Bei der Tiefengeothermie wird heißes Wasser aus Gesteinsschichten an die Oberfläche gefördert. Dort gibt es seine Energie über Wärmetauscher zum Beispiel an Fernwärmenetze ab und wird anschließend über eine zweite Bohrung wieder in dieselbe Gesteinsschicht zurückgeführt. Besonders interessant sind Stellen, in denen sich im Laufe der Jahrmillionen durch natürliche Erdbewegungen Brüche gebildet haben. Dort ist das Gestein durchlässiger und kann beispielsweise Wasser speichern und durchleiten.
Daten weisen darauf hin, dass sich in Hohlräumen des Kalkgesteins in 1.000 bis 1.300 Metern unter der Erde heißes Thermalwasser befindet, das perspektivisch für eine nachhaltige, von fossilen Rohstoffen unabhängige Wärmeversorgung in der Region genutzt werden könnte. Mit der Bohrung überprüft der Geologische Dienst NRW, ob es an der Stelle warmes Wasser in der Tiefe gibt und wie ergiebig diese Erdwärmequelle ist.
„Die Tiefengeothermie ist ein wichtiger Baustein für die Wärmewende“, ordnet Münsters Oberbürgermeister Tilman Fuchs das Forschungsvorhaben ein. „Die Technologie hat das Potenzial, zuverlässig und kostenstabil einen Teil unserer Wärmeversorgung abzudecken und fossile Energieträger wie Erdgas zu ersetzen. Die Bohrung in Münster wird dabei wertvolle Erkenntnisse liefern und uns auf dem Weg zur Klimastadt einen großen Schritt voranbringen.“
Die Forschungsbohrung soll auf einer von landwirtschaftlichen Flächen umgebenen Wiese erfolgen, die dem Geologischen Dienst von der Stadt zur Verfügung gestellt wird. Im Rahmen der Bohrung werden umfangreiche Schutzmaßnahmen ergriffen, die dafür sorgen, dass Mensch und Natur nicht beeinträchtigt werden, beispielsweise durch technische Schutzvorrichtungen für das Grundwasser und Lärmschutzmaßnahmen für die Anwohnenden. Die Bohrung wird durch die Bergbehörde NRW bei der Bezirksregierung Arnsberg überwacht.