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Ringvorlesung
Ringvorlesung 2026
Leben in der Migrationsgesellschaft: aktuelle Fragen und Entwicklungen
Für alle Interessierten
An ausgewählten Dienstagen, 16–18 Uhr, Hörsaal S2 im Schloss (barrierefrei)
Die Vorlesungsreihe widmet sich zentralen Herausforderungen und Debatten einer von Migration geprägten Gesellschaft. Im Mittelpunkt stehen Fragen von Teilhabe, Zugehörigkeit, Diskriminierung, Schutz und sozialer Gerechtigkeit sowie deren Bedeutung für unterschiedliche gesellschaftliche Bereiche.
Die Beiträge verbinden wissenschaftliche Perspektiven mit Einblicken in gesellschaftliche Praxis und machen Migration als vielschichtigen sozialen Prozess sichtbar, der Institutionen, Diskurse und Alltagsrealitäten prägt. Dabei werden aktuelle Entwicklungen aufgegriffen und kritisch reflektiert, um ein vertieftes Verständnis für die Komplexität migrationsgesellschaftlicher Dynamiken zu ermöglichen.
Die Ringvorlesung wird vom Kommunalen Integrationszentrum in Zusammenarbeit mit der Universität Münster, der FH Münster sowie der Katholischen Hochschule Nordrhein-Westfalen, Standort Münster, organisiert.
Studierende, Lehrkräfte, Fachkräfte, Ehrenamtliche und Interessierte sind herzlich eingeladen, die kostenfreien Vorlesungen zu besuchen. Es ist keine Anmeldung erforderlich.
Die Vorträge finden an ausgewählten Dienstagen von 16–18 Uhr im Schloss, Hörsaal S2 (Schlossplatz 2), statt. Eine Ausnahme bildet der Termin am 12. Mai, der im Fürstenberghaus, Hörsaal F2 (Domplatz 20–22) stattfindet.
Termine, Themen und Inhalte
28.4.2026: Bildungskontexte und Diskursverschiebungen um Migration
Foto: Christian Kielmann
Aysun Doğmuş, Technische Universität Berlin
Für den Vortrag werden Diskursverschiebungen um Migration im Dreiklang von Gegenwart, Vergangenheit und Zukunft beleuchtet. Dabei werden konstitutive Momente des Migrationsdiskurses in Deutschland herausgearbeitet und mit der Erzählung der Nation ins Verhältnis gesetzt. Auf dieser Grundlage werden schließlich Anforderungen und Konsequenzen für Bildungskontexte diskutiert.
12.5.2026 (im Fürstenberghaus): Kirchenasyl - Schutzraum jenseits der Verrechtlichung
Logo: Ökumenisches Netzwerk Asyl in der Kirche in RW e.V.
Achtung: Dieser Vortrag findet im Fürstenberghaus (Domplatz 20-22, Hörsaal F2) statt.
Benedikt Kern, Netzwerk Kirchenasyl Münster
Angela Kieserg, Mitglied des AK Kirchenasyl der Gemeinde Liebfrauen-Überwasser
Kirchenasyl bezeichnet die zeitlich begrenzte Aufnahme von Schutzsuchenden in einer Kirche. Es dient dazu, sie vor unmenschlichen Härten sowie Gefahren für Leib und Leben zu bewahren, die ihnen durch eine Abschiebung drohen können. Auf diese Weise kann Kirchenasyl als ziviler Ungehorsam und Schutzraum vor staatlichem Handeln verstanden werden.
In dieser Sitzung geben Benedikt Kern und Angela Kieserg Einblicke in die politischen Rahmenbedingungen, beleuchten die verschiedenen Akteur*innen und berichten aus der Praxis des Kirchenasyls in einer Kirchengemeinde.
19.5.2026: Zwischen Zuschreibung und Schutz: Queere Erfahrungen im Asylkontext
@Rike Schröder
@Malina Spieker
In dieser Sitzung werden zwei Kurzvorträge gehalten.
Besonders schutzbedürftig? Intersektionale Aushandlungen im „Berliner Modell" für die Unterstützung queerer Geflüchteter
Rieke Schröder, Universität Münster
Seit 2015 organisiert das „Berliner Modell" die Unterstützung von LGBTI-Geflüchteten, die aufgrund ihrer Sexualität oder Geschlechtsidentität nach Berlin kommen. Rieke Schröder untersucht, wie diese Unterstützungslandschaft von Geflüchteten und Hilfsorganisationen ausgehandelt wird, und fragt kritisch, inwiefern die Prämisse „besonderer Schutzbedürftigkeit" intersektionale Differenzen ausblendet. Denn, obwohl Berlin umfangreiche Ressourcen bereithält, sind seine Unterstützungsräume von Hierarchien entlang von Rasse, Klasse und Geschlecht durchzogen – besonders trans-, inter- und nicht-binäre Geflüchtete erfahren häufig Ausgrenzung. Der Vortrag plädiert für einen konsequent intersektionalen Ansatz, der normative Strukturen in der Arbeit mit queeren Geflüchteten kritisch reflektiert.
Stereotypisierungen junger schwuler Männer in Asylverfahren – Gerichtliche Evozierungen und Selbstinszenierungen
Malina Spieker, Universität Münster
In Asylverfahren stehen queere Geflüchtete vor der Herausforderung, ihre sexuelle Orientierung als 'glaubwürdig' darzustellen – häufig entlang impliziter Erwartungen darüber, wie Homosexualität sichtbar wird. Malina Spieker untersucht, inwiefern Verfahren bei schwulen jungen Männern von stereotypen Vorstellungen geprägt sind und wie diese im Zusammenspiel von gerichtlicher Befragung und individueller Selbstdarstellung entstehen. Auf Grundlage qualitativer Interviews mit Geflüchteten, Sozialarbeitenden und einer Richterin wird deutlich, dass bestimmte Narrative besonders stark eingefordert werden. Gleichzeitig zeigt sich, dass Jugendliche diese Erwartungen auch strategisch aufgreifen, anpassen oder unterlaufen. Der Vortrag macht sichtbar, wie stereotype Zuschreibungen als Ausdruck ungleicher Machtverhältnisse wirken und plädiert für eine differenzsensible und intersektionale Perspektive im Umgang mit queeren Geflüchteten.
