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Ausschnitt eines alten Stadtplans von Münster aus dem Jahre 1862
 
Straßenschild Ringoldgasse
 
 
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Overbergstraße

Stadtbezirk:Münster-Mitte
Statistischer Bezirk: Mauritz-West
Entstehung: 1888
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Benannt nach Bernard Heinrich Overberg, (1754-1826), Reformator des Schulwesens im Bistum Münster.

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Das Overberg-Denkmal am Überwasserkirchplatz

Bernard Overberg wurde in Voltlage (Münsterland) geboren. Seine Eltern legten großen Wert auf eine religiöse Erziehung. In den ersten Lebensjahren schien der Junge wenig begabt zu sein. Mit neun Jahren entwickelte er jedoch große geistige Fähigkeiten, so dass ihm der Pfarrer Lateinunterricht erteilte. Später durfte Overberg das Franziskanergymnasium in Rheine besuchen. Bereits nach einem Jahr hatte er seine Mitschüler in allen Fächern überflügelt.
1774 begann er seine philosophischen und theologischen Studien in Münster. Am 20.12.1779 wurde er in Rheine zum Priester geweiht. Seine erste Stelle als Kaplan bekam er in dem kleinen Dorf Everswinkel. Dort begann er, mit viel Engagement und neuen und verbesserten Methoden Religionsunterricht zu erteilen. Davon erfuhr der Bischof und berief Bernard Overberg an die sog. Normalschule nach Münster. In dieser wurden jährlich Lehramtsanwärter zwei bis drei Monate lang in den Grundsätzen der Erziehung, des Unterrichts und der Methodik unterwiesen. Overberg erkannte, dass die Ausbildung der Lehreramtsanwärter bisher nur sehr schlecht und nachlässig durchgeführt worden war.
Sein reiches Wissen, sein unermüdliches Schaffen und seine von tiefer Gläubigkeit geprägte Lebensführung fanden ihre Krönung in der Berufung zum Regens des Priesterseminars in Münster.
Mit großer Hingabe widmete er sich der verantwortungsvollen Aufgabe. Im Herbst 1826 gab Overberg noch einen Kursus an der Normalschule. Zwei Tage später starb er mit den Worten: Dir, o Herr Jesus, sterbe ich. Das ganze Münsterland trauerte um ihn.
Als einer der ersten Pädagogen seiner Zeit wandte Overberg das Unterrichtsprinzip der Anschauung an, das für jeden Lehrer heute eine Selbstverständlichkeit ist.
Er sagte dazu: Der Unterricht soll vom Konkreten zum Abstrakten vorschreiten, vom Bekannten zum Unbekannten aufsteigen.
Das bis dahin praktizierte geistlose Eintrichtern verurteilte er. Stattdessen erzählte er aus der Bibel und gab dazu Erläuterungen mit Beispielen aus dem täglichen Leben; er erklärte die Gleichnisse des Neuen Testamtens mit einfachen und verständlichen Worten. Sein Hauptanliegen war nicht die Aneignung von Wissen, sondern die Erziehung. Er wollte den Willen zum Guten lenken, zu gläubiger Hingabe an Gott führen. Overberg wurde schon zu seinen Lebzeiten weit bekannt. Im Münsterland nannte man ihn Lehrer der Lehrer. Er war als Pädagoge Wegbereiter für manches, was heute in unseren Schulen wirksam ist.
Autor: Johannes Werner Schurgacz
Quelle: Liselotte Funcke (Hrsg), Hagener Straßen erzählen Geschichte(n), Hagen 2001

Der Kreis von Münster
Der Kreis von Münster, der auch familia sacra genannt wird, ist eine eigenständige kulturelle Bewegung der deutschen Geistesgeschichte. Das katholisch geprägte, fürstbischöfliche Münster gelangte in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts kurz vor seinem endgültigen Untergang noch einmal zu einer einzigartigen Blütezeit. Um die Person Franz von Fürstenbergs, Anton Matthias Sprickmanns, Bernhard Overbergs und schließlich der Fürstin Amalie von Gallitzin versammelte sich ein Kreis gebildeter, humanistisch orientierter Katholiken. Zeitgleich mit Goethe und Schiller und der Weimarer Klassik entwickelte sich in Münster eine auf christlichen Werten beruhende Lebenseinstellung der Nächstenliebe, Humanität und Toleranz. Bemerkenswert ist, dass eine Frau, Amalie von Gallitzin, zum Mittelpunkt dieses Kreises werden konnte. Zum Kreis von Münster gehörten Johann Georg Hamann, Graf zu Stolberg und der holländische Philosoph Franz Hemsterhuis (1721-1790).
Quelle: Detlef Fischer, Münster von A bis Z, Münster 2000

Es gibt in Münster sechs Straßen, die nach Personen aus dem Kreis von Münster benannt wurden. Die Fürstenbergstraße, Gallitzinstraße, Hamannplatz, Overbergstraße, Sprickmannstraße und die Stolbergstraße.

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