Newsdetail

„Poesie und Sprechblase“ – Münster im Zentrum der Gegenwartslyrik

Das 24. Lyriktreffen Münster steht vom 3. bis 5. Juli dieses Jahr unter dem Motto „Poesie und Sprechblase“. Wie in den vergangenen Jahrzehnten kommen auch 2026 herausragende lyrische Stimmen aus aller Welt nach Münster.

Vier Personen halten ein Plakat hoch.
Bildrechte: Stadt Münster / Michael Lyra

Laden ein zu Lesungen, Gesprächen und poetischen Momenten beim Lyriktreffen 2026: Kulturdezernentin Cornelia Wilkens (v.l.), die künstlerischen Leiterinnen Anja Utler und Aurélie Maurin sowie Kulturamtsleiterin Frauke Schnell.

1979 ins Leben gerufen, ist das Lyriktreffen eine der bedeutendsten Veranstaltungen für Gegenwarts-Poesie im deutschsprachigen Raum. Ausgerichtet wird es vom städtischen Kulturamt und dem Literaturverein Münster; unterstützt wird es bereits zum vierten Mal in Folge von der Kunststiftung NRW. Hauptveranstaltungsort ist das Theater Münster.

Lyrik gegen die Floskeln

Die Begegnung von Poesie und Comic steht im Zentrum der diesjährigen Festivalausgabe. Das von den künstlerischen Leiterinnen Aurélie Maurin und Anja Utler entwickelte Motto „Poesie und Sprechblase“ entfaltet sich in zwei Richtungen. Zum einen reagiert das Lyriktreffen auf die in politischen, medialen und digitalen Räumen zirkulierenden Formeln, Floskeln und verkürzten Denkfiguren, zum anderen nimmt es die Beziehung zwischen Lyrik und dem Bild-Text-Medium Comic mit seinen Sprechblasen ins Visier. Beide Ausdrucksformen haben etwas gemeinsam: die Verknappung und die Verdichtung. 

Perspektivwechsel und neue Formate

„Das Lyriktreffen war und ist traditionsgemäß ein Ort des Austauschs und der Perspektivwechsel“, sagt Kulturdezernentin Cornelia Wilkens. „In einer Zeit, in der öffentliche Debatten zunehmend von vereinfachten Formeln und algorithmischen Sprachmustern geprägt sind, soll Sprache wieder in ihrer ganzen Vielschichtigkeit erfahrbar werden.“

Neue Formate wie die festivalbegleitende Sprachperformance „Büro für überflüssige Worte“ von Dirk Hülstrunk und die „Lesezimmer“ in der Stadtbücherei motivieren zum Mitmachen: Teilnehmende können in Hülstrunks „Büro“ ihren Wortmüll abgeben oder im Lesezimmer in kleinen Gruppen gemeinsam mit international bekannten Lyrikerinnen und Lyrikern Gedichte lesen. Als etablierte Angebote laden die Abendlesungen auch 2026 mit hochkarätiger Besetzung Interessierte ins Kleine Haus im Theater Münster. Zu Gast sind Ursula Krechel (Büchnerpreisträgerin 2025), Monika Rinck, Kinga Tóth, Oksana Maksymchuk, James Noël, Abdalrahman Algalaq und Christian Lehnert. 

„Ein zentrales Projekt des Festivals ist zudem die Ausstellung ˏPoesieComic. Eine Begegnungˊ, die am 3. Juli in der Stadthausgalerie eröffnet wird“, kündigt die künstlerische Leiterin Aurélie Maurin an. Ausgangspunkt für die Ausstellung ist das berühmte Gedicht „Reklame“ von Ingeborg Bachmann, die in diesem Jahr ihren 100. Geburtstag gefeiert hätte. „Die gezeigten Arbeiten sind aus der Begegnung von acht Kunstschaffenden entstanden, darunter Jörg Hartmann und Thomas Wellmann, zwei angesehene Comickünstler aus Münster“, erklärt die künstlerische Leiterin Anja Utler.

Aurélie Maurin und Anja Utler haben auch 2026 als künstlerische Leiterinnen wieder das Programm entworfen. Beide bringen umfangreiche kuratorische, literarische und wissenschaftliche Erfahrungen mit. Aurélie Maurin leitet seit 2017 das TOLEDO-Programm des Deutschen Übersetzerfonds. Anja Utler, ausgezeichnet mit dem Ernst-Jandl-Preis für Lyrik 2023 und dem Peter-Huchel-Preis 2024, verbindet in ihrem Werk lyrische Formen, theoretische Reflexion und performative Praxis.

Kooperationen und Rahmenprogramm

Die etablierten Schullesungen ermöglichen der jungen Generation Begegnungen mit neun ausgewählten Lyrikerinnen und Lyrikern. „Dieses Format ist für uns unverzichtbar“, sagt Kulturamtsleiterin Frauke Schnell. „Die Schullesungen bringen Dichterinnen und Dichter mit Schülerinnen und Schülern direkt ins Gespräch. Durch die persönliche Begegnung und das Teilen von Gedanken wird Lyrik lebendig. Auch die Universität Münster ist wieder als Kooperationspartnerin mit dabei.“

Als Türöffner für die Auseinandersetzung mit dem Thema Lyrik fungiert die spartenübergreifende Veranstaltungsreihe POETRY – ein Rahmenprogramm, das bereits im Juni, knapp einen Monat vor dem Festival, mit einem umfangreichen Programm lockt: darunter Performances, Musik- und Filmabende sowie Slam Poetry.

Preis der Stadt Münster für Internationale Poesie

Höhepunkt des Festivals ist die Verleihung des Preises der Stadt Münster für Internationale Poesie am Sonntag, den 5. Juli, im Erbdrostenhof. Dabei handelt es sich um die erste Auszeichnung in Deutschland, die zu gleichen Teilen einer Dichterin / einem Dichter und der Übersetzerin / dem Übersetzer zugesprochen wird. In diesem Jahr geht der mit 15.500 Euro dotierte Preis an die serbische Dichterin Milena Marković sowie an ihre Übersetzerin Mirjana Wittmann und deren 2023 verstorbenen Ehemann Klaus Wittmann für den Gedichtband „Kinder“ (2025). 

Ein ausführliches Programmheft ist in der Münster-Information im Stadthaus 1 und im Theater Münster erhältlich. Das Programm ist außerdem digital unter www.stadt-muenster.de/kulturamt/lyriktreffen einsehbar. Karten für 10 bis 16 Euro sowie eine Gesamtkarte für 39 Euro (ermäßigt 28,50 Euro) sind ab dem 28. Mai sowohl an der Theaterkasse, unter www.theater-muenster.com als auch telefonisch unter 02 51 / 5 90 91 00 erhältlich.

Internationales Lyriktreffen Münster

POETRY 2026