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Theater in der Meerwiese
Vorlese-Café
Veranstalter*in: Kulturinitiative Coerde
Muttersprachler*innen nehmen ihr Publikum mit auf eine Entdeckungsreise in andere Kulturen und literarische Welten. Die Zuhörer*innen sind eingeladen, dem Klang der fremden Worte, Texte oder Musik zu lauschen und sich von unbekannten Sprachmelodien verführen zu lassen. Anschließend erfolgt die Übersetzung in die deutsche Sprache. Alle Veranstaltungen werden musikalisch begleitet.
Termine:
Freitag, 13. Februar 2026 - verschoben Freitag, auf 27. März 2026,
Freitag, 8. Mai 2026, Freitag, 26. Juni 2026, Freitag, 18. September 2026
jeweils um 19.30 Uhr (Einlass ab 19.15 Uhr)
Eintritt: kostenfrei
Termine
Freitag, 8. Mai 2026, 19.30 Uhr
Vorlese-Café in Chinesisch und Deutsch
© Margareta Cherenkova, Benjamin Pfordt
Das Vorlese-Café der Kulturinitiative Coerde lädt zu einer weiteren Lesung ein. Wang Chieh-Ling liest aus der Erzählung „Des Sohnes große Puppe“ von Huang Chun Ming (*1935) in chinesischer Sprache. Der Schauspieler und Sprecher Carsten Bender trägt die deutschen Textpassagen vor. Der Abend wird von Margarita Cherenkova am Saxophon und Benjamin Pfordt am Klavier musikalisch gestaltet.
Der Schriftsteller Huang Chun Ming, 1935 in Luodong (Taiwan) geboren, gehört zu den wichtigsten Autoren der taiwanischen Literatur. Er veröffentlichte Kurzgeschichten, Essays, Kinderbücher, Theaterstücke, Gedichte und Drehbücher; viele seiner Werke wurden verfilmt und ausgezeichnet. Die Erzählung „Des Sohnes große Puppe“ erschien 1968 erstmals in einer Vierteljahresschrift und im Jahr darauf in einer Aufsatzsammlung. Im Jahr 1983 wurde die Erzählung gemeinsam mit zwei anderen seiner Kurzgeschichten verfilmt. Eine gekürzte deutsche Ausgabe erschien 1997 unter dem Titel „In der Maske des Clowns“ (Übersetzung: Barbara Wang).
Die Geschichte spielt im Taiwan der Mitte des 20. Jahrhunderts: Kun Shu verdient als „Sandwichman“ den Lebensunterhalt seiner Familie und tritt als Clown auf, sodass sein kleiner Sohn ihn nur geschminkt kennt. Diese Situation belastet ihn, doch er kann seinen Kummer kaum ausdrücken. Die Erzählung verbindet Wut, Wehmut und familiäre Liebe in einer Welt, in der sich Lebensumstände kaum ändern, während Identitäten ständig wechseln müssen. In einem realistisch-satirischen Stil und mit alltagsnaher, teils dialektaler Sprache zeichnet Huang Chun Ming ein zeitloses Bild einer Arbeiterfamilie, die trotz innerer Erschütterungen immer wieder zueinanderfindet.
Margarita Cherenkova hat sich als Solistin und Initiatorin eigenständiger Konzertformate etabliert. Im Zentrum ihrer Arbeit steht die Entwicklung eigener Programme, in denen klassische Musik, Filmmusik, Tango und zeitgenössische Elemente zu einem intensiven Konzerterlebnis verschmelzen. Dabei versteht sie das Konzert nicht als Form, sondern als Erlebnis.
Benjamin Pfordt studierte Lehramt (Musik, Geschichte, Ev. Theologie), Orgel und Komposition in Münster, Osnabrück und Nijmegen, Niederlande. Seine zum Teil mit Preisen ausgezeichneten Kompositionen umfassen Orgelmusik, eine Kurz-Oper, Musik für Kurzfilme sowie die „Missa 1648“ über den Westfälischen Frieden, in der er Barockmusik, Pop und Jazz verbindet. Außerdem gilt seine Leidenschaft der Vertonung von Stummfilmen. Benjamin Pfordt leitet die Marktmusik-Reihe in der Überwasserkirche, Münster.
