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Ausschnitt eines alten Stadtplans von Münster aus dem Jahre 1862
 
Straßenschild Ringoldgasse
 
 
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Goldenbergstraße

Stadtbezirk:Münster-West
Statistischer Bezirk: Mecklenbeck
Entstehung: 2017
Amtsblatt: 21/2018
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Benannt nach Else, Mirjam und Siegfried Goldenberg. Die jüdische Familie wurde ins KZ verschleppt. Tochter Mirjam wurde im KZ Auschwitz ermordet. Die Eltern kehrten nach der NS-Zeit nach Münster zurück und haben sich über 30 Jahre lang um den Aufbau der jüdischen Gemeinde in Münster sehr verdient gemacht.

Else Goldenberg, *30.8.1903 Nottuln, †15.10.1979 Münster, geb. Wertheim.

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Else und Mirjam Goldenberg; 1938

Else Goldenberg war Verkäuferin, Korsettnäherin, Geschäftsführerin. Sie absolvierte eine dreijährige Lehre in einem Textil- und Kürschnereibetrieb in Meschede. Anschließend erfolgte eine Weiterbildung in der Korsett- und Bandagenanfertigung. Sie lebte seit dem 1.1.1928 in Münster und war Geschäftsleiterin im Korsettgeschäft "Helene Davids & Co." (Inh. u.a. Rosa Marcus), Prinzipalmarkt 37; sie war am Umsatz beteiligt. Die in Aussicht gestellte Einsetzung als Teilhaberin kam aufgrund der Demolierung in der Pogromnacht 1938 und des Zwangsverkaufs des Betriebes nicht mehr zustande.
Mit Tochter und Ehemann wurde sie am 13.12.1941 von Münster nach Riga deportiert und kam später ins KZ Kaiserwald-Meteor. Als sie eines Tages von der Arbeit zurückkehrte, war ihre Tochter mit allen anderen Kindern abtransportiert worden. Daraufhin wollte sie nicht mehr weiterleben, verweigerte die Nahrung und wurde strafversetzt. Am 9.8.1944 wurde sie ins KZ Stutthof bei Danzig verbracht, wo sie vermutlich im Außenlager Lauenburg/ Hinterpommern untergebracht war und Zwangsarbeit leisten musste. Sie verblieb bis zu ihrer Befreiung durch sowjetische Truppen im KZ Stutthof, während ihr Mann ins KZ Buchenwald überstellt wurde.
Nachdem sie sich nach Ende des Hitler-Regimes in Bochum wiedergefunden hatten, kehrte sie mit ihrem Mann nach Münster zurück. Auch dann gab sie die Hoffnung nicht auf, ihre Tochter wiederzufinden und suchte in vielen KZ nach ihren Spuren. Sie half ihrem Ehemann beim Wiederaufbau einer neuen jüdischen Gemeinde in Münster und erhielt 1975 für ihre Verdienste die Paulus-Plakette der Stadt Münster. Ihr Grab befindet sich auf dem jüdischen Friedhof in Münster.

 

Mirjam Goldenberg, *11.4.1937, † 1944 KZ Auschwitz.

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Stolperstein zur Erinnerung an Mirjam Goldenberg vor dem Haus Schulstraße 19

Zusammen mit den Eltern wurde sie als Vierjährige am 13.12.1941 ins Ghetto Riga deportiert. Bei Auflösung des Ghettos im November 1943 wurden die Häftlinge in verschiedene KZ-Lager verbracht. Laut Kindersuchakte wurde sie am 21.4.1944 aus einem Außenlager Rigas vermutlich nach Auschwitz deportiert und dort ermordet. 1956 wurde sie vom Amtsgericht Münster für tot erklärt. Ihr Andenken wird auf dem Grabstein ihrer Eltern auf dem jüdischen Friedhof in Münster gewahrt.

