Margaret Atwood: Book of Lives – So etwas wie Memoiren
Margaret Atwood wollte eigentlich keine Autobiografie schreiben. Erst ihre Verleger überzeugten sie davon. Entstanden ist „Book of Lives – So etwas wie Memoiren“ (2025). Der Titel passt: Als Autorin weiß sie, dass Erinnerungen niemals die „reine“ Wahrheit wiedergeben können. Ihr Leben hätte ohnehin Stoff für mehrere Bücher geliefert.
Wer Atwood bisher nicht kennt, wird in eine faszinierende Welt hineingezogen. Sie erzählt ihr Leben als „Geschichte in Geschichten“ und zeigt, wie eng Leben und Schreiben verbunden sind. Besonders eindrucksvoll ist der Blick auf die Entstehung von „Der Report der Magd“, den sie 1984 in Westberlin begann und der sie weltweit bekannt machte.
Ihre Kindheit verbrachte sie vielfach „in den Wäldern“ Kanadas, weil die Familie ihrem Vater, einem Insektenforscher, folgte. Aus dieser Zeit blieb in ihr etwas Wildes und Unabhängiges.
Zu Atwood gehört ein lebenskluger Humor – von feiner Ironie bis zu kleinen Frotzeleien. Lachen, sagt sie, helfe beim Leben. Zugleich warnt sie davor, eigene Erfahrungen als allgemeingültige Ratschläge weiterzugeben. Schreiben bedeutet für sie auch, Menschen aus der Vergangenheit wieder nahekommen zu können. Erinnerungen lassen geliebte Verstorbene auf besondere Weise lebendig werden.
Mit fast 87 Jahren ist ihr bewusst, dass das Ende näher rückt. Doch ein Herzschrittmacher („ein lustiges Wort“) ermöglicht ihr weiterhin vieles – auch ihr politisches Engagement, besonders im Austausch mit anderen Frauen. Wie man sich später an sie erinnert, ist ihr nicht wichtig: „Ich werde ja nicht da sein, um es mitzubekommen.“ Ihre Gelassenheit wirkt nicht wie Rückzug, sondern wie eine tiefe Ruhe – verbunden mit großer Lebendigkeit.
Der Buchumschlag zeigt eine verschmitzte Margaret Atwood mit einem Finger auf den Lippen: „Psst!“ Vielleicht ein Hinweis auf die Stille, die nach vielen Worten ebenso wichtig ist.