Mit Netzausbau und Heizungswechsel zur Wärmewende
Die Stellungnahmen werden in dem Wärmeplan, den alle Kommunen in Deutschland erstellen müssen, berücksichtigt und dem Rat zur Entscheidung vorgelegt. „Noch werden die meisten Heizungen in unserer Stadt mit Erdgas betrieben. Wir zeigen jetzt Wege auf, wie sich das in den nächsten Jahren Schritt für Schritt ändern kann“, ordnet Oberbürgermeister Tilman Fuchs den Bericht ein. „Wir geben Bürgerinnen und Bürgern sowie Unternehmen eine Orientierungshilfe an die Hand, ob sie bis 2045 mit einem Fernwärmeanschluss rechnen können oder sich für eine andere klimafreundliche Heizungsoption entscheiden sollten.“
Von Erdgas und Heizöl zu Fernwärme und Wärmepumpen
In Münster kommt derzeit rund 70 Prozent der Wärmeenergie aus Erdgas oder Heizöl, etwa 50.000 Heizungen werden so betrieben. Das Gebäudeenergiegesetz sieht vor, dass diese fossilen Energieträger in den nächsten 20 Jahren durch erneuerbare Alternativen ersetzt werden. Um diese Vorgaben gezielt und effizient umzusetzen haben alle Kommunen in Deutschland die Aufgabe eine Wärmeplanung zu erstellen.
Ein wichtiger Baustein für die Wärmewende wird die Fernwärmeversorgung sein. Im Zielszenario steigt deren Anteil am Wärmemarkt in Münster von heute circa 21 Prozent auf etwa 28 Prozent. Die Netze sollen vor allem in dicht besiedelten Gebieten erweitert, die Energie dafür nachhaltig erzeugt werden. Um das zu erreichen, sind die Nutzung von Tiefengeothermie sowie neue Kanal- und Klarwasser-Wärmepumpen vorgesehen.
57 Prozent des Wärmebedarfs in Münster können laut Szenario bis 2045 nicht durch Fern- oder Nahwärmenetze gedeckt werden, so dass hier der Umstieg auf beispielsweise Erdwärme- und Luftwärmepumpen notwendig ist, um die vom Gesetzgeber angestrebte CO2-Reduktion zu erreichen. Weitere 15 Prozent des Wärmebedarfs sind sogenannten Prüfgebieten zuzuordnen. Für diese Gebiete gibt der Wärmeplan noch keine eindeutige Empfehlung zur zukünftigen Versorgung. Das kann zum Beispiel an spezifischen örtlichen Gegebenheiten liegen, so soll in einigen Vierteln in Außenstadtteilen untersucht werden, ob ein Anschluss an Nahwärmenetze sinnvoll ist. Auch alle bis 2045 geplanten Neubaugebiete sind im Bericht als Prüfgebiete aufgeführt.
Die Entscheidung, welche Heiztechnologie tatsächlich eingesetzt wird, liegt dabei nach wie vor bei den Gebäudeeigentümerinnen und -eigentümern. Die Werte des Zielszenarios stützen sich auf Annahmen wie etwa einen sinkenden Energiebedarf durch die Sanierung von Gebäuden und die sukzessive Ablösung alter Heizungen durch klimafreundliche Alternativen.
Um die Umsetzung der Wärmewende in Münster zu begleiten, sollen Informations- und Beratungsangebote, zum Beispiel zu Fördermöglichkeiten für den Heizungsumtausch, ausgebaut werden. Zudem ist ein strategischer Lenkungskreis und eine operative Koordinationsstelle vorgesehen, um Infrastrukturprojekte stadtweit besser zu verzahnen.
Öffentlichkeitsbeteiligung zur Wärmeplanung bis zum 8. Februar
Bis zum 8. Februar 2026 (Start am 12. Januar) können Bürgerinnen und Bürger Stellungnahmen zur Wärmeplanung bei der Stadt abgeben. Der Bericht ist bis dahin online über das Beteiligungsportal einsehbar und liegt im Kundenzentrum des Stadthauses 3 (Albersloher Weg 33) während der Öffnungszeiten (montags bis donnerstags von 8 bis 16 Uhr und freitags von 8 bis 13 Uhr) öffentlich aus.
Die eingegangen Stellungnahmen werden im Anschluss bearbeitet. Der Beschluss über die finale kommunale Wärmeplanung erfolgt danach durch den Rat der Stadt Münster.
Hintergrund zur Wärmeplanung
Die kommunale Wärmeplanung ist ein bundesweit vorgeschriebener Prozess, der insbesondere Hauseigentümerinnen und -eigentümern Orientierung bieten soll, in welchen Gebieten künftig der Anschluss an eine zentrale Versorgung ermöglicht werden soll und wo ein individueller Wechsel zu nachhaltigen Heiztechnologien wie etwa Wärmepumpen sinnvoller ist. Der Bericht, der alle fünf Jahre aktualisiert wird, enthält eine Bestands- und Potenzialanalyse, ein Zielszenario für eine weitgehend klimaneutrale Wärmeversorgung sowie eine Umsetzungsstrategie.
Den Ausbau der Netzinfrastruktur übernehmen in Münster Stadtwerke und Stadtnetze. Die Entscheidung, wie ein Gebäude geheizt wird, treffen die Eigentümerinnen und Eigentümer. Im Gebäudeenergiegesetz ist dabei geregelt, dass in Großstädten mit einer Wärmeplanung ab Juli 2026 nur noch Heizungen neu eingebaut werden dürfen, die mit einem Anteil von mindestens 65 Prozent Wärme aus erneuerbarer Energie betrieben werden. Alte Gasheizungen dürfen noch weiter betrieben und auch repariert werden. Erst wenn ein Austausch notwendig wird, muss auf die klimafreundliche Alternative umgestellt werden.