Siri Hustvedt: Mütter, Väter und Täter
Siri Hustvedt ist eine amerikanische Autorin, die in Deutschland häufiger gelesen wird als in den USA – seit der Machtergreifung durch Donald Trump dort vermutlich noch weniger. Sie verkörpert vieles, was der Präsident ablehnt, und positioniert sich entschieden gegen ihn.
Hustvedt ist eine „Universalgelehrte“: Sie schreibt Romane und wissenschaftliche Abhandlungen mit gleicher Meisterschaft. Zentrales Anliegen ihrer Essays ist es, Natur- und Geisteswissenschaften in ein produktives, auch konflikthaftes Gespräch zu bringen. Geschlechterfragen stehen dabei stets im Mittelpunkt. Sie bezeichnet sich als Feministin, weil sie die Ausgangslagen von Frauen und Männern als teils extrem ungerecht empfindet. Ihre Texte benennen offen Misogynie und weibliche Autoritätsverweigerung.
Ihr verstorbener Ehemann Paul Auster nannte sie ein Genie. Hustvedt folgt Einsteins Motto, die Dinge so einfach wie möglich, aber nicht einfacher zu machen. Ihre Sprache ist zugänglich, ohne Vereinfachung zu erzwingen; manche Themen verlangen Anstrengung. Entsprechend antwortet sie in Interviews oft: „Well, it’s more complicated“.
Die Essays sind unterschiedlich lang und anspruchsvoll. „Ein Spaziergang mit meiner Mutter“ wirkt persönlich und leicht, „Was will der Mann?“ fordert konzentriertes Lesen. Auf einen Anmerkungsapparat verzichtet sie, nennt aber ihre wichtigsten Quellen.
Die Lektüre klärt Gedanken, eröffnet „Neuland“ und macht aufmerksam auf die „Verlorenen, Ungesehenen und Unterschätzten“.