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Ausschnitt eines alten Stadtplans von Münster aus dem Jahre 1862
 
Straßenschild Ringoldgasse
 
 
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Agnes-Miegel-Straße

Stadtbezirk:Münster-Ost
Statistischer Bezirk: Mauritz-Ost
Entstehung: 1960
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Agnes Miegel ostpreußische Dichterin, Schriftstellerin und zeitweise Journalistin.
* 09.03.1879 in Königsberg
† 26.10.1964 in Bad Salzuflen

    • Eintrag in der  Neuen Deutschen Biographie  Agnes Miegel

    "Ich wende mich täglich mehr dieser neuen Zeit zu.
    Sie ist für Deutschland, am allermeisten aber für uns im Ostland nicht nur
    der neue Weg - sondern der einzige Weg."
    (Agnes Miegel, 1933)

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    Agnes Miegel erhält den Goethe-Preis, 1940

    Empfehlung der Kommission Straßennamen

    Die Kommission hat in ihrer abschließenden 4. Sitzung am 15. Juni 2011 zusammengefasst folgende Empfehlung abgegeben:

    "Die Kommission empfiehlt einstimmig die Umbenennung der Agnes-Miegel-Straße. Ausschlaggebend für die Empfehlung der Umbenennung war die Bewertung, dass Agnes Miegel eine Stütze des NS-Regimes im Bereich Kultur war und den „Führer“ in ihren Werken verherrlichte."

    Die Bezirksvertretung Ost fasste in ihrer Sitzung am 23. August 2012 den Beschluss, dass die Agnes-Miegel-Straße nicht umbenannt wird. 

    Agnes Miegel und der Nationalsozialismus

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    Agnes Miegel legt 'Gelöbnis treuester Gefolgschaft' ab, 1933

    Politische Mitgliedschaften
    1937: Beitritt NS-Frauenschaft
    1940: Eintritt in die NSDAP (Mitgliedsnummer: 845438)

    "Ich traue auf Gott und den Führer, - nicht so kindlich-bequem, wie Viele es tun, sondern so, wie man als Deutscher und Ostgermane dem Schicksal vertraut." (Agnes Miegel an Hans Friedrich Blunck am 15.05.1939)
    Die Machtübernahme der Nationalsozialisten bedeutete einen Umschwung in Leben und Werk Agnes Miegels. In einem Brief an Hans Friedrich Blunck vom November 1933 schrieb sie von der großen "Idee, in der wir nun alle leben." (Zitiert nach Küchmeister, 282) "Die Dichterin, die die Wiedergeburt Deutschlands begeistert begrüßt hat", (Kieler Zeitung 7.3.1944) war eine systemkonforme Schriftstellerin, die auch in der nationalsozialistischen Öffentlichkeit eine wichtige Funktion innehatte.

    Schon im Oktober 1933 nahm sie die Berufung in den Vorstand der Sektion für Dichtung der Preußischen Akademie der Künste an. Politisch unliebsame Autoren waren vorab ausgeschlossen worden. Dessen Hauptaufgabe war es laut der Literaturwissenschaftlerin Inge Jens "als 'Wahrer des deutschen Schrifttums' das ihre zum Aufbau des neuen Staates beizutragen und sich in Huldigungsadressen, Aufrufen und Erklärungen öffentlich zu Führer, Volk und Vaterland zu bekennen." (Jens, S. 263) Ende Oktober 1933 unterzeichnete sie ein in Zeitungsanzeigen verbreitetes "Gelöbnis treuester Gefolgschaft" auf Adolf Hitler.

    "Denn ich bin Nationalsozialist."

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    Agnes Miegel in einem Band des NSLB Breslau, o. D.

    Anders als vielfach behauptet nahm sie Anteil an der politischen Veränderung. Das belegt ihr privater Briefwechsel mit Hans Friedrich Blunck (NS-Schriftsteller und Kulturpolitiker). In einem Brief an Blunck vom September 1934 legte sie ein Bekenntnis zum Nationalsozialismus ab:

    "Der Nationalsozialismus trat erst in mein Leben, als er andere schon lange erfüllte. Das ist eine Schuld – und ich habe es gebüßt durch die vielen inneren, nicht nur inneren Kämpfe, durch die ich dann in gedrängter Zeit gehen musste: [...] Durch ein Hinauszögern und ein Grauen dafür, mit mir Ungleichen als Gelegenheitsjäger zu scheinen, stehe ich ausserhalb der Partei, der ich nur durch den RDS [Reichsverband des deutschen Schrifttums] und die Volkswohlfahrt angehöre. Vielleicht ist dies, was ich als eine Art Busse für mein spätes Aufwachen ansehe, das Richtige für mich, vielleicht wirkt mein Einstehn dann überzeugender auch auf Andere. – Denn ich bin Nationalsozialist."

