Stadt Münster: Kulturamt - Ruth Weiss

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Literaturline

Lesung Dezember 2016

»Eine Wanderin zwischen den Welten« - Ruth Weiss im Gespräch mit Lutz Kliche

Portraitfoto

Ruth Weiss, Foto: Wilfried Hiegemann

»Ich bin Jüdin, habe eine weiße Haut, lebe zwischen, aber nicht mit Afrikanern, war ständig auf der Reise. Manchmal mit einer Absicht, einem Ziel und oft, allzu oft auf der Flucht vor Menschen und Verhältnissen, irgendwo zwischen Europa und Afrika. Das eine nannten die Ämter »Aufenthalt«, das andere »Heimat«. Die Frage war nur: Wo war ich zu Hause?«

Im Oktober 2016 kam die Journalistin und Autorin Ruth Weiss nach Münster, um die aktualisierte Fassung ihrer Autobiografie »Wege im harten Gras« (Verlag Edition AV 2016) vorzustellen. Die Moderation übernahm der Lektor und Übersetzer Lutz Kliche.

Ruth Weiss, geboren 1924 als Kind jüdischer Eltern in Fürth bei Nürnberg. 1936 floh die Familie vor der Verfolgung nach Südafrika. Ruth Weiss arbeitete dort lange Jahre international als anerkannte Wirtschaftsjournalistin. Sie war früh gegen die Apartheid aktiv, mit vielen politischen Führern der Unabhängigkeits- und Befreiungsbewegungen persönlich befreundet.

Die Journalistin war lange eine der wichtigsten Stimmen gegen Rassismus, Frauenfeindlichkeit und Antisemitismus im südlichen Afrika. 1965 kam sie wegen ihres antirassistischen Engagements auf die »Schwarze Liste« und musste Südafrika verlassen. Sie arbeitete dann für die Financial Times, The Guardian, die BBC und die Deutsche Welle in Zimbabwe, Großbritannien und Deutschland. Sie lebte auf der Isle of Wight und ab 2012 im münsterländischen Lüdinghausen. Ende 2015 zog sie zu ihrem Sohn und seiner Familie nach Dänemark.

Ruth Weiss widmet sich seit den 1990er Jahren dem Schreiben von Kinder- und Sachbüchern. Seit ihrem Ruhestand schreibt sie auch historische Romane. Ihre bekanntestes Buch ist der Roman »Meine Schwester Sara«. Ihre Arbeit als Autorin ist bis heute geprägt von einer konsequenten Haltung gegen Apartheid und Rassismus und für Frieden. 2005 wurde sie dafür sogar für den Friedensnobelpreis nominiert.

»Ihre Geschichte lässt sich auf drei Ebenen lesen: Als Emigrationsgeschichte einer deutschen Jüdin – in der ZEIT wird sie als ‚eine der letzten Exilautorinnen’ bezeichnet -, als die persönliche Emanzipationsgeschichte einer starken Frau und allein erziehenden Mutter, und als Bericht einer Zeitzeugin, die die bewegte politische Gesichte des südlichen Afrika aus nächster Nähe und oft im Zentrum der Macht miterlebt hat – die Unabhängigkeit Sambias, den rhodesischen Bürgerkrieg und die Unabhängigkeit Zimbabwes, sowie vor allem den Kampf gegen die Apartheid und die Entstehung des neues Südafrika.« (Ingrid Laurien 2004)

»Ruth Weiss wuchs hernach in einem Land auf, in dem nicht der gelbe Stern, sondern die schwarze Farbe der Haut das Brandzeichen des Opfers war. Als Weiße hätte sie damit zufrieden sein können, in Südafrika jene vollen Bürgerrechte zu genießen, die man den Schwarzen verweigerte. Auch wenn die eingewanderte Familie in Armut lebte, hatte sie doch unwillkürlich Anspruch auf die bessere, ausschließlich den Weißen vorbehaltene Bildung. Als Weiße hätte sie ihr Leben lang wie selbstverständlich die ihr automatisch zustehenden Privilegien hinnehmen können, die man den Schwarzen gleichfalls verweigerte: besondere Verkehrsmittel, gesonderte Bibliotheken, Theater, Hotels oder auch die Freiheit, ihren Wohnort wie ihren Beruf und Arbeitsplatz nach ihrem Wunsch zu wählen. Doch tritt uns in der sanften Stimme dieser glaubwürdigen und beeindruckenden Autobiographie ein Mädchen, eine Frau, entgegen, die die Verantwortung für die Verhältnisse in ihrem Einwanderungsland gerade so annahm, als wäre sie in diese Bedingungen hineingeboren worden. Noch dazu in einer Weise, wie dies nur sehr wenige Weiße getan haben.« (Nadine Gordimer 1994)

Weiterführende Informationen



Jetzt anhören:

Ruth Weiss spricht über jüdisches Leben in Fürth.

Lutz Kliche liest aus dem Kapitel »Von Fürth nach Johannesburg«.

Ruth Weiss erzählt von der Überfahrt nach Südafrika.

Lutz Kliche liest aus dem Kapitel »Von Fürth nach Johannesburg«.

Ruth Weiss und Lutz Kliche im Gespräch über Ruth Weiss' Leben in Südafrika

 

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48143 Münster

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