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Erinnern nach 2000
Gedenktafel zur Erinnerung an Clemensschwester Laudeberta
Standort
Aaseitenweg, Mauer
Lage im Stadtplan
Initiator
Bezirksvertretung Münster-Mitte beschloss am 3. Mai 2022 einstimmig einen entsprechenden Antrag der CDU-Fraktion
Auszug aus der Niederschrift: "Zum öffentlichen Gedenken an Schwester Laudeberta wird am neu benannten Schwester-Laudeberta-Weg eine Informationstafel mit den wesentlichen Informationen zu ihrer Person und ihrem Widerstand gegen die „Euthanasie-Verbrechen“ des Nationalsozialismus, inkl. eines QR-Codes für weiterführende Informationen, errichtet."
Gestaltung
Metalltafel aus Aluminiumguss mit Inschrift und QR-Code
Einweihung
21. April 2023
Erinnerungsmotiv
Erinnerung an den Widerstand der Clemensschwester Laudeberta gegen die Ermordung von Menschen mit körperlichen und psychischen Einschränkungen in der Zeit des Nationalsozialismus.
Geschichtlicher Hintergrund
Nationalsozialismus, Ermordung von Menschen mit körperlichen und psychischen Einschränkungen
Unter dem Decknamen Aktion T4 führten die Nationalsozialisten ihr menschenverachtendes Euthanasieprogramm durch. Sie werteten Menschen mit körperlichen und psychischen Einschränkungen als "lebensunwert" und ermordeten Tausende von ihnen.
Auch in der münsterischen Heilanstalt Marienthal wurde die Aktion T4 systematisch ausgeführt. Allein im Sommer 1941 wurden etwa 79 Patienten zur Tötung in andere "Heilanstalten" überführt. Weitere rund 465 Menschen litten unter Deportation und Ermordung. Nur 40 Menschen überlebten.
Ärzte in Marienthal entschieden, wer weiterleben durfte oder zur Tötung deportiert wurde. Die Verlegung zur Tötung erfolgte unter Geheimhaltung.
Stillen Widerstand gegen die menschenverachtenden Zustände in Marienthal leistete Schwester Laudeberta. Unter riskanten Umständen informierte sie mehrmals den Bischof von Galen über Deportationsmaßnahmen. Bischof Galen nahm die Informationen Schwester Laudebertas zum Anlass, mehrere Predigten gegen die Mßnahmen der T4 Aktion zu halten.
Die Ordensschwester beließ es nicht nur bei diesem "passiven" Widerstand, sondern ging auch in Marienthal "aktiv" gegen die Maßnahmen der Nationalsozialisten vor. Mit dem Wissen, welcher Patient auf Deportationslisten stand, riet sie den Verwandten, den Patienten aus der Anstalt zu nehmen.
Inschrift
Schwester-Laudeberta-Weg Benannt nach Schwester Laudeberta, *1887 in Groenlo (NL), † 1971, eine Ordensschwester der Clemensschwestern in Münster. Seit 1910 arbeitete sie als Krankenschwester in der Provinzialheilanstalt Marienthal (heute LWL-Klinik Münster). In der NS-Zeit waren dort rund 1.000 Menschen mit Krankheiten und Behinderungen untergebracht. Für die Nationalsozialisten galten diese Menschen als „lebensunwert“. Hitler selbst ordnete deshalb 1939 ihre Ermordung im Rahmen der „Aktion T 4“ an. Das war Massenmord per Giftgas. Im Juli 1941 erfuhr Schwester Laudeberta die Namen von Patienten, die aus Marienthal in Tötungsanstalten deportiert werden sollten. Sofort sprach sie Angehörige an und legte ihnen nahe, die Patienten nach Hause zu holen. Parallel dazu informierte sie persönlich unter hohem Risiko den münsterschen Bischof Clemens August Graf von Galen. Ins Bischofspalais gelangte sie über den versteckten Weg entlang der Aa, der heute ihren Namen trägt. Für den Bischof war ihr Besuch ein entscheidender Anstoß zu seiner berühmten Predigt vom 3. August 1941, die zum Stopp der Aktion T 4 beitrug. Laudeberta blieb auch nach dem Zweiten Weltkrieg Ordensschwester in Marienthal. Ihr Grab befindet sich auf dem Zentralfriedhof.
Literatur
Literatur
- Markus Köster: Eine couragierte Frau und ihre mutigste Tat. Die Ordensschwester Laudeberta informierte Bischof von Galen im Sommer 1941 über die Patientendeportationen aus der Klinik Marienthal. In: Westfälische Nachrichten, Auf Roter Erde, Heimatblätter für Münster und das Münsterland, August 2021