    In weiteren Zeilen reflektierte Agnes Miegel ausführlich ihren politischen Wandel zur Nationalsozialistin:
    "Zuerst ging ich diesen Weg [...], weil ich immer dem alten Mann von Tannenberg [Paul von Hindenburg] gefolgt bin, in guten und auch in schweren Tagen. Dann aber immer tiefer ergriffen und jetzt so sehr in mir verwandelt, dass es wie ein Umschmelzen war. Nicht dass ich’s mit irgend welchem Ueberschwang bin, das liegt meiner Art nicht, dazu sind meine Gefühle zu tief. [...] Wenn ich über meine Heimat und ihr Geschick etwas glaube, so ist es das: Wir werden ein nationalsozialistischer Staat sein – oder wir werden nicht sein! Und das wäre der Untergang nicht nur Deutschlands – es wäre der Untergang des weißen Mannes. – In dem Augenblick, als ich das ganz klar erkannte – [...] da war ich bereit, für diesen Glauben nicht nur zu leben – auch (und ich kann sagen, da war ich gewiß) dafür zu sterben." (Zitiert nach Küchmeister, S. 284)

    Agnes Miegel analysierte sehr genau die Entwicklung ihrer politischen Einstellung vom Nationalkonservatismus Hindenburgscher Prägung hin zum Nationalsozialismus. Damit widerlegte sie eigenhändig die ihr häufig zugesprochene Naivität in politischen Zusammenhängen. Auch ihr Briefpartner Blunck erkannte dies und bezeichnete ihre Worte zum Nationalsozialismus als "so prächtig", dass er "einen kleinen Auszug an den Freund Rudolf Hess [...] senden möchte".(Zitiert nach Küchmeister, S. 284, siehe auch Stadthaus)

    Ihren späten Eintritt in die NSDAP im Jahr 1940 begründete sie Blunck gegenüber auch. Sie habe Respekt und Bewunderung vor den "alten Kämpfern", ein schlechtes Gewissen für ihr "spätes Erwachen" und glaubte, sich erst bewähren zu müssen. Sie wollte nicht als "Gelegenheitsjägerin" gelten. (Zitiert nach Küchmeister, S. 284)

    "Laß in deine Hand, Führer, uns vor aller Welt bekennen"

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    Agnes Miegel 'An den Führer', 1938

    Der Dank des Regimes für ihren Einsatz äußerte sich in zahlreichen Würdigungen und Ehrungen. Walther Killy (1990) spricht von ihr, als einer "von den Nationalsozialisten mit Ehrungen überhäuft[en]" Autorin, die "sich öffentlich immer wieder zum NS-Staat" bekannt habe.

    Das literarische Werk der Miegel änderte sich nach 1933. Es vollzog sich ein Wandel "vom Heldischen zum Hymnischen, vom ichbezogenen Lied zum wirbezogenen Valterlandslied; und je mehr sie die ostpreußische Dichterin zu werden schien, um so mehr wuchs sie in das gesamtdeutsche Schrifttum hinein." (Brief Blunck an Miegel, zitiert nach Küchmeister, 286)

    In ihrem schriftstellerischen Werk finden sich begeisterte Führer- und Kriegsgedichte. Die Adolf Hitler gewidmeten Gedichte: "Dem Führer!" (1936), "An den Führer" (1938) huldigten ihm mit den Worten: "Du bist aller Zukunft Herz und Pfand!" oder "Laß in deine Hand, Führer, uns vor aller Welt bekennen; Du und wir, nie mehr zu trennen stehen ein für unser deutsches Land." oder "Übermächtig füllt mich demütiger Dank, dass ich dieses erlebe, Dir noch dienen kann."
    Dem Gedichtband zum 50. Geburtstag Hitlers steuerte sie das Gedicht "Dem Schirmer des Volkes" bei, das identisch mit dem früheren Gedicht "Dem Führer!" ist.

