Mehr Menschen nutzen anonyme Spurensicherung nach sexualisierter Gewalt
So können Betroffene auch zu einem späteren Zeitpunkt Anzeige erstatten. Um noch mehr Menschen zu erreichen, startet der Arbeitskreis anonyme Spurensicherung Münster eine Kampagne in Kooperation mit der Apothekerkammer Westfalen-Lippe. Plakate in Apotheken in Münster weisen künftig auf das seit September 2023 bestehende Angebot hin.
„Viele Betroffene sind nach einem sexuellen Übergriff zunächst nicht in der Lage, Anzeige zu erstatten. Die anonyme Spurensicherung ermöglicht es, Beweise trotzdem zu sichern und später über mögliche weitere Schritte nachzudenken und zu entscheiden“, sagt Christine Boldt, Fachärztin im Gesundheitsamt der Stadt Münster. „Ebenso ist vielen nicht bekannt, dass Spuren gesichert werden können, ohne unmittelbar Anzeige zu erstatten.“
Apothekerin Angelika Plassmann, Sprecherin der Münsteraner Apothekerschaft und Inhaberin der Hohenzollern Apotheke ergänzt: „Wir unterstützen das Angebot, weil es wichtig ist, dass Betroffene nach einem Übergriff über die Möglichkeit der anonymen Spurensicherung informiert werden. Mit den Plakaten in den Apotheken erreichen wir viele Menschen auf direkte und niedrigschwellige Weise.“
Bis zu fünf Jahre Aufbewahrung
Ärztinnen und Ärzte führen die Untersuchung mit einem standardisierten Spurensicherungs-Set durch. Die gesicherten Spuren werden anonym im Institut für Rechtsmedizin Münster bis zu fünf Jahre gerichtsfest aufbewahrt. In dieser Zeit können die Spuren gerichtsfest verwertet werden. Bei den Betroffenen werden Verletzungen medizinisch versorgt, Untersuchungen auf sexuell übertragbare Krankheiten durchgeführt, zum möglichen Risiko einer Schwangerschaft beraten sowie auf Wunsch zu Beratungsstellen vermittelt.
Die anonyme Spurensicherung nach sexualisierter Gewalt wird in Münster in Kooperation der Ärztekammer mit den gynäkologischen Kliniken der Stadt angeboten – darunter das St.-Franziskus-Hospital, das Clemenshospital, das Herz-Jesu-Krankenhaus und das Universitätsklinikum. Beteiligt sind außerdem die medizinischen Kinderschutzambulanzen, das Institut für Rechtsmedizin, Beratungsstellen (Frauen-Notruf, Frauenhaus und Beratung, Zartbitter und Sozialdienst katholischer Frauen) sowie Jugendamt, Gesundheitsamt und Gleichstellungsstelle der Stadt.