Die Grafik zeigt, wie sich 13 Altersgruppen laut der kleinräumigen Bevölkerungsprognose von 2025 bis 2035 entwickeln.
Demnach geht die Stadt aktuell davon aus, dass die sogenannte „wohnberechtigte Bevölkerung“ in Münster vom Stichtag 31. Dezember 2025 bis zum 31. Dezember 2035 von 320.728 auf 335.781 Personen anwächst. Das entspricht einem Zuwachs von 4,7 Prozent und 15.053 Personen. Pro Jahr prognostizieren die Daten damit ein Wachstum von rund 1.505 Einwohnerinnen und Einwohnern. Grund dafür ist vor allem die Annahme, dass auch in den kommenden Jahren mehr Menschen nach Münster ziehen als aus Münster wegziehen. Dadurch wächst die Stadt weiter, obwohl die Zahl der Sterbefälle seit 2022 jährlich die Zahl der Geburten übersteigt.
Die Bevölkerungsprognose schlüsselt die Entwicklung unter anderem nach Stadtteilen und Altersgruppen auf. Sie dient der Stadtverwaltung als Orientierungsgröße für die mittelfristige Infrastruktur- und Investitionsplanung – zum Beispiel bei den Planungen zu Kindertagesbetreuung, Schulentwicklung, Alten- und Pflegehilfe, Sportentwicklung und Verkehr. Die Daten für 2035 zeigen, dass sich der gesamtstädtisch prognostizierte Bevölkerungszuwachs in den 13 ausgewerteten Altersgruppen und 45 Stadtteilen sehr unterschiedlich niederschlägt.
Zahl der Über-65-Jährigen steigt deutlich an
Unterschiede zeigen sich bereits bei den für die Kita-Planung relevanten Altersgruppen „0 bis 2 Jahre“ (u3-Kinder) und „3 bis 5 Jahre“ (ü3-Kinder). Die städtische Prognose geht zunächst von einer Stagnation der Geburtenzahlen auf dem aktuell niedrigen Niveau aus und sagt für die Jahre ab 2028 eine langsam fortschreitende Erholung voraus. Für die Gruppe „0 bis 2 Jahre“ prognostizieren die Daten somit einen Zuwachs von 15,7 Prozent (plus 1.130 Personen) bis 2035, für die Gruppe „3 bis 5 Jahre“ dagegen einen Rückgang um 2,7 Prozent (minus 212 Personen). Die Altersgruppe „6 bis 9 Jahre“ (Grundschulkinder) schrumpft in den kommenden zehn Jahren laut Prognose um 9,5 Prozent (minus 1.064 Personen), die Gruppe „10 bis 15 Jahre“ (weiterführende Schulen) um 1,5 Prozent (minus 254 Personen). Damit werden die Altersgruppen unter 16 Jahren – mit Ausnahme der Gruppe „0 bis 2 Jahre“ – alle kleiner.
Die für die Alten- und Pflegehilfeplanung besonders relevanten Altersgruppen „65 bis 79 Jahre“ und „80 Jahre und älter“ wachsen dagegen beide stark an – erstere um 25,4 Prozent und 10.472 Personen, letztere um 11,3 Prozent und 2.157 Personen. Hier zeigt sich der demografische Wandel deutlich.
Größtes Wachstum am Hafen und in Gremmendorf-West
Der gesamtstädtisch prognostizierte Bevölkerungszuwachs zeigt sich in 28 der 45 Stadtteile Münsters. Die beiden am stärksten wachsenden Stadtteile sind laut Prognose der Hafen (plus 141,2 Prozent / 1.598 Personen) und Gremmendorf-West (plus 60,2 Prozent / 4.243 Personen). Grund dafür sind die hier zum Berechnungszeitpunkt Herbst 2025 verorteten oder geplanten Quartiersentwicklungen und Wohnbauprojekte.
Für die übrigen 17 Stadtteile geht die Stadt von einem Bevölkerungsrückgang aus, der jedoch nur in vier Stadtteilen mehr als 500 Personen beträgt. Dazu zählen Gremmendorf-Ost (minus 7,7 Prozent / 505 Personen), Hiltrup-West (minus 6,5 Prozent / 605 Personen), Kreuz (minus 5,9 Prozent / 734 Personen) und Hiltrup-Mitte (minus 4,9 Prozent / 516 Personen). Gründe hierfür sind fehlende oder wenig Neubautätigkeit sowie demografische Faktoren.
Insgesamt betrifft der für Münster prognostizierte Bevölkerungszuwachs die Außenbezirke deutlich stärker (plus 7,4 Prozent / 14.101 Personen) als den Stadtbezirk Mitte (plus 0,7 Prozent / 951 Personen).
Methodik und Vergleichbarkeit
Für die kleinräumige Bevölkerungsprognose nutzt die Stadt Münster ein bewährtes Prognosemodell, mit dem über 100 größere Städte und Institutionen in Deutschland, Österreich und der Schweiz arbeiten. Dabei fließen in der Regel Daten aus den vorherigen drei Jahren – unter anderem zu Geburten, Sterbefällen, Zu- und Fortzügen sowie Bautätigkeit – in die Berechnungen ein.
Im Vergleich mit der 2024 von IT.NRW veröffentlichten Bevölkerungsprognose für Münster weisen die städtischen Daten Abweichungen auf. Statt einem Bevölkerungszuwachs von 4,7 Prozent von 2025 bis 2035 prognostizieren die Daten von IT.NRW von 2024 bis 2035 insgesamt lediglich ein Wachstum von 1,7 Prozent.
Grund dafür ist unter anderem die unterschiedliche Bezugsgröße: Die kleinräumige Bevölkerungsprognose der Stadt basiert auf der „wohnberechtigten Bevölkerung“, also auf allen Personen, die im städtischen Melderegister mit Erst- oder Zweitwohnsitz eingetragen sind. Die Berechnungen von IT.NRW nutzen die Ergebnisse des Zensus 2022 als Ausgangswert. Hier wurden nur Personen mit Hauptwohnsitz in Münster berücksichtigt – keine Zweitwohnsitze. Dazu kommt, dass die Daten aus dem städtischen Melderegister jederzeit aktuell abrufbar sind, während der Zensus alle zehn Jahre stattfindet und die Ergebnisse in der Zwischenzeit auf Basis von Berechnungen fortgeschrieben werden.
Die Zu- oder Abnahme der Bevölkerung wird auch von politischen, wirtschaftlichen oder gesellschaftlichen Entwicklungen beeinflusst, die nicht vorhersehbar sind. Die Stadt Münster plant daher, die kleinräumige Bevölkerungsprognose in zwei Jahren mit dem Zielhorizont 2037 fortzuschreiben. Bereits seit 1985 erstellt die Stadtverwaltung die Prognose in regelmäßigen Abständen. Die Ergebnisse der aktuellen Auswertung im Detail sind samt Tabellen und Grafiken online zu finden.