9.6.2026: Empowerment muslimischer Frauen in der Migrationsgesellschaft – zwischen Diskriminierung und Selbstermächtigung
Foto: Rahaf Aldabbagh
Foto: Sabrina Rahimi
Sabrina Rahimi, staatlich anerkannte Sozialarbeiterin, Lehrbeauftragte für Rassismuskritik an der Hochschule Hannover, Empowermenttrainerin, zertifizierte Mediatorin
Rahaf Aldabbagh, Studentin der Sozialen Arbeit (katho), Sprach- und Kulturmittlerin, Referentin im Haus der Familie (Bistum Münster)
Das Konzept des Empowerments in der Sozialen Arbeit wird aus einer fachlichen und praxisnahen Perspektive beleuchtet. Zunächst werden unterschiedliche Definitionsansätze des Empowerment-Begriffs vorgestellt und eingeordnet. Darüber hinaus wird eine kritische Perspektive auf Empowerment eröffnet. Dabei wird insbesondere reflektiert, inwiefern gängige Definitionen durch eurozentrische Sichtweisen geprägt sind und welche Auswirkungen dies auf die Wahrnehmung und Bewertung von Handlungsspielräumen muslimischer Frauen hat. Darauf aufbauend richtet sich der Fokus auf muslimische Frauen in der Migrationsgesellschaft. Neben gesellschaftlichen Herausforderungen wie Diskriminierung und stereotypen Zuschreibungen werden insbesondere auch vorhandene Ressourcen und Stärken sichtbar gemacht. Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der Bedeutung von Austausch- und Erfahrungsräumen. Anhand von Praxisbeispielen, insbesondere aus dem Projekt „Lernhaus“ sowie aus der Arbeit mit Müttern in einer Kita und im Feld der Sozialen Arbeit wird aufgezeigt, wie solche Räume gestaltet werden können und welche Wirkung sie haben können.
23.6.2026: Flucht, Konflikt und Frieden? Geflüchtete als Akteur*innen für Frieden
Foto: Universität Münster, Kalle Kröger
Foto: Nadine Segadlo
Ulrike Krause, Universität Münster, Institut für Politikwissenschaft
Nadine Segadlo, Universität Münster, Institut für Politikwissenschaft
Welche Rolle spielen Konflikt und Frieden in Fluchtprozessen – und wie gestalten geflüchtete Menschen Frieden aktiv mit? Dominante politische und mediale Diskurse stellen häufig eine scheinbar naturgegebene Verbindung zwischen Konflikt und Flucht her und rahmen Geflüchtete meist als vulnerable Opfer oder aber potenzielle Bedrohung für Frieden. Doch der Nexus von Konflikt, Flucht und Frieden ist deutlich komplexer und weist geschlechtsspezifische Dynamiken auf. Der Vortrag rückt den Nexus in den Mittelpunkt und legt dabei einen besonderen Fokus auf die bislang vernachlässigte Bedeutung von Frieden in Fluchtkontexten. Anhand eines Forschungsprojekts zeigen wir, wie Geflüchtete in Deutschland und Kenia vielfältige Friedenspraktiken entwickeln – von Flucht als bewusster Strategie zur Herstellung von Sicherheit bis hin zu gemeinschaftlichem Engagement, Vermittlung und aktivistischen Initiativen in Aufnahmegesellschaften und darüber hinaus. Eine geschlechtersensible Perspektive ermöglicht es, unterschiedliche Erfahrungen, Handlungsspielräume und Einschränkungen sichtbar zu machen.
7.7.2026: Räume des Zusammenkommens gemeinsam gestalten
Angela Merl, Theater Münster
Junges Theater ist für uns ein Freiraum, in dem wir Machtverhältnisse neu denken dürfen, ohne wissen zu müssen, wohin das führt. Der Soziologe Manfred Liebel schreibt: „Wenn wir [als Erwachsene] junge Menschen solidarisch unterstützen und fördern wollen, müssen wir uns von unserer eigenen Macht über sie verabschieden, und eine andere Beziehung zu ihnen eingehen, die auf Gleichwertigkeit, Gleichwürdigkeit und Respekt beruht.“
Dieser Beziehung wollen wir im Jungen Theater Raum geben: Wir sehen und gestalten das Junge Theater gemeinsam mit jungen Menschen, für sie. In diesem interaktiven Vortrag geben wir einen Einblick in die SEI AM START! Arbeit des Jungen Theater Münster, wo junge Menschen auf und hinter der Bühne das Theater von heute aktiv mitgestalten. Wir wollen gemeinsam diskutieren was es bedeutet Macht abzugeben und in einen Austausch gehen, wie Teilhabe wirklich gelingen kann.
Vielen Dank
Für die gewinnbringende Kooperation bedanken wir uns bei
Judith Jording, Mona Massumi und Agostino Mazziotta von der Fachhochschule Münster,
Judith Conrads von der Katholischen Hochschule Nordrhein-Westfalen sowie
Katrin Hermsen, Onno Husen, Katrin Huxel, Nihad El-Kayed, Ulrike Krause und Nadine Segadlo von der Universität Münster.


