Aktueller Stand des Projekts
Neue und optimierte Geräte hat die Stadt Münster an der Promenade Höhe Hörstertor und am Bohlweg aufgebaut. Damit kehrt das Leezenflow-System vorerst an zwei Standorte zurück.
Was kommt als nächstes?
Die Stadt Münster treibt die Weiterentwicklung der Leezenflow-Systems gezielt voran – eingebettet in das Projekt Velo Wave, in dem die bedarfsgerechte Ampelschaltung für den Radverkehr erprobt wird. In diesem Zusammenhang soll in Zusammenarbeit mit einem neuen Projektpartner auch ein neuer technischer Ansatz getestet werden:
- Test eines verbesserten Modells: In Kooperation mit der Stadt Berlin, die ein weiterentwickeltes Modell unter realen Bedingungen testet, soll nun auch in Münster ein weiterentwickeltes Exemplar erprobt werden. Ziel ist es, Erfahrungen mit robusterer Technik in einem Metallgehäuse zu sammeln und diese perspektivisch in eine neue Geräteserie einfließen zu lassen.
- Überregionale Vernetzung: Die ursprüngliche Leezenflow-Idee wurde 2019 im Rahmen des MÜNSTERHACKs entwickelt und als Open-Source-Lösung veröffentlicht. Dies hat zu bundesweitem Interesse geführt: Städte wie Solingen und Berlin haben das Konzept aufgegriffen, weiterentwickelt und eigene Systeme in Betrieb genommen. Auch in Hamburg ist das Interesse am Leezenflow weiter aktiv. Der offene Austausch mit diesen Kommunen ist ein zentraler Bestandteil der weiteren Projektentwicklung.
Zukunftsperspektive
Die Erfahrungen aus dem Prototypenbetrieb sowie die Ergebnisse der Begleituntersuchung sind Grundlage für eine technisch überarbeitete, langfristig einsetzbare Version des Systems. Ziel ist es, Leezenflow zu einem robusten Baustein der Radverkehrsförderung in Münster zu machen.
Die Stadt Münster bleibt im engen Austausch mit anderen Städten, Forschungsinstituten und weiteren Partnern – denn nachhaltige Mobilität lebt vom gemeinsamen Lernen und Weiterentwickeln.
Antworten auf die häufigsten Fragen
Der Grüne-Welle-Assistent zeigt die Dauer der aktuellen Ampelphase an. Was bedeutet das? Die abnehmenden grünen und roten Farbverläufe zeigen die noch verbleibende Zeit bis zur nächsten Ampelphase an. So kann jede Radfahrerin und jeder Radfahrer sein Fahrverhalten individuell für eine komfortablere Fahrt anpassen.
Leezenflow ist ein Grüne-Welle-Assistent, der die aktuelle Ampelphase anzeigt: „Grün“ bedeutet, die Fahrradampel ist zurzeit grün. „Rot“ heißt, die Fahrradampel ist zurzeit rot. Das Farbfeld verändert sich dynamisch mit der Länge der Ampelphase. Ein volles Farbfeld „grün“ bedeutet also: Die Ampel ist gerade grün geworden. Ein kleiner Strich „grün“ bedeutet: Die Ampel wird bald rot. Der Farbverlauf nimmt entsprechend der Länge der aktuellen Ampelphase ab.
Nein, die Geschwindigkeit wird nicht erfasst. Das ist bei der Menge der Radfahrerinnen und Radfahrer dort auch technisch nur sehr schwierig (wenn überhaupt) machbar. Leezenflow hilt bei der individuellen Entscheidungsfindung: Ich weiß, wann die Ampel umspringt und kann selber entscheiden, ob ich noch kräftig in die Pedale trete oder doch lieber gemütlich die nächste Grünphase mitnehme.
Leezenflow gibt nur Informationen darüber, wann die Ampel umschaltet. Mit dieser Information kann die Fahrtgeschwindigkeit individuell angepasst werden. Manche schaffen es noch bei Grün, wenn sie ordentlich in die Pedale treten, andere bleiben lieber entspannt und rollen gemütlich über die nächste Grünphase.
