Stadt Münster: Villa ten Hompel - Deportationen sichtbar machen

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80 Jahre danach: #DeportationenSichtbarMachen

Aktion zum Gedenken an die Deportationen aus Münster und dem Münsterland

Hunderte als jüdisch markierte Männer, Frauen und Kinder aus dem Münsterland wurden ab Dezember 1941 in Ghettos in den Osten Europas deportiert. Das Ziel der Täter: Die Ausgrenzung und Vernichtung von Menschen, die nicht als Teil der “deutschen Volksgemeinschaft“ galten. In diese Deportationen waren auch im Münsterland viele Menschen involviert: neben Polizei auch andere Verwaltungen – und Nachbarn.

Jahrzehntelang wurden diese Verbrechen öffentlich aber meist ausgeblendet. Erst seit den 1990er Jahren bildeten sich verschiedene Formen der Vergegenwärtigung und des Gedenkens an die Deportierten und die begangenen Taten heraus: Stolpersteine, Gedenkstelen und Veranstaltungen wie Schweigemärsche weisen auf die Taten und Leerstellen hin, die die Ermordeten in unserer Gesellschaft hinterlassen haben.

Doch überzeugt die oft schon routinierte Rollenverteilung in der Erinnerungskultur? Wie wollen wir Deportationen in Zukunft vergegenwärtigen?

Mit der Initiative #DeportationenSichtbarMachen des Geschichtsortes Villa ten Hompel wird ab Freitag, 10. Dezember 2021, auf die Deportationen im Nationalsozialismus öffentlich aufmerksam gemacht. Sprühkreide-Zeichen im Stadtraum lassen historisches Geschehen für begrenzte Zeit näher rücken. Daneben sind alle aufgefordert, sich digital über Instagram und Twitter über das historische Geschehen und Formen des Gedenkens auszutauschen:

Wie wollen wir die Deportationen künftig vergegenwärtigen? Welche Stimmen fehlen bislang? Braucht es neue Formen der Vergegenwärtigung der Verfolgten? Wie konfrontieren wir uns mit den Täterinnen und Tätern, Nutznießerinnen und Nutznießern? Was genau sind die Gegenwartsbezüge?

Die Villa ten Hompel ermuntert alle Interessierten, vor Ort in der Stadtöffentlichkeit als auch mit Social Media-Beiträgen unter dem Hashtag #DeportationenSichtbarMachen eigene, auch individuelle Formen der Vergegenwärtigung zu präsentieren – in Münster und weit darüber hinaus.

Warum beginnt #DeportationenSichtbarMachen am 10. Dezember?

Vor 80 Jahren, am 10. Dezember 1941, wurden in Münsters Gastwirtschaft „Getrudenhof“ an der Warendorfer Straße etwa 400 Menschen gegen ihren Willen festgehalten: Polizei konzentrierte als Juden markierte Deutsche u.a. im Tanzsaal. Erst drei Tage später, am 13. Dezember 1941, erfolgte ihre Deportation vom Güterbahnhof nach Riga, ins Ghetto, zur Zwangsarbeit, zur Massenerschießung. Weitere Deportationen nach Riga und in das Ghetto Theresienstadt folgten im Jahr 1942. Nur wenige der Verfolgten überlebten.

Was bald ein Massenmord im Osten Europas wurde, war amtlich in kleinen Schritten im Vorfeld vorbereitet worden; auch hier in Münster, dem „Schreibtisch Westfalens“. Verschleppt wurden diese Bürgerinnen und Bürger helllichten Tag. Es gab viele Augenzeugen, kaum Protest. Die Juden seien „unbekannt verzogen“, wurde in Akten vermerkt.

Seit 80 Jahren fehlen im Münsterland diese Menschen und Familien. Wir wollen diesen Verlust temporär sichtbar machen: Mit Hilfe von Schablonen wurden am Vormittag des 10. Dezember 2021 mit Kreide viele Kreise auf Fußgänger- und Radwege im Umfeld der „Getrudenhofs“ gesprüht. Diese symbolisierten die „Standfläche“ je eines Menschen, der deportiert worden ist. Fußabdrücke zum Güterbahnhof markierten symbolisch den Deportationsweg.

Vor Ort erzählten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Villa ten Hompel vom historischen Geschehen und über das, was wir über die Deportierten biografisch heute noch wissen – und was wir (noch) nicht wissen.

Doch die Aktion ist noch nicht beendet: Wir möchten auch zu weiteren Terminen Zeichen setzen und laden alle ein, sich - mit gebotenem Abstand und Maske - an der Irritation im öffentlichen Raum zu beteiligen, Fragen zu stellen und nach Antworten zu suchen.

Es geht um Antisemitismus, Diskriminierung und Verfolgung, es geht um Geschichte in der Gegenwart, es geht um Geschichte, die nicht abschließbar ist und uns auch darum etwas angeht. Wir freuen uns daher auf alle, die mitgestalten, sich austauschen über die Geschichte der Deportationen und warum sie uns auch 80 Jahre danach beschäftigen. Beiträge auf Instagram und Twitter sind unter #DeportationenSichtbarMachen sehr willkommen.  



Eindrücke der Aktion im Dezember 2021


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Kontakt

Geschichtsort Villa ten Hompel
Kaiser-Wilhelm-Ring 28
48145 Münster

Tel. 02 51/4 92-71 01
Fax 02 51/4 92-79 18



So sind wir zu erreichen:

Per Bus mit der Ringlinie 33 und 34 (Haltestelle: Villa ten Hompel)

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