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Literaturline
Lesung Juli 2026
Dilara Yüksek: Gewinnerlesung Open Call
Dilara Yükseks Gedichte sind voll erzählender Bilder, in wenigen Worten entfaltet sich eine ganze Geschichte. Gespeist aus dem Alltag – in dem bei Dilara Yüksek Flamingos, das Periodensystem und Nachtisch ganz selbstverständlich gleichrangig nebeneinanderstehen – bleibt doch immer auch ein Teil, der sich dem einfachen Verstehen entzieht, der die Leserin dazu einlädt, genauer hinzusehen, den Zuhörer dazu, noch einmal nachzuhören. Nach dem, was nicht da ist, was zur Sprache kommt, trotz aller Sprachlosigkeit, ein Umgang mit Trauer, mit Wut, mit Verwunderung, über uns Menschen und das Zerstörerische in uns und auch die Schönheit zwischen uns.
Dilara Yüksek (*1997 in Achim-Baden bei Bremen) schreibt seit sie klein ist und steht seit 2016 regelmäßig auf den großen und kleinen Bühnen des Poetry Slams. Bei den U20- Landesmeisterschaften 2017 in Celle belegte sie den dritten Platz, 2024 wurde sie NRW-Landesmeisterin. Studium der Kulturpoetik (fortlaufend), Germanistik und Chemie (abgeschlossen) an der Universität Münster; dort arbeitet sie auch als studentische Hilfskraft. Über viele Jahre war sie für beinahe alles auf der MS Günther mitverantwortlich, heute kann man sie dort noch bei den Kneipenquizzen erleben. Einige Texte finden sich auf ihrem Instagram-Account @dilarayueksek. Eine Auswahl ihrer Gedichte, auch der hier gelesenen, erscheint am 1. Oktober im Schillo Verlag, eine Textsammlung ihrer Bühnentexte 2027 im lektora-Verlag.
Im Juni wurde Dilara Yüksek als Gewinnerin des Open Calls der Literaturline (im Rahmen von POETRY, dem Vorprogramm zum Lyriktreffen Münster) geehrt. Sie liest für die Juli-Lesung das Gewinnergedicht, die eingereichte Textauswahl und eine Auswahl weiterer Gedichte.
Zur Jurybegründung:
„Anrufung des Loslassens“ beeindruckt durch sein außergewöhnliches Thema, das er mit einer unkonventionellen Form verbindet. Eine Chemiemetaphorik mit märchenhaften Elementen zu kombinieren, lässt Raum für vielfältige Deutungen und kann als Referenz auf Dichtende wie Paul Celan oder Ingeborg Bachmann gelesen werden. Dabei bleibt die Bedeutung – zumindest in Teilen – rätselhaft, was die Jury als Stärke empfindet. Außerdem wird der „Anrufung“ mit ihrer auf Lautsprache optimierten Formelhaftigkeit als Hörerlebnis in der Literaturline mit Spannung entgegengesehen. Zusätzlich gefällt die Varianz des Gesamtkonvoluts der eingereichten Texte, darunter vor allem die Intensität der dargestellten Emotionen im familiären Kontext in „Baba“ und „1997“ sowie die Verknappung des komplexen Themas Abschiebung auf schlussendlich einen einzelnen Buchstaben in „Liminal“.
Die Titel der Gedichte (in dieser Reihenfolge):
Anrufung des Loslassens // Baba // 1997 // liminal: Papier und Papiere // erster Hauptsatz der Thermodynamik – für Philipp // Falter // Wenn wir in Städte reisen // Zu jedem Hula ein Hoop // Fenster auf Kipp // Wann ist etwas vollständig // Nachtisch // Du bist AEG-Olympia und ich Carrera II – für Dara // M. // Torrero // Homo Sapiens (einsichtiger Mensch) // Von Flamingos und Flüssen // Scherben und Schnittwunden // Jungfernstieg im April // Stillleben // ohne Titel