    "Dienen an der deutschen Sache"

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    Gedicht Miegels in der Zeitschrift N.S.-Frauen-Warte, Mai 1937

    Nach 1933 trat Miegel öffentlich als nationalsozialistische Dichterin in Erscheinung: Ihr kulturpolitischer Einsatz für das Dritte Reich äußerte sich in propagandistischen Texten auf nationalsozialistische Führungspersönlichkeiten sowie für Frauen- und Jugendorganisationen. Schon im September 1934 beschrieb sie, was für sie Mitkämpfen für die große Idee bedeutete. Die Zielgruppe für die sich nun einsetzen wollte, waren die Frauen und die Jugend. "Ich habe einen sehr starken Eindruck von der Frauenschaft und Jugendarbeit gewonnen [...], von ihrem freudigen Dienen an der deutschen Sache." (Zitiert nach Küchmeister, 283)
    Agnes Miegel schrieb für den Bund Deutscher Mädel. Sie verfasste 1936 einen Beitrag zu einer Propagandaschrift des BDM "Mädel im Kampf". Auch zur nationalsozialistischen Frauenzeitung "NS-Frauen-Warte" steuerte sie 1937 ein Gedicht bei. Der Beitrag "Mutterherz" steht ganz im Sinne des überhöhenden NS-Muttermythos.

    Miegel pries öffentlich nationalsozialistische Repräsentanten. So widmete sie 1939 ihr propagandistisches Gedicht "An die Reichsfrauenführerin Scholtz-Klink" der NS-Frauenpolitikerin und pries ihr Wirken: "Laß mit den andern Schwestern heute mich kommen, / Dir zu danken für diese Jahre des Wirkens, / Dir zu danken, daß Du so weise uns alle / Eingebaut in das Werk, das alle vereinte!" Sie glorifizierte darin erneut die "arische" Muttergestalt: "Haus, das der Führer für uns wie ein Vater erbaut hat / Das für uns Frauen dann Du, die Frau, so wohnlich gestaltet/[... ] / Daß sie freudig dem großen Gedanken dienen, / Wie Du es vorlebst." Endend mit "Und zu verströmen dafür und freudig zu dienen, / In dem Werk, das Du für uns alle gefügt hast." (Zitiert nach Thalmann, S. 111)

    Ihren linientreuen Werken verdankte sie die Aufnahme in Sammelbände wie das von Hans Friedrich Blunck herausgegebene "Deutschlandbuch". "Ihr Beitrag [sei] im Kreis der führenden deutschen Namen unentbehrlich." (Küchmeister, S. 284)

    "Ich habe so ein felsenfestes Vertrauen in den Führer, er wird uns halten."

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    Agnes Miegel 'An Deutschlands Jugend', 1939

    Diese Zeilen schrieb Agnes Miegel im Juli 1944. Noch immer glaubte sie an den militärischen Sieg und an Adolf Hitler. Als Poetin des Zweiten Weltkrieges hatte sie die Kriegspolitik des Dritten Reiches von Anfang an stark unterstützt. Ihre Kriegseuphorie drückte sie 1940 im Gedichtband "Ostland" aus. Enthalten ist der kriegerische Appell "An die deutsche Jugend". Der Band ist voller Pathos und rühmt wiederum Hitler: "Übermächtig füllt mich demütiger Dank, / dass ich dieses erlebe, / Dir noch dienen kann, dienen den Deutschen / Mit der Gabe, die Gott mir verlieh!" Ihre Gabe lag im dichterischen Einsatz für den Nationalsozialismus.

    Mit ihrer dichterischen "Gabe" unterstützte sie die nationalsozialistische Kriegspolitik. Das Gedicht "An Deutschlands Jugend" unterstützte die NS-Kriegspropaganda. Sie appellierte an Kampfesmut und Opferbereitschaft. Sie forderte die Jugend auf, "folgend dem Ruf des Führers" sich dem Vaterland im Krieg zu opfern: "Und wir sehn Dich, Jugend, uns herrlich vorangehn! / Wagend den frühen Kampf, – die einen im Felde, /Knaben, gefallener Brüder Antlitz tragend, / Junge Saat, gestreut in die Furchen der Erde,[...]" Abgedruckt wurde das Gedicht auch in Sammelbänden. Es fand sich beispielsweise in einer "Sammlung junger Kriegsdichtung", die vom Reichsjugendführer Axmann mit dem Titel "Vom Wehrhaften Geiste" im Kriegsjahr 1944 herausgegeben wurde.

