Salman Rushdie: Knife
Gedanken nach einem Mordversuch
„Am 12. August 2022, einem sonnigen Freitagmorgen um Viertel vor elf, wurde ich von einem jungen Mann mit einem Messer angegriffen und beinahe getötet“. So beginnen Salman Rushdies „Gedanken nach einem Mordversuch“, eine literarische Verarbeitung des mörderischen Anschlags gegen ihn, ein Vermächtnis der Fatwa, die das iranische Regime vor mehr als dreißig Jahren wegen seines Romans „Die satanischen Verse“ ausgesprochen hatte.
Salman Rushdie überlebt den Anschlag und verarbeitet die Tat zu einer Geschichte über Angst, Dankbarkeit und den Kampf für Freiheit und Selbstbestimmung. „Auf Gewalt wollte ich mit Kunst antworten“, ist seine Strategie. Und er beschreibt detailliert und nicht ohne Humor, wie er das Attentat und die nachfolgende Zeit der Rekonvaleszenz erlebt hat – mit all den Gedanken zu seiner persönlichen Situation und zum politischen und gesellschaftlichen Umfeld, die ihm zwischendurch durch den Kopf gingen. Und mit einem imaginären Gespräch mit dem islamistischen Attentäter, dem er vorhält: „Sie konnten es mit dem Morden versuchen, weil Sie nicht zu lachen wussten.“
Letztlich versteht Rushdie sein – sehr persönliches – Werk als Abrechnung, als Möglichkeit für den „Fast-Ermordeten“, mit dem Mordversuch und allem, was daraus folgte, klarzukommen. Er ordnet das Attentat ein in die religiös motivierte Gewalt, die auch andere Autor*innen erleben mussten. Seine Schlussfolgerung betont die lebensbejahende Macht der Literatur: „Wir dürfen uns von Terror nicht terrorisieren lassen. Gewalt darf uns nicht vom Weg abbringen.“