 

Siegfried Goldenberg, *12.8.1900 in Oberhausen, † 21.3.1980 in Münster
Siegfried Goldenberg war Metzger und "Tiefbauarbeiter". 1924 legte er vor der Handwerkskammer Dortmund die Meisterprüfung ab. Von 1925 bis zum 29.3.1933 betrieb er in Bochum ein Fleisch- und Wurstwarengeschäft. Nachdem das NS-Regime ihm verboten hatte, seine Waren auf dem Wochenmarkt in Bochum zu verkaufen, zog er 1933 nach Münster in die Schulstraße 19, wo auch seine spätere Frau wohnte.

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Siegfried Goldenberg etwa 1975

In Münster fand er für kurze Zeit eine Anstellung bei einem Metzger, bis ihm auch diese Tätigkeit untersagt wurde. Die Wohnung wurde in der Pogromnacht 1938 verwüstet. Da seine Mutter am 10.11.1938 verstorben war, wurde ihm trotz "Inhaftierungsaktion" erlaubt, zur Regelung der Hinterlassenschaft nach Bochum zu fahren. Nach diesen Ereignissen versuchte seine Schwester Mali, die seit 1928 in den Niederlanden lebte, vergeblich, für ihn mit seiner Familie und für seinen Bruder eine Einreisegenehmigung in die Niederlande zu erhalten. Eine Emigration nach Palästina erschien dem Ehepaar Goldenberg mit einem Kleinkind zu gefährlich zu sein.
Am 4.10.1939 mussten sie mit Tochter Mirjam in das "Judenhaus" Hermannstraße 44 umsiedeln. Siegfried Goldenberg leistete ab 1939 Zwangsarbeit beim Kanalbau in Hiltrup. Für die Deportation am 13.12.1941 nach Riga wurde die Familie von zwei Gestapobeamten aus ihrer Wohnung geholt und zur Sammelstelle in die Gaststätte "Gertrudenhof" gebracht. Ihre Wohnräume, in denen sie ihre Habe zurücklassen mussten, wurden verschlossen.
Beim Vorrücken der sowjetischen Front 1944 wurde Siegfried Goldenberg mit seiner Frau vom Ghetto Riga über das KZ Kaiserwald-Meteor per Schiff ins KZ Stutthof bei Danzig verbracht. Von dort wurde er am 16.8.1944 zusammen mit 500 Schicksalsgenossen, unter ihnen die Münsteraner Wilhelm Grüneberg, Rudolf Gumprich und Willi Mildenberg, ins KZ Buchenwald überstellt. Dort befand er sich im Außenlager Rehmsdorf. Die Häftlinge mussten in den Brabag-Werken (Braunkohle und synthetisches Benzin) Zwangsarbeit leisten. Beim Herannahen der amerikanischen Truppen verschickte man ihn per Fußmarsch bzw. in Viehwaggons ins Ghetto Theresienstadt, wo er am 8.5.1945 von sowjetischen Truppen befreit wurde.
Nach dem Krieg kehrte er nach Münster zurück und engagierte sich beim Wiederaufbau einer neuen jüdischen Gemeinde in Münster. Bis zur Wiedererrichtung der Marks-Haindorf-Stiftung stellte er in seiner Wohnung einen Raum für den Gottesdienst zur Verfügung.
Seit 1946 war er 30 Jahre lang Gemeinde-Vorsitzender. Zu der Zeit wohnte er mit seiner Ehefrau Prinz-Eugen-Straße 39 und Am Kanonengraben 4. Er betrieb eine Fischhandlung.
Else und Siegfried Goldenberg wurden 1975 für ihre Verdienste um den Wiederaufbau der münsterischen jüdischen Gemeinde die Paulus-Plakette der Stadt Münster verliehen.
Sein Grab befindet sich auf dem jüdischen Friedhof in Münster.

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das Lexikon

Quelle: Gisela Möllenhoff und Rita Schlautmann-Overmeyer, Jüdische Familien in Münster 1918 bis 1945, Teil 1: Biographisches Lexikon, Münster 2001