Eine Visualisierung mit Sekundenanzeige liegt zuerst nahe. Aus folgenden zwei Hauptgründen haben wir uns in der Testphase dennoch dagegen entschieden:
1. Die Ampelschaltung ist dynamisch und teilweise nicht vorhersagbar. Zum Beispiel können Busse die Ampelschaltung beeinflussen. So kann es zu spontanen, nicht vorhersagbaren Änderungen in der Dauer der aktuellen Ampelphase kommen. Die Sekundenanzeige würde dann große Sprünge machen oder scheinbar stehen bleiben. Die aktuelle Visualisierung fängt diese Sprünge flexibel ab, mit dem Ziel, Radfahrerinnen und Radfahrer nicht zu verwirren.
2. Menschen haben sehr unterschiedliche Zeitwahrnehmungen. Unter anderem können wir objektiv gemessene Zeitspannen nicht verlässlich abschätzen (bei "W wie Wissen" ein erster Einblick in die Wissenschaft der Zeitwahrnehmung und bei "Spektrum" etwas mehr Details). Deswegen ist es fraglich, ob eine objektive Sekundenanzeige für Menschen tatsächlich eine kognitiv einfach verarbeitbare Visualisierung ist. Durch eine Sekundenanzeige auf dem Leezenflow befürchten wir deshalb, dass Radfahrerinnen und Radfahrer die begrenzte Ressource Aufmerksamkeit vermehrt auf das (nicht intuitive) Sekundenzählen verschieben anstatt sich auf den Verkehr zu konzentrieren.
Für alle, die trotzdem Sekunden zählen wollen, hier ein Tipp für die Umrechnung des Farbbalkens: Die Fahrradampel am Hörstertor zeigt ca. 45 Sekunden lang grün und ca. 40 Sekunden lang rot.
Die komplette Bauanleitung des Leezenflows ist im Internet frei verfügbar zum (nicht-kommerziellen) Nachbau.
Warum nur noch zwei Standorte?
- Projektpartner ausgestiegen: Der ursprüngliche Entwicklungspartner hat sich aus dem Projekt zurückgezogen, da er sich auf andere Geschäftsbereiche konzentriert. Ein verlässlicher Weiterbetrieb der Leezenflow-Geräte ist ohne den Dienstleister leider nicht möglich. Auch eine direkte Weiterentwicklung auf Basis des ersten Modells ist erschwert.
- Materialien im Realbetrieb nicht ausreichend langlebig: Die Gehäuse der ersten Generation wurden im 3D-Druckverfahren hergestellt, um einen schnellen Projektstart zu ermöglichen. Die Anzeigen sind Wind und Wetter an den Standorten ausgesetzt. Im Dauerbetrieb haben sich – schneller als ursprünglich angenommmen – Schwächen gezeigt, die die Funktion beeinträchtigen.
Leezenflow ist ein Smart City-Projekt
Das Leezenflow-System soll nicht nur den Verkehr voranbringen, sondern auch die digitale Stadtentwicklung. Es zeigt, wie aus einer Idee der Bürgerschaft eine Technik mit Freier Software wird, die bereits das Interesse anderer Kommunen geweckt hat. Die komplette Bauanleitung des Leezenflows ist frei verfügbar.
Die Idee Leezenflow stammt aus dem Münsterhack 2019 und wurde gemeinsam von Mitgliedern des Hackathon-Teams in Zusammenarbeit mit der Stadt Münster weiterentwickelt. Die Programmierung übernahmen die bCyber GmbH sowie Code for Münster. Das Design des Leezenflow-Prototypen haben die beiden Studentinnen Magdalena Schmitz und Leonie Winkelmann im Rahmen ihrer Bachelorarbeit an der Fachhochschule Münster entwickelt
Die neun zusätzlichen Leezenflow-Systeme werden im Rahmen der Strategiephase des Programms „Modellprojekte Smart City (MPSC)“ vom Bundesministerium für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen (BMWSB) und der KfW (Kreditanstalt für Wiederaufbau) gefördert.
Bei dem Projekt Leezenflow arbeitet die Stabsstelle Smart City Münster zusammen mit dem Amt für Mobilität und Tiefbau (Fachstelle Verkehrsmanagement und Smart Mobility), dem Stadtplanungsamt (Fachstelle Baudenkmalschutz und -pflege), der Fachhochschule Münster (Münster School of Design) sowie bCyber GmbH und Code for Münster.