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Ausschnitt eines alten Stadtplans von Münster aus dem Jahre 1862
 
Straßenschild Ringoldgasse
 
 
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Else-Scheuer-Weg

Stadtbezirk:Münster-West
Statistischer Bezirk: Gievenbeck
Entstehung: 2020
Amtsblatt: Foto

Stolperstein zur Erinnerung an Else Scheuer vor dem Haus Rasefeldstraße 28

Benannt nach Else Scheuer (1900-1945) geb. Reingenheim. Sie war die letzte Lehrerin an der jüdischen Schule in Münster. Sie wurde mit ihrem Ehemann 1945 im KZ Stutthof ermordet.


 
 

Die Lehrerin Else Scheuer geb. Reingenheim, *23.12.1900 in Rheine, stammte aus einer vermögenden Kaufmannsfamilie in Rheine und besuchte dort von 1911 bis 1918 das Lyzeum.
Nach dem Ersten Weltkrieg zog sie mit der Familie nach Münster, legte 1921 am Evangelischen Oberlyzeum das Abitur ab und erlangte die Lehrbefähigung für Volks- und Mittelschulen. 1927 arbeitete sie an der jüdischen Schule in Essen, später im elterlichen Geschäft in Münster.

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1940: Else Scheuer (oben) (Slg. Möllenhoff / Schlautmann-Overmeyer)

1937 heiratete sie den Lehrer Hermann Scheuer und wohnte mit ihm in ihrem Elternhaus Raesfeldstraße 28. Nach einer Befragung zur Emigrationsabsicht im September 1938 sperrte das Deutsche Reich ihr Vermögen, um die eventuell anfallende Reichsfluchtsteuer zu sichern. Nach dem Novemberpogrom 1938 dezimierte es sich rapide, unter anderem durch Zahlung der "Judenvermögensabgabe". Else Scheuer finanzierte den Unterhalt ihrer Schwiegereltern in Laasphe. Ihr Bruder, der seit 1937 in Brasilien lebte, konnte lediglich für die Eltern ein Visum erlangen, nicht jedoch für sie.
Nach dem Verkauf des elterlichen Hauses Raesfeldstraße 28 Anfang 1939 erhielt sie dort Wohnrecht bis zu ihrer beabsichtigten Auswanderung nach Brasilien. Ab 1939 war das Ehepaar Scheuer in den "Judenhäusern" Salzstraße 31 und Prinz-Eugen-Straße 39 (1941) untergebracht.
Seit 1940 unterrichtete Else Scheuer Englisch an der jüdischen Schule in der Marks-Haindorf-Stiftung. Später musste sie Zwangsarbeit in der Trockenkartoffelfabrik in Westbevern-Brock leisten. Mit ihrem Ehemann wurde sie am 13.12.1941 ins Ghetto Riga deportiert, am 1.10.1944 in das KZ Stutthof. Sie kam dort am 8.01.1945 um, einige Tage nachdem ihr Ehemann in einem Außenlager von Stutthof zugrunde gegangen war.

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das Lexikon

Quelle: Gisela Möllenhoff und Rita Schlautmann-Overmeyer, Jüdische Familien in Münster 1918 bis 1945, Teil 1: Biographisches Lexikon, Münster 2001