Alexander Lifland an der Violine und Roman Salyutov am Flügel
In der konzertanten Lesung am Donnerstag, 5. November, 19 bis 20.45 Uhr, im vhs-Forum, Aegidiistr. 70, wird Dr. Roman Salyutov Auszüge aus dem in Europa wenig bekannten Meisterwerk vorlesen. Der virtuose Pianist leitet ein Symphonieorchester. Er ist in Leningrad geboren. Heute ist ihm die jüdische Kulturvermittlung ein wichtiges Anliegen. Auf der Geige begleitet Alexander Lifland mit ihm den literarisch-historischen Inhalt aus dem 19. und 20. Jahrhundert. Der Eintritt ist frei. Um eine vorherige Anmeldung wird gebeten. Mit Unterstützung der Konrad-Adenauer-Stiftung.
Im Mittelpunkt des elegischen Romans stehen Liebe, Familie und das Überleben. Die Familie erlebt die Verfolgung und Ermordung der jüdischen Bevölkerung während der deutschen Besatzung der Ukraine. Trotz Hunger, Gewalt und Verlust versuchen die Menschen, ihre Würde und ihre Hoffnung zu bewahren.
Das Buch galt damals bei der Veröffentlichung in der Sowjetunion als Sensation, weil es das offizielle Staatsnarrativ durchbrach.
In der offiziellen sowjetischen Erinnerungskultur wurden die jüdischen Holocaust-Opfer meist totgeschwiegen oder nur als allgemeine „sowjetische Opfer des Faschismus“ dargestellt.
Über die jüdische Geschichte in der Sowjetunion, insbesondere im Holocaust, gab es lange Zeit keine umfassende Information - vor allem wegen der außerpolitischen Abschottung sowie des systemischen Antisemitismus.
„Der Roman ‚Schwerer Sand’ in Anlehnung an das Buch ‚Hiob’ benannt, stellte in dieser Hinsicht einen echten Tabu-Bruch dar, indem die Tragödie der sowjetischen Juden zum ersten Mal in der Literatur so markant und ergreifend thematisiert wurde. Die Verbindung mit der Musik der großen Komponisten aus dem 20. Jahrhundert lässt uns diese Geschichte noch tiefer und emotionaler erleben.” (Roman Salyutov)
Rybakow konnte das Werk 1978/1979 trotz Einschränkungen publizieren; im Westen wurde es ein großer literarischer Erfolg und in zahlreiche Sprachen übersetzt.
Klaus-Peter Walter schreibt im Sammelband über Ukrainische Gegenwartsliteratur 2022 über Anatolij Rybakov: „Schwerer Sand allein hätte ihm einen Platz unter den bedeutendsten Romanciers der russisch-sowjetischen Gegenwartsliteratur gesichert“.