    Die kulturpolitische Wirkung Miegels sah auch Hans Friedrich Blunck. Nachdem er die Ostlandgedicht gelesen hatte, schrieb er ihr 1940: "Wie herrlich, wie wundervoll, dass eine deutsche Landschaft so durch den Mund einer Frau so zum Reich, zum Ganzen des Volks sprechen kann." (Zitiert nach Küchmeister, 285)

    Ihre Unterstützung der NS-Kriegspolitik wurde als wichtig erachtet. Dies zeigt die Korrespondenz zwischen Hanns Johst und Propagandaminister Goebbels von 1940, aus der hervorgeht, dass "das aufrüttelnde Erlebnis unserer Tage den packendsten und künstlerisch reifsten Ausdruck" in Miegels Ostland-Gedichten gefunden hätte. (BA RK/D 0055)

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    Publikation 'Deutsche Kriegsweihnacht' mit Gedicht Miegels,
    1944 (Sammlung Löckener)

    Bis zur endgültigen Kapitulation des Dritten Reiches hielt Miegel an ihrer Treue zum Regime fest. In einer NSDAP Propagandaschrift verfasste sie zur "Kriegsweihnacht" 1944 eine letzte Hitler-Huldigung: "O du, der uns bewacht, sieh in der dunklen, stillen, / der heil’gen Weihnachtsnacht mein Volk voll gutem Willen / geschwisterlich vereint, in deinem Lichte stehend."

    Noch kurz vor Kriegsende war ihr Führervertrauen auch privat ungebrochen. Sie fürchtete zwar, ihre Heimat verlassen zu müssen, hoffte aber weiter auf den Sieg. "Aber ich habe so ein Gefühl, daß es dahin nicht kommt, ich habe so ein felsenfestes Vertrauen in den Führer, er wird uns halten. Immer wieder brandet Rußland an – aber der Sieg wird uns doch bleiben." (Aus einem Brief an Hans Friedrich Blunck im Juli 1944, zitiert nach Steffen Stadthaus)

    Agnes Miegel nach 1945

    "Dies habe ich mit meinem Gott alleine abzumachen und mit niemand sonst."

    Nach ihrer Flucht aus Ostpreußen und einem längeren Aufenthalt bis Ende 1946 im Flüchtlingslager in Dänemark ließ sich Agnes Miegel in Bad Nenndorf nieder. In einem Brief an Hans Friedrich Blunck erinnerte sie sich 1947 "immer noch mit Dank an jene große Schicksalgemeinschaft". (Küchmeister, 288) 1949 wurde sie von deutschen Behörden als "entlastet (Kategorie V)" entnazifiziert. Bürgen ihrer angeblich nicht NS-konformen Haltung waren u.a. dem Nationalsozialismus nahe stehende Personen wie Hans Grimm und Ina Seidel. Ihre NS-Vergangenheit tabuisierte Agnes Miegel. Sie sah sich als unpolitische Dichterin und erklärte ihr Eintreten für den Nationalsozialismus mit ihrer Sorge um ihre Heimat Ostpreußen. Gefragt nach ihrer NS-Vergangenheit, gab sie nach 1945 an: "Dies habe ich mit meinem Gott alleine abzumachen und mit niemand sonst."

    Zwei Mal wurde Agnes Miegel in den 1950er Jahren für den Verdienstorden der Bundesrepublik Deutschland vorgeschlagen. Der zuständige Ministerialrat des Bundespräsidialamtes riet zum Verzicht. Zwar wisse der Bundespräsident Theodor Heuss um den literarischen Wert der Agnes Miegel, aber "unvergessen ist der überschwängliche Dithyrambus [Weihelied], den sie auf Adolf Hitler gedichtet hat". Agnes Miegel hatte auch eine lyrische Huldigung auf Theodor Heuss verfasst. "Dr. Heuss wünscht [...] nicht, dass irgendwann diese beiden Gedichte einmal gemeinsam in einem Sammelband auftauchen."

    Auf der einen Seite wurde sie als "Mutter Ostpreußens" verehrt und von verschiedenen Seiten vielfach für ihr Lebenswerk ausgezeichnet. Schulen und Straßen wurden nach ihr benannt. Die neu gegründete Agnes-Miegel-Gesellschaft pflegt ihr Andenken. In Münster wurde die Agnes-Miegel-Plakette verliehen. Auf der anderen Seite rief sie immer wieder Protest und Ablehnung hervor, etwa als das Gymnasium in ihrem langjährigen Wohnort Bad Nenndorf 1969 nach ihr benannt werden sollte.

    In der Fachliteratur lassen sich verschiedene Autoren finden, die die Nähe Agnes Miegel zum Nationalsozialismus bestätigen. Sie bezeichnen die Autorin als "Vertreterin einer nationalsozialistischen Frauenkultur" (Goedle von der Decken, 1988), als antidemokratische Schriftstellerin und systemkonforme Vorzeigedichterin, deren literarisches Werk von der NS-Ideologie durchdrungen sei (Angelika Döpper-Henrich, 2004). Eva-Maria Gehler (2010) meint, dass Werk und Verhalten von Agnes Miegel Miegels Werk eine deutliche Nähe zum Nationalsozialismus aufzeigte.

    Die Fraktion der Miegel-Verehrer, insbesondere auch die Agnes-Miegel-Gesellschaft beschreibt sie als unpolitische oder politisch naive Autorin. Dazu zählt auch ihre frühe Biografin Anni Piorreck. Die jüngste Aufsatzsammlung zu Agnes Miegel meint, dass bei der 1933 bereits 54 Jahre alten Autorin nationalsozialistische "Gedanken und Lebenseinstellungen der Dichterin keine wirkliche Grundlage besessen hätten". (Leidinger, 2011, Zitiert nach Stadthaus) Auf dieser Linie bewegt sich auch das Urteil der Vorsitzenden der Agnes-Miegel-Gesellschaft, Marianne Kopp, die mehrere Publikationen zur Autorin vorgelegt hat.

    Agnes Miegel muss als Person des öffentlichen Lebens angesehen werden, die nach außen hin aktiv den Nationalsozialismus vertreten hat, die gerade bei den Frauen und in der Jugend für ihn geworben hat und die für den Nationalsozialismus eine wichtige Symbolfigur war. (u.a. Gutachten Matzerath)

    Zur Person Agnes Miegel

    Lebenslauf

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    Agnes Miegel bei einer Dichterlesung, 1942

    1885–1894: Höhere Töchterschule in Königsberg

    1898: Herausgabe eines Bandes, verfasst Balladen und Erzählungen

    1901: erster Balladenband sowie Gedichtband

    1907: "Balladen und Lieder"

    Ab 1902: Ausbildung als Lehrerin

    1920–1926: Leiterin des Feuilletons der Ostpreußischen Zeitung, danach freie Schriftstellerin

    1926: "Geschichten aus Alt-Preußen"

    1933: "Die Fahrt der sieben Ordensbrüder"

    seit 1933: Vorstandsmitglied der Deutschen Akademie der Dichtung der Preußischen Akademie der Künste.

    Oktober 1933: Unterzeichnung "Treuegelöbnis" deutscher Schriftsteller für Adolf Hitler

    1934: Unterzeichnung des "Aufruf der Kulturschaffenden" zur Vereinigung des Reichskanzler- und des Reichspräsidentenamtes in der Person Hitlers.

    1936: "Noras Schicksal. Erzählungen."

    1940: Gedichtband "Ostland"

    1945: Flucht

    Bis Ende 1946: Flüchtlingslager in Dänemark

    1948: Umzug nach Bad Nenndorf

    Ehrungen

    1916: Kleist-Preis

    1924: Ehrendoktorwürde der Königsberger Universität

    1936: Herderpreis

    1939: Goldenes Ehrenzeichen der HJ

    1939: Königsberger Literaturpreis

    1940: Goethe-Preis der Stadt Frankfurt am Main. Bei der Verleihung wird sie als "Künderin deutschen Wesens" bezeichnet, die für die Wiedergeburt deutscher Art gewirkt habe. (Fink, 626)

    1940: Ehrendoktorwürde der Universität Königsberg

    1942: Aufnahme in die „Sonderliste der sechs unersetzlichen Schriftsteller“ der Liste der gottbegnadeten Künstler

    1942: Erstmalige Verleihung eines Siegelrings durch Gauleiter und Reichsstatthalter Albert Forster als Präsident des "Kulturwerks Deutsches Ordensland"

    1944: Aufnahme in die Sonderliste der sechs wichtigsten Schriftsteller innerhalb der "Liste der gottbegnadeten Schriftsteller des Deutschen Reichs"

    1957: Ehrenplakette des Ostdeutschen Kulturrats

    1959: Literaturpreis der Bayerischen Akademie der Schönen Künste

    29.11.1960: Straßenbenennung in Münster

    1961: Westpreußischer Kulturpreis

    Ehrensold durch die Städte Hameln und Duisburg

    1979: Sonderbriefmarke der Bundespost

    Quellen und Publikationen

    Quellen:
    Bundesarchiv Berlin (ehem. Berlin Document Center) 3200/O 0078 (NSDAP-Ortskartei)
    Bundesarchiv Berlin (ehem. Berlin Document Center) RK/B 0131
    Bundesarchiv Berlin (ehem. Berlin Document Center) RK/D 0055
    Bundesarchiv Koblenz B 122/38577 – VL 269
    Landesarchiv Niedersachsen – Hauptstaatsarchiv Hannover VE 6794
    Landesarchiv Niedersachsen – Staatsarchiv Bückeburg Dep. 46 B acc. 58/96 Nr. 5
    Deutsches Literaturarchiv Marbach, Nachlass Agnes Miegel und Mediendokumentation Agnes Miegel
    Westfälische Tageszeitung, Münster, Nr. 67, 09.03.1944
    Stadt- und Landesbibliothek Dortmund, Autorendokumentation

     

    Publikationen:

    • Hans-Jürgen Döscher, Gutachten zu Agnes Miegel, 2008.
    • Adolf Fink, In: Peter Hahn (Hg.), Literatur in Frankfurt, Frankfurt am Main 1987.
    • Hans-Heinrich Holland, Miegel – Propagandistin des NS-Regimes, 2. Korrigierte u. ergänze Auflage, 7/2001.
    • Inge Jens, Dichter zwischen rechts und links. Die Geschichte der Sektion für Dichtkunst an der Preußischen Akademie der Künste, dargestellt nach Dokumenten, Frankfurt/Wien 1994.
    • Walther Killy (Hg.), Literaturlexikon. Autoren und Werke deutscher Sprache, Bd. 8, Gütersloh/München 1990, S. 159-160.
    • Kornelia Küchmeister, Ostpreußische Spuren in einem schleswig-holsteinischen Nachlaß. Aus dem Briefwechsel Agnes Miegels mit Hans Friedrich Blunck. In: Dieter Lohmeier und Renate Paczkowski (Hrsg.), Landesgeschichte und Landesbibliothek. Hans F. Rothert zum 65. Geburtstag, Heide in Holstein 2001, S. 279-290.
    • Ernst Klee, Das Personenlexikon zum Dritten Reich. Wer war was vor und nach 1945?, Frankfurt a. M. 2003, S. 411.
    • Ernst Klee, Das Kulturlexikon zum Dritten Reich. Wer war was vor und nach 1945?, Frankfurt a. M. 2007, S. 409f.
    • Horst Matzerath, Stellungnahme zu Agnes Miegel, 2010.
    • Hans Sarkowicz/Alf Mentzer, Literatur in Nazi-Deutschland. Ein biographisches Lexikon, Hamburg u.a. 2000.
    • Steffen Stadthaus, Agnes Miegel, fragwürdige Ehrung einer nationalsozialistischen Dichterin im öffentlichen Raum. Eine Rekonstruktion ihres Wirkens im Dritten Reich und in der Nachkriegszeit. In: Matthias Frese (Hg.), Fragwürdige Ehrungen!? Straßennamen als Instrument von Geschichtspolitik und Erinnerungskultur, Münster 2012, S. 151-178. (Freundlicherweise vorab zur Verfügung gestellt.)
    • Rita Thalmann, Frausein im Dritten Reich, München 1984.

    Nicht zu Lebzeiten!

    Straßenbenennungen nach Personen werden grundsätzlich erst dann beschlossen, wenn die Person verstorben ist. Bei insgesamt etwa 600 Straßen in Münster, die nach Personen benannt sind, hat es allerdings mehr als ein Dutzend Ausnahmen gegeben.
    Es sind:

    In Mauritz-Ost gibt es ein Gebiet mit 17 Straßennamen aus dem Themenbereich Dichter. Es sind die Straßennamen
    Adalbert-Stifter-Straße, Agnes-Miegel-Straße, Brentanoweg, Castelleweg, Clara-Ratzka-Weg, Franz-Grillparzer-Weg, Gerhart-Hauptmann-Straße, Heinrich-Lersch-Weg, Hermann-Sudermann-Straße, Hilleweg, Ludwig-Anzengruber-Weg, Natz-Thier-Weg, Paul-Keller-Straße, Peter-Rosegger-Weg, Stehrweg, Temmeweg und Theodor-Fontane-Straße.

    Gehört zum Thema: