Jutta Jacobi präsentiert in ihrer Biografie die Regentin Kristina von Schweden.
Kristina von Schweden (1626–1689) regierte ein mächtiges Königreich, dankte freiwillig ab, konvertierte zum Katholizismus und begann ein neues Leben im Zentrum der römischen Barockwelt. Journalistin und Autorin Jutta Jacobi zeigt Kristina als politische Akteurin und intellektuelle Rebellin, als Frau, die sich weder in Rollenbilder noch in Konfessionen zwängen ließ – und die Europas Geschichte nicht nur regierte, sondern auch inspirierte.
In der Geschichtsschreibung zum Dreißigjährigen Krieg kommt Kristina von Schweden nur als Randnotiz vor: Dabei war sie es, die nach dem langen, verheerenden Krieg auf deutschem Boden als Einundzwanzigjährige ihre Gesandten antrieb, in Münster endlich Frieden zu machen. Die protestantischen Schweden verhandelten in Osnabrück (wo Schweden seine Delegation hatte), schließlich wurden die Verträge des Gesamtkongresses am 24. Oktober 1648 in Münster und Osnabrück unterzeichnet.
Der Westfälische Friede von 1648 wurde zwischen dem römisch-deutschen Kaiser Ferdinand III. (aus dem Haus Habsburg) und den Hauptgegnern König Ludwig XIV. von Frankreich (vertreten durch Gesandte) sowie der schwedischen Königin Kristina geschlossen. Am 24. Oktober zog die schwedische Delegation vor das Haus der Kaiserlichen in Münster und unterzeichnete und siegelte den zuvor in Osnabrück ausgehandelten Vertrag. Die gleiche Prozedur wiederholte sich vor dem schwedischen Quartier, anschließend unterzeichneten die übrigen Beteiligten.
„Die zeremoniöse Unterzeichnung dauerte nicht weniger als acht Stunden bis gegen neun Uhr am Abend, als Kanonen einen donnernden dreifachen Salut schossen, um zu verkünden, dass alles klar war. Es war Frieden“, beschreibt der schwedische Historiker Peter Englund das Ende des Krieges. Kristina unterzeichnete den Friedensvertrag am 24. Oktober 1648 formal aus der Ferne in Schweden, während ihre Gesandten die Urkunden vor Ort in Westfalen besiegelten. Ihr Konterfei ist zwar auf historischen Darstellungen und im Friedenssaal von Münster als beteiligte Monarchin zu sehen, sie war aber nicht persönlich in Münster.
Die Tochter des großen Gustav Adolf dankte nach zehn Jahren als Regentin ab und verließ ihr Land, um zum Katholizismus zu konvertieren. Nach Jahren des Reisens ließ sie sich in Rom nieder, wo sie als Kulturmäzenin die Operngeschichte des 17. Jahrhunderts entscheidend mitprägte. Als eine von wenigen Frauen ist sie im Petersdom begraben.
Zum 400. Geburtstag der „Königin ohne Land“ am 17. Dezember erschien im Mai Jutta Jacobis neue Biographie im Reclam-Verlag. Im Gespräch mit der Autorin ist die Geschichte einer Frau zu entdecken, die der damaligen Welt in ihrer Unruhe, ihrem Bedürfnis nach Aufmerksamkeit, ihrer Freiheitsliebe, Kreativität und Ich-Bezogenheit, vor allem aber in dem ständigen Bestreben, das Leben ausschließlich nach eigenen Maßstäben zu gestalten, einen Spiegel vorhielt.