Jonas Hassen Khemiri: Die Schwestern
Die drei Schwestern könnten in Temperament und Lebensentwürfen kaum unterschiedlicher sein – Ina plant minutiös und in die Zukunft, Evelyn lebt fest in der Gegenwart, Anastasia fällt es schwer, sogar dort anzukommen. Sie leben sich auseinander und halten doch zusammen. Sie faszinieren den autofiktionalen Erzähler ebenso wie die Leser*innen – als Trio und jede im Kontrast zu ihren Schwestern. Der Zufall durchkreuzt ihre Pläne und öffnet Türen, die sie beherzt durchschreiten.
Der Erzähler trifft und verliert sie mehrmals und sucht nach ihnen, insgesamt begleitet das Buch die Protagonist*innen von der Kindheit bis zum mittleren Alter.
Jonas Hassen Khemiri erzählt auf packende Weise vom Aufwachsen als Halbtunesier*innen in Schweden. Er schildert, was es für junge Menschen bedeutet, wenn der Vater verschwindet oder früh stirbt. Er beleuchtet die Spannungen zwischen Eltern und Kindern, familiären Zusammenhalt und dessen Auflösung, den Konflikt zwischen Aberglaube und Moderne sowie die Versuche der Menschen, diese Gegensätze zu überwinden.
Ein bewegendes, tiefgründiges und zugleich lustiges Buch auf 736 Seiten.