Stadt Münster: Amt für Grünflächen, Umwelt und Nachhaltigkeit - Aasee

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Gewässerökologie

Der Aasee - Freizeit, Erholung, Ökologie und Wasserqualität

Freizeit und Erholung

Freizeit und Erholung am Aasee

Freizeit und Erholung am Aasee

Der Aasee und seine angrenzenden grünen Parkflächen sind mit ca. 90 ha der größte Naherholungsraum im Stadtgebiet von Münster. Dieser Landschaftspark Aasee besitzt für die Bewohner und für die Besucher der Stadt Münster eine hohe Anziehungskraft. Neben der Funktion als regionaler Freizeit- und Erholungsschwerpunkt, als Identifikation und Werbeträger für die Stadt Münster, übernimmt die Anlage auch wichtige wasserwirtschaftliche und ökologische Aufgaben.

Kernstück des gesamten Landschaftsparks ist der 40 ha große Aasee, der aufgestaut ist und von der Münsterschen Aa mit ihrer Quelle in den Baumbergen nordwestlich von Havixbeck gespeist wird. Auch wenn der See für verschiedene Sport- und Freizeitaktivitäten genutzt wird, so ist doch die ruhige Erholung vorrangig. Daneben dient er aber auch der Wasserspeicherung und -rückhaltung, der Regulierung der Münsterschen Aa in der Innenstadt sowie als Frischluftschneise für das Zentrum und bietet als komplexes Ökosystem auch Lebensraum für zahlreiche Tier- und Pflanzenarten.

Im Bereich des heutigen Aasees erstreckten sich noch bis Anfang des vorletzten Jahrhunderts ausgedehnte feuchte und sumpfige Wiesen, durch die sich die Münstersche Aa schlängelte. Dieses kleine Flüsschen bereitete jedoch der Bevölkerung Münsters Jahr für Jahr große Probleme. Es kam zu regelmäßigen Überflutungen der Aawiesen und der Altstadt mit schlimmen Auswirkungen.

Die Idee des Aasee-Projekts hatte schon sehr frühzeitig der Wissenschaftler, Lehrer, Theologe und erster Zoodirektor Münsters Prof. Hermann Landois (1835 bis 1905), als er bereits 1888 den Bau eines "Aa-Bassins" propagierte. Nachdem im Frühjahr 1914 italienische Arbeiter den ersten Spatenstich getan hatten, unterbrach der 1. Weltkrieg den weiteren Baufortschritt. Der endgültige Bau des Aasees wurde letztendlich durch die Hochwasserkatastrophe von 1925, von der auch weite Teile der Stadt betroffen waren, vorangetrieben. Nach weiteren neun Jahren Bautätigkeit war dann 1934 der "Alte Aasee" als Stausee mit einer Wasserfläche von 20,7 ha fertig gestellt.

Im Laufe der Jahre zeigte sich aber, dass die Fläche für die bestehenden Nutzungsansprüche nicht mehr ausreichte. Mit der Verlegung des Zoos vom heutigen Gelände der Landesbausparkasse an der Himmelreichallee zur Sentruper Höhe wurde 1972 auch mit der Erweiterung des Aasees nach Südwesten hin begonnen. 1976 war dann der "Neue Aasee" mit einer Größe von 19,5 ha 1976 fertiggestellt.

Neben dem erhöhten Speichervolumen wurden auch die Freizeitmöglichkeiten verbessert. So sind z. B. ein neuer Segelboothafen und eine 2.000 m – Ruder-Regattastrecke für nationale und internationale Wettbewerbe in die Planung einbezogen worden. Gleichzeitig wurde aber auch mehr Wert auf eine landschaftsgerechte Gestaltung der angrenzenden Ufer und Flächen gelegt. Das Ufer ist teilweise mit Röhricht und Gehölzen bepflanzt und oberhalb des Zookanals als Schutzzone für Wasservögel angelegt worden.

In einem weiteren Schritt ließ die 1996 abgeschlossenen Renaturierung der Münsterschen Aa zwischen dem neuen Aasee und "Haus Kump" anstelle des begradigten, künstlich verbauten Flussbetts eine naturnahe Fluss-/ Auenlandschaft entstehen. In Tief- und Flachwasserzonen, Steilufern, Nasswiesen, kleinen Inseln, Stillwasserzonen, Röhrichten und Tümpeln entwickeln sich hier vielschichtige Lebensräume als Rückzugs-, Nahrungs-, Aufzuchts- und Ruhebiotop für zahlreiche Tier- und Pflanzenarten. Dieser ca. 8 ha große Bereich wurde so konzipiert, dass er durch Abzäunung und Anpflanzungen für den Menschen nicht zugänglich, aber durch Einblickmöglichkeiten dennoch erlebbar ist. Durch kontinuierliche Pflege werden festgelegte Uferabschnitte von Gehölzbewuchs freigehalten, um auch zukünftig die Strukturvielfalt zu fördern und das Gebiet einsehbar zu halten.