Freitag, 26. Juni 2026, 19.30 Uhr
Diese Ausgabe muss leider entfallen.
Freitag, 18. September 2026, 19.30 Uhr
Die Sprache und das (musikalische) Programm dieser Ausgabe wird in Kürze hier bekannt gegeben.
... das hat bereits stattgefunden:
Freitag, 27. März 2026, 19.30 Uhr
Vorlese-Café in BKS-Sprachen (Bosnisch/Kroatisch/Serbisch)
Der Roman „Das Fräulein“ von Ivo Andrić – Mensch, Geld und Schicksal in Zeiten des Umbruchs | Musikalisch zu Gast ist das Ensemble „Ognjište“ („Daheim – Feuerstelle“) mit Srđan Jovanović (Akkordeon) und Božidar Jovanović (Klavier)
Der Literaturnobelpreisträger Ivo Andrić (1892–1975) gehört zu den bedeutendsten Schriftstellern des 20. Jahrhunderts. Er wurde in Travnik, Bosnien geboren und absolvierte das Gymnasium in Sarajevo. Anschließend studierte er ab 1912 Philosophie, Slawistik und Geschichte in Zagreb, Wien, Krakau und Graz. Von 1920 bis 1941 war er als Diplomat in verschiedenen europäischen Ländern tätig, zuletzt als Gesandter in Berlin. Den Nobelpreis für die Literatur erhielt er 1961 und spendete die gesamte Nobelpreissumme für die Errichtung und den Ausbau von Bibliotheken in Bosnien-Herzegowina. Er starb 1975 in Belgrad, Serbien.
Sein Roman „Das Fräulein“ entstand während des Zweiten Weltkriegs und gehört zur sogenannten Bosnischen Trilogie (erschien 1945), zu der auch die berühmten Werke „Die Brücke über die Drina“ und „Wesire und Konsuln“ zählen. Im Mittelpunkt des Romans steht die Protagonistin Rajka Radaković aus Sarajevo. Als Fünfzehnjährige gibt sie am Sterbebett ihres Vaters das Versprechen ab, das Familienvermögen zu bewahren und sich einem Leben in strenger Sparsamkeit zu verpflichten. Die plötzliche Selbstständigkeit, Verantwortung und Geschäftsführung in politisch und wirtschaftlich unruhigen Zeiten prägen ihren Charakter nachhaltig.
Allmählich entfernt sie sich von ihren Mitmenschen, profitiert finanziell von der Not anderer und entwickelt statt Mitgefühl zunehmend Geiz und Existenzängste. Nur einmal lässt der Keim der Liebe in ihrem Herzen Vertrauen und Großzügigkeit aufscheinen, als der junge Ratko nach ihrem Umzug nach Belgrad in ihr Leben tritt.
Vor dem Hintergrund der großen historischen Ereignisse des frühen 20. Jahrhunderts – der Annexion Bosniens und Herzegowinas durch die Österreichisch-Ungarische Monarchie, dem Attentat von Sarajevo 1914, dem Ersten Weltkrieg und der gesellschaftlichen Entwicklung im Königreich Jugoslawien – zeichnet Andrić ein eindringliches Bild von Geld, Macht, Angst und menschlicher Isolation. Der Roman stellt dabei auch eine zeitlose Frage: Welche Wege finden Menschen, um Geld zu verdienen, es zu vermehren und zu bewahren – und welchen Preis zahlen sie dafür?
Das Publikum darf sich außerdem auf eine stimmungsvolle musikalische Reise in die Klangwelt des Balkans freuen. Zu Gast ist das Ensemble „Ognjište“ („Daheim – Feuerstelle“) mit Srđan Jovanović (Akkordeon) und Božidar Jovanović (Klavier) – eine besondere musikalische Begegnung von Vater und Sohn. Das Ensemble widmet sich der lebendigen Weitergabe der musikalischen Traditionen des Balkanraums und bringt diese mit Leidenschaft und künstlerischer Tiefe einem breiten Publikum näher. Gleichzeitig ist das Repertoire stilistisch offen: Neben Balkanmusik und eigenen Kompositionen präsentiert „Ognjište“ auch ausgewählte Werke aus anderen Genres.


