Dr. Lorina Buhr, Universitätsmedizin Göttingen
Können helle Geotextilplanen auf Gletschern die Eisschmelze im Sommer durch Reflexion des Sonnenlichts verlangsamen? Solches Geo-Engineering ist für die Ethikerin Lorina Buhr technisch machbar, aber ist es damit möglich, die Gletscher zu retten? Sie war unterwegs am nördlichen Schnee-Ferner an der Zugspitze und sie denkt nicht nur intensiv über die unumkehrbaren Folgen der schmelzenden Eisflächen nach.
„In letzter Zeit ist immer mehr die Rede von irreversiblen Veränderungen in der Natur durch den Menschen. Zugleich gibt es Versuche, verlorene Natur wiederherzustellen“, stellt sie fest. Und sie fragt: “Was ist damit gemeint? Inwiefern können und sollen wir Natur und Umwelt ‚reparieren‘?”
Dr. Lorina Buhr schaut aus der Perspektive der Philosophie und Ethik auf das Verhältnis von Mensch, Natur, Klima und Umwelt.
Im März 2026 erschien ihr Reclam-Taschenbuch „Die Tiefe des Eingriffs. Wie wir Menschen unsere Umwelt unumkehrbar verändern“.
Die Natur – dieses komplexe Netzwerk aus Dingen, Prozessen, Zuständen und Beziehungen – erlebt ständigen Wandel. Doch menschliche Einflüsse haben viele ihrer Verbindungen unumkehrbar und unwiederbringlich verändert.
Die Sendung „Das philosophische Radio“ bei WDR 5 ist live aus dem vhs-Forum auf Sendung. Der Moderator Jürgen Wiebicke diskutiert mit dem Publikum im Saal und mit der engagierten Ethikerin, wie tief der Mensch in die Natur bereits eingegriffen hat und ob durch Konservierung, Renaturierung oder Reversibilitätstechniken Zerstörungen rückgängig gemacht werden können, so eine eher technische Vorstellung von der Wirkmächtigkeit des Menschen.
„Der Wunsch, Umweltschäden rückgängig zu machen, ist zwar aller Ehren wert, aber die menschengemachte Unumkehrbarkeit ist bereits tief in Leben und Gesellschaft verwurzelt – und wir müssen diese Irreversibilität endlich verstehen und anerkennen“, konstatiert Lorina Buhr. Die Gletscherschmelze ist für sie ein deutliches Zeichen der Unumkehrbarkeit.
Seit April 2025 vertritt Lorina Buhr die Professur für „Kultur und Ethik der Biomedizin“ am Institut für Geschichte und Ethik der Medizin der Universitätsmedizin Göttingen.
Eine knappe Sendestunde philosophiert Jürgen Wiebicke mit ihr und bezieht in dieser Sendung auch das münsterische Publikum vor Ort ein. Wegen des Beginns der Live-Sendung ist der Einlass bereits ab 18 bis 18.45 Uhr im VHS-Forum.
„Philosophieren Sie mit über die großen Themen unserer Zeit“, ermuntert Jürgen Wiebicke und fordert zum Mitdenken und Mitdiskutieren auf.
Wer schon Fragen und Anmerkungen zum Thema hat schreibt eine E-Mail an philo@wdr.de.
Der Eintritt ist frei.
Das Bündnis der Münsteraner Klimagespräche hat die bekannte Sendereihe immer am Montag bei WDR 5 eingeladen, nach Münster zu kommen.