Ökologie und Wasserqualität

Naturnahe Uferzone

Bildergalerie Naturnahe Uferzone

Der Aasee ist nicht nur ein Freizeitgewässer, sondern gleichzeitig auch ein komplexes Ökosystem mit unterschiedlichen Lebensräumen und –gemeinschaften. Sämtliche Sport-, Freizeit- und Erholungsaktivitäten sind nur auf der Basis eines weitgehend intakten "Ökosystem Aasee" möglich. Ökologische Qualität und die Nutzungsansprüche an den Aasee sind also unmittelbar miteinander verflochten. Eine erhebliche Bedeutung für alle Nutzer hat die Wasserqualität, die durch die Einleitungen aus dem stark landwirtschaftlich geprägten Einzugsgebiet und aus den Regenwassereinleitungen beeinträchtigt werden kann. Das Problem der Nährstoffanreicherung und –rücklösung wird zusätzlich noch dadurch verstärkt, dass der Aasee auf seiner gesamten Fläche nur maximal 2,00 m tief ist und sich somit keine stabile Schichtung wie bei Seen mit ausreichender Tiefe (> 10 m) einstellen kann. Die Nährstoffe befinden sich daher immer verfügbar im freien Wasser. Vor allem in den warmen Sommermonaten können Algenwachstum und Sauerstoffdefizite die Folge sein.

Seit Ende der 1990er Jahre wurde – wie in vielen Seen Deutschlands – eine deutliche Zunahme der Cyanobakterien (sog. Blaualgen) festgestellt. Gründe dafür sind hohe Phosphorgehalte und generell steigende Temperaturen aufgrund von Klimaerwärmung. Fakt ist, dass die Blaualgen toxische Stoffe (u.a. Mikrocystine) bilden, die vor allem in den Uferbereichen zu hohen Konzentrationen aufschäumen können. Allgemein ist die Gefahr dort am größten, wo bakterienhaltiges Wasser als Trinkwasser aufbereitet wird oder wenn im See gebadet wird. Beides ist für den Aasee - glücklicherweise - nicht gegeben. Da der Aasee nicht als Badegewässer eingestuft ist, ist dort das Baden verboten. Gleiches gilt auch für das Surfen oder das Befahren des Aasees mit privaten Booten.

Um die Nährstoffeinträge zu reduzieren, sind in den vergangenen Jahren im Einzugsgebiet zahlreiche Maßnahmen durchgeführt worden (z. B. Fließgewässerrenaturierungen mit Extensivierung der Aue, Sanierung von Kläranlagen, Anschluss von Streusiedlungen). Zusätzlich wird seit dem Sommer 2005 etwa 3 km oberhalb des Sees das Fällungsmittel Eisen-III-Chlorid in die Münstersche Aa dosiert. Damit wird der Phosphorgehalt in Aa und Aasee deutlich verringert und die weitere Massenentwicklung von Cyanobakterien erfolgreich verhindert.

Mit einer Ausnahme: Die klimatischen extremen Verhältnisse haben im August 2018 zu einem massiven Fischsterben im See geführt – wie bundesweit auch in zahlreichen anderen Seen. Lange Zeit hatten unterschiedliche negative Faktoren auf den See und seine Bewohner eingewirkt:

  • Fehlender Frischwasserzufluss und Wasseraustausch aufgrund ausbleibender Niederschläge
  • Absinken des Wasserstandes um 50 cm
  • Wassertemperaturen über 26°C, pH-Werte > 9
  • Aufkonzentrierung von Phosphor im See (Gesamt-P bis 1,3 mg/l)
  • Massenentwicklung von Cyanobakterien mit enormer Sauerstoffzehrung nach dem Absterben
  • Nächtliche Sauerstoffkonzentrationen < 2 mg/l

Nach dem extremen Sommer im vergangenen Jahr hat sich der Aasee sehr gut erholt. Die regelmäßig durchgeführten Messungen der Wasserqualität seit April dieses Jahres belegen den außergewöhnlich guten Zustand des Sees.

Seit Anfang des Sommers wird dem Aasee über die Zuflüsse Aa, Meckelbach und Gievenbach nur wenig Wasser zugeführt. Auch die Wassertemperaturen sind aufgrund der Witterungsverhältnisse bereits angestiegen. Dennoch befindet sich der Anteil an pflanzlichen Algen auf einem optimalen Niveau. Hierbei handelt es sich zum größten Teil um harmlose Grün- und Kieselalgen, die für eine ausreichende Sauerstoffproduktion im See sorgen. Giftige Blaualgen sind derzeit dagegen in ungewöhnlich geringer Anzahl aufzufinden. In den Sommermonaten der letzten Jahre sind diese immer wieder deutlich verstärkt aufgetreten. Im Extremsommer 2018 führte das rapide Absterben der in Massen aufgetreten Blaualgen schließlich über Nacht zum vollständigen Zusammenbruch des Sauerstoffgehalts im See und war im Zusammenspiel mit anderen Faktoren einer der Hauptauslöser des Fischsterbens.

Eine weitere entscheidende Rolle für die aktuell ausgesprochen gute Wasserqualität spielen Wasserflöhe. Die kleinen Tiere ernähren sich von Algen und sorgen so auf natürlichem Wege dafür, dass sich auch Blaualgen nicht massenhaft entwickeln können. Wasserflöhe wiederum dienen Fischen als Nahrungsquelle. Durch den außerordentlich hohen Fischbestand, der sich in den vergangenen Jahren im Aasee entwickelt hatte, konnten sie nur in sehr geringem Maße im See entwickeln, so dass ihre natürliche Filterfunktion bislang nahezu ausgeblieben ist. Aufgrund des derzeit geringen Bestandes an Weißfischen konnten sich in diesem Jahr die für das Ökosystem See so wichtigen Wasserflöhe in Massen entwickeln und so auf natürliche Weise für eine gute Wasserqualität sorgen.



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