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Jüdische Familien in Münster - Sammlung Gisela Möllenhoff und Rita Schlautmann-Overmeyer
Das Projekt
© Villa ten Hompel
Das Projekt „Jüdische Familien in Münster“ entstand infolge der von der Volkshochschule Münster und der „Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit Münster“ initiierten Ausstellung „Geschichte der Juden in Münster“ (1987/88), an der Gisela Möllenhoff und Rita Schlautmann-Overmeyer mitwirkten. Danach recherchierten sie auf persönliche Initiative (und Kosten) im In- und Ausland weiter. Nach einem Ratsbeschluss der Stadt Münster 1991 erfolgte die Anbindung des Projekts an das Stadtarchiv Münster, das mit der Universität und der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit Münster kooperierte. 1995 bis 2001 publizierten die Autorinnen das dreibändige Werk „Jüdische Familien in Münster“. Nach dem Erscheinen des prosopographisch-biographischen Lexikons wurden in den Teilbänden 2,1 und 2,2 verschiedene Themen in Einzelaufsätzen dargestellt, ergänzt durch bislang unveröffentlichte Fotos und andere Dokumente aus Privatbesitz sowie durch ausführliche Interviewpassagen. Die Autorinnen gingen kleinsten Spuren nach, um am Ende mit dem so entstandenen Puzzle (1.800 Seiten) jüdisches Leben in der Stadtgesellschaft in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts veranschaulichen zu können.
Die Sammlung
Brief von Henny Waldeck an Kurt May, Februar 1939 © Villa ten Hompel Dep. 446, Sammlung G. Möllenhoff/R. Schlautmann-Overmeyer (Kopie)
Recherchen führten sie in Archive im In- und Ausland (z.B. Israel, Niederlande, Polen, Tschechien und USA). Bedeutendster Teil der Sammlung sind Ego-Dokumente, u.a. Kopien von Zeugnissen, Personenstandsurkunden, Lebensberichten, Tagebüchern und Stammbäumen. Weltweit kontaktierte und teilweise persönlich aufgesuchte Emigrant*innen stellten außerdem ca. 1.100 Briefe zur Verfügung, die zumeist Eltern an ihre emigrierten Kinder geschickt hatten. Überwiegend liegen sie in Kopie vor; alle sind transkribiert und in einer Datenbank recherchierbar. Die Sammlung umfasst zudem ca. 1.500 Fotos (zumeist in Kopie), ferner ca. 80 lebensgeschichtliche Interviews, die alle transkribiert wurden. Darin wird von Ungerechtigkeit und Willkür berichtet, über das Alltagsleben, über Freund*innen und eine oft glückliche Kindheit.
Das über mehr als vierzig Jahre von den Autorinnen gesammelte Material veranschaulicht u.a. die Funktionsweise des NS-Staates. Die Bildquellen bieten Einblick in den privaten und öffentlichen Raum, in dem sich jüdische Menschen bewegten bzw. bewegen mussten. Da in Zukunft die Möglichkeit fehlen wird, persönlich Zeitzeug*innen zuzuhören, bieten die Berichte der Überlebenden die Chance, anhand der lokalen Bezüge ihre Lebenswege nachzuverfolgen.
Der Vorlass
Der Vorlass der beiden Historikerinnen befindet sich seit einigen Jahren in der Villa ten Hompel (Dep. 446: Sammlung Gisela Möllenhoff / Rita Schlautmann-Overmeyer) und wird von Rita Schlautmann-Overmeyer mit Unterstützung von Dr. Christoph Spieker archiviert und inventarisiert. Recherchen sind nach Rücksprache vor Ort möglich.
- Gisela Möllenhoff / Rita Schlautmann-Overmeyer, Jüdische Familien in Münster 1918-1945: Biographisches Lexikon, Münster 1995: Es enthält 500 biographische Skizzen (davon 400 mit Fotos) ehemaliger Einwohner Münsters jüdischer Konfession oder Herkunft aus den Jahren 1918 bis 1945 – einschließlich ihrer in anderen Orten ansässigen Angehörigen.
- Gisela Möllenhoff / Rita Schlautmann-Overmeyer, Jüdische Familien in Münster 1918-1945, Teil 2,1: Abhandlungen und Dokumente 1918-1935, Münster 1998: Thematisiert werden u.a. der Umgang von Juden und Christen miteinander, die Vielfalt der Anschauungen und Lebensformen der jüdischen Minorität im Übergang vom demokratischen politischen System der Weimarer Republik zur nationalsozialistischen Diktatur mit ihrer rassistischen Weltanschauung.
- Gisela Möllenhoff / Rita Schlautmann-Overmeyer, Jüdische Familien in Münster 1918-1945, Teil 2,2: Abhandlungen und Dokumente 1935-1945, Münster 2001: Dieser Teilband setzt mit der Radikalisierung der Verfolgungsmaßnahmen ein und schildert in Einzeldarstellungen die Situation der Münsteraner Juden. Den Abschluss bilden Rückblicke von Überlebenden.
Die drei Bände sind in der Bibliothek der Villa ten Hompel einsehbar.
Eine Rezension finden Sie auf HSozKult.
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