvollkommen. 

Dr. Ruth Nattermann forscht an der Uni Leipzig und ist Privatdozentin für Neuere und Neueste Geschichte an der Ludwig-Maximilian-Universität  München. Ihre Forschung und Publikationen konzentrieren sich auf die europäische und europäisch-jüdische Geschichte des 19. bis 21. Jahrhunderts in transnationalen und globalen Zusammenhängen. 

Ihre Habilitationsschrift "Jüdinnen in der frühen italienischen Frauenbewegung 1861-1945" (De Gruyter, 2020) wurde mit dem Preis „Geisteswissenschaften International“ ausgezeichnet und erschien 2022 in englischer Übersetzung..

Der Eintritt